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KENFO: Daniel von Borries folgt auf Anja Mikus – auch Anlagebeirat wird neu besetzt

Führungswechsel bei einem der wichtigsten institutionellen Investoren Deutschlands: Daniel von Borries übernimmt zum 1. Januar 2027 den Vorstandsvorsitz des KENFO und damit auch die Verantwortung für die Kapitalanlage der Stiftung. Er folgt auf Gründungsvorstandsvorsitzende Anja Mikus, die nach knapp zehn Jahren an der Spitze ausscheidet. Parallel wird der Anlagebeirat mit prominenten Vertretern der institutionellen Kapitalanlage neu aufgestellt.

Dr. Daniel von Borries (Bildquelle: Swiss Life)

Beim Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO) steht ein umfassender Führungswechsel bevor. Wie die Berliner Stiftung am 12. Oktober mitteilte, wird Daniel von Borries zum 1. Januar 2027 neuer Chief Executive Officer (CEO) und Chief Investment Officer (CIO). Er übernimmt damit sowohl die strategische Führung als auch die Verantwortung für die Kapitalanlage des größten öffentlich-rechtlichen Stiftungsinvestors Deutschlands.

Der promovierte Volkswirt folgt auf Anja Mikus, die den KENFO seit seiner Gründung 2017 als CEO und CIO aufgebaut und geprägt hat. Sie scheidet zum Jahresende aus Altersgründen aus dem Vorstand aus.

Von ERGO und Swiss Life an die Spitze des KENFO
Mit von Borries gewinnt der KENFO einen Manager, der sowohl mit der Steuerung großer institutioneller Kapitalanlagen als auch mit langfristigen versicherungstechnischen Verpflichtungen vertraut ist.

Von 2004 bis 2016 gehörte er dem Vorstand der ERGO Versicherungsgruppe an. Als Chief Investment Officer verantwortete er dort unter anderem die Kapitalanlage und das Asset-Liability-Management eines Vermögens von rund 130 Mrd. Euro.

Anschließend wechselte er zu Swiss Life Deutschland, wo er von 2016 bis Mitte 2026 als Finanzvorstand tätig war. Zu seinen Verantwortungsbereichen zählten Finanzen, Risikomanagement, Asset-Liability-Management und Aktuariat.

Gerade diese Kombination aus Kapitalanlage, Risikomanagement und der Steuerung langfristiger Verpflichtungen dürfte für seine neue Aufgabe von Bedeutung sein. Anders als klassische Pensionsinvestoren muss der KENFO mit seinem Portfolio über Jahrzehnte hinweg die Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung sicherstellen.

Anja Mikus hinterlässt einen etablierten institutionellen Investor
Mit dem Ausscheiden von Anja Mikus endet zugleich die Aufbauphase unter der Gründungsvorsitzenden.

Unter ihrer Führung entstand aus dem 2017 gegründeten Fonds eine eigenständige Investmentorganisation mit international diversifiziertem Portfolio, etablierten Investmentprozessen und inzwischen mehr als 50 Beschäftigten.

Das ursprüngliche Stiftungsvermögen von 24,1 Mrd. Euro ist trotz laufender Auszahlungen auf zuletzt 27,6 Mrd. Euro per 30. Juni 2026 angewachsen. Seit Gründung hat der KENFO nach eigenen Angaben bereits insgesamt 5,3 Mrd. Euro an den Bund zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung erstattet.

Die annualisierte Wertentwicklung der Kapitalanlagen lag seit Gründung bei 5,8%.

Claus Stickler übernimmt Vorsitz des Anlagebeirats
Parallel zum Wechsel an der Vorstandsspitze wird auch der Anlagebeirat neu aufgestellt. Claus Stickler übernimmt den Vorsitz von Immo Querner, der das Gremium seit August 2021 geführt hatte.

Besonders bemerkenswert sind die drei Neuzugänge:
*Pål Bergström, seit 2023 CEO des schwedischen staatlichen Pensionsfonds AP7, bringt Erfahrungen aus einem der international bedeutenden kapitalgedeckten Altersvorsorgesysteme ein.
*Evi C. Vogl, ehemalige Deutschlandchefin von Amundi, verfügt über langjährige Erfahrung im Asset und Wealth Management sowie in regulatorischen Fragen.
*Britta Weidenbach, langjährige DWS-Managerin und heute geschäftsführende Gesellschafterin des Multi Family Office AURETAS, ergänzt das Gremium mit Expertise in Aktienanlagen und strategischer Asset Allocation.

Neben Querner scheiden auch Christian Kopf und Sonja Laud aus dem Anlagebeirat aus. Das Gremium berät das Kuratorium insbesondere bei Fragen der Kapitalanlage, Risikosteuerung und langfristigen Anlagestrategie.

Langfristiger Anlageauftrag bis zum Ende des Jahrhunderts
Mit einem verwalteten Vermögen von 27,6 Mrd. Euro zählt der KENFO zu den bedeutenden institutionellen Asset Ownern in Deutschland.

Zum 30. Juni 2026 entfielen 44,8% des Portfolios auf Aktien, 38,0% auf Anleihen, 14,3% auf nicht börsennotierte Anlagen und 2,9% auf Liquidität.

Der Anlagehorizont reicht bis zum Ende des Jahrhunderts. Anders als bei vielen anderen institutionellen Anlegern steht der KENFO damit vor der besonderen Aufgabe, sein Vermögen über einen außergewöhnlich langen Zeitraum zu erhalten, weiterzuentwickeln und zugleich laufende Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.

Mit dem Wechsel von Mikus zu von Borries beginnt nun eine neue Führungsphase. Während die vergangenen Jahre vor allem durch den Aufbau der Investmentorganisation und des Portfolios geprägt waren, wird es künftig verstärkt darum gehen, die etablierte Kapitalanlagestrategie unter wechselnden Marktbedingungen fortzuführen und weiterzuentwickeln.