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„Infrastrukturanlagen sind stabile Vermögenswerte, die sich über Konjunkturzyklen hinweg widerstandsfähig zeigen“

Alternative Investments bleiben ein zentraler Baustein in den Portfolios institutioneller Anleger. Besonders Infrastruktur, erneuerbare Energien und Private Debt stehen im Fokus, während Immobilien und klassische Private-Equity-Strategien differenzierter beurteilt werden. Markus Hill* sprach für IPE D.A.CH mit Sebastian Thürmer über Renditeerwartungen, regulatorische Spielräume, ESG, geopolitische Risiken und die Frage, welche Anlagethemen in den kommenden Jahren zusätzlich an Bedeutung gewinnen könnten. Dies ist der zweite Teil des Interviews, im ersten Teil wurde als Schwerpunkt die Asset Klasse Immobilien betrachtet.

Markus Hill (re.) im Gespräch mit Sebastian Thürmer

IPE D.A.CH: Herr Thürmer, Alternative Investments erlebten in den vergangenen Jahren ein beispielloses Wachstum. Welche Rolle spielen sie aktuell in der strategischen Allokation institutioneller Investoren?
Thürmer: 80% wollen die Quote von Alternativen Investments weiter aufstocken, 16% lassen sie unverändert und vier Prozent denken über eine Reduzierung nach. Das Segment befindet sich also weiterhin in einem starken Wachstum. Besonders interessant erscheinen den Investoren Infrastructure Equity, erneuerbare Energien und in Teilen auch Private Debt, während Private Equity etwas an Fahrt verliert.

IPE D.A.CH: Was treibt institutionelle Investoren an, besonders in Infrastrukturanlagen zu investieren?
Thürmer: Infrastrukturanlagen sind stabile Vermögenswerte, die sich über Konjunkturzyklen hinweg widerstandsfähig zeigen. Gerade die schwachen Wachstumszahlen der vergangenen Jahre sind hierfür ein gutes Beispiel. Infrastrukturanlagen bieten Anlegern hohe und regelmäßige Ausschüttungsrenditen. Zudem können sie aktiv an einer nachhaltigen Entwicklung mitwirken. Dekarbonisierung, intelligente Verkehrswege, Digitalisierung, künstliche Intelligenz sowie der demografische Wandel sind keine vorübergehenden Erscheinungen. Sie führen uns in ein neues Zeitalter mit dauerhaftem Nachfragepotenzial. 64% der Befragten wollen deshalb die Assetklasse Infrastruktur weiter ausbauen.

IPE D.A.CH: Für Sie als Placement Agent sind das doch paradiesische Aussichten – oder?
Thürmer: Langfristig mag das sein. Doch schon heute spürt man ein Hauen und Stechen um jeden Anleger und jedes Anlageobjekt. Vor wenigen Jahren gab es nur wenige Sondervermögen, die sich auf Energieinfrastruktur fokussierten. Heute haben wir europaweit Hunderte Anbieter. Die Märkte befinden sich in einem ständigen Wandel, und immer wieder kommen neue Themen hinzu. Viele Unternehmen der Assekuranz arbeiten derzeit an der Optimierung ihrer Infrastrukturanlagen. Zeichnungen aus den Vorjahren werden fortlaufend abgerufen. 2027 dürfte dann ein neuer Investitionsschub folgen. Mit der seit vergangenem Jahr geltenden Infrastrukturquote innerhalb der Anlageverordnung können auch deutsche Pensionskassen und Versorgungswerke bis zu fünf Prozent ihres Sicherungsvermögens gezielt in Infrastrukturanlagen investieren. Leider warten die Altersversorger seit eineinhalb Jahren auf die praktische Anleitung durch die BaFin in Form eines Rundschreibens. Deshalb halten sie sich noch mit Neuzeichnungen zurück, sodass nach 2025 nun womöglich auch 2026, zum zweiten Mal in Folge, die Anlageplanungen ins nächste Jahr verschoben werden. Dieser Anlagestau wirkt sich auch auf andere Anlageklassen aus, da bislang nicht klar definiert ist, welche Folgen die Neuregelung für die Risikokapitalquote hat. Es ist für alle Beteiligten zu hoffen, dass das Warten bald ein Ende hat und endlich Investitionen in deutsche und europäische Infrastrukturanlagen folgen können.

IPE D.A.CH: Wo sehen institutionelle Investoren die attraktivsten Chancen innerhalb von Infrastruktur-Investments?
Thürmer: Energie bleibt bei Investoren ganz oben auf der Agenda: Stromerzeugung, Netzinfrastruktur, Speichertechnologien und Energieeffizienz. Der Verkehrssektor hat inzwischen zu Energie aufgeschlossen. Spannende Investmentthemen sind hier intelligente Verkehrskonzepte, Verkehrsüberwachung und der Bahnverkehr, insbesondere der Güterverkehr. Ein Trendwechsel institutioneller Investoren hin zur CO2-Reduzierung ist hier bereits erkennbar. Im Bereich der Digitalisierung sprechen wir von der digitalen Transformation. Als interessant gelten unter anderem Rechenzentren, IT-Sicherheit und Cloudanwendungen.

IPE D.A.CH: Welche Renditeerwartungen haben institutionelle Investoren, und welche Risikoklassifizierungen nehmen sie in der Assetklasse Infrastruktur vor?
Thürmer: 72%streben langfristig eine Nettorendite von 6-9% p.a. an, während 19% Nettorenditen von 10% oder mehr erwarten. 54% zielen auf klassische Core-Investments, während 39% Core-Plus-Strategien vorziehen. Value-Add hat in diesem Segment derzeit nur eine geringe Bedeutung.

IPE D.A.CH: Wie sehen die Planungen der Befragten bei Private Debt aus? In den vergangenen Monaten gab es doch einige negative Marktnachrichten.
Thürmer: Negative Medienberichte über Risiken in der Anlageklasse drücken tatsächlich auf die Stimmung, beispielsweise Fondsschließungen, Rücknahmeaussetzungen oder Abschreibungsbedarf. Dies betrifft allerdings größtenteils den US-amerikanischen Markt. In Europa bleibt Private Debt eine robuste Anlageklasse, auch wenn sich das Umfeld verändert und anspruchsvoller wird. Die Ausfallraten dürften moderat steigen. Aufgaben wie Kreditprüfung, Controlling und Risikomanagement sowie kürzere Laufzeiten gewinnen an Bedeutung. Gefragt sind Private-Debt-Anlagen aus den Segmenten Infrastruktur und Corporate. Im Bereich Infrastruktur wollen 30% und bei Corporate 28% ihre Quoten ausbauen.

IPE D.A.CH: Welche Bedeutung wird Private Debt künftig für institutionelle Investoren haben?
Thürmer: Wir gehen weiterhin von einem sehr starken Marktwachstum aus. Viele Versicherungsunternehmen investieren bereits umfangreich in Private Debt und planen weitere Aktivitäten. Zusätzlich eröffnet die neu geschaffene Infrastrukturquote nun auch Altersvorsorgeunternehmen und weiteren VAG-regulierten Investoren zusätzliche Spielräume für Fremdkapitalengagements. Das Wachstum wird sich jedoch nicht auf Deutschland beschränken. Die Investmentgesellschaft BlackRock rechnet in den kommenden Jahren weltweit mit einem Volumenwachstum von rund 150% auf 3,5 Billionen US-Dollar.

IPE D.A.CH: Private Equity ist laut Ihrer Studie im Vergleich zu Infrastruktur, erneuerbaren Energien und Private Debt weniger gefragt. Was sind die Gründe?
Thürmer: Klassische Private-Equity-Fonds verlieren bei der Allokation im Gesamtportfolio bereits seit Jahren an Bedeutung. Der Trend geht eindeutig in Richtung Infrastruktur und damit zu nachhaltigen Investments. Die Gründe für die rückläufige Gewichtung von Private Equity in der Gesamtallokation sind vielschichtig. Die Exitflaute führt zu weniger Transaktionen, und rückläufige Gewinne machen den Markt zunehmend unattraktiv. Außerdem wirken steigende Zinsen belastend, denn Private Equity ist typischerweise stark fremdkapitalorientiert. Einzig Secondaries haben 2025 ein neues Rekordvolumen erreicht. Aber selbst dieser Trend ist zu hinterfragen, da häufig nicht verkaufte Assets in neue Fonds umgeschichtet werden. Laut unserer Umfrage wollen nur 13% der befragten Teilnehmer ihre Bestände weiter erhöhen. Zu den Favoriten gehören Buyouts und Secondaries.

IPE D.A.CH: In der öffentlichen Wahrnehmung verliert das Thema Nachhaltigkeit zunehmend an Relevanz. Wie wichtig ist ESG den Anlegern noch?
Thürmer: Ich habe nicht den Eindruck, dass Nachhaltigkeit an Relevanz verliert. Laut unserer Umfrage betrachten fast 80% der Anleger das Thema als wichtig oder sehr wichtig. Bei regulierten Anlegern liegt diese Quote sogar bei über 90%. Nachhaltigkeit ist ein essenzielles Element des Gesamtportfolios und zugleich ein Kernbestandteil des Risikomanagements. Institutionelle Investoren suchen bewusst nach messbaren Lösungen, beispielsweise einer realisierbaren CO2-Reduktion. Allerdings ist in Öffentlichkeit und Politik eine starke Polarisierung erkennbar. Das hat jedoch eher mit Einflüssen von jenseits des Atlantiks zu tun. ESG ist in Europa weiterhin gesetzt und hat besonders in Deutschland einen hohen Stellenwert, der aktuell nicht infrage gestellt wird.

IPE D.A.CH: Wie stehen deutsche institutionelle Investoren zu Themen wie Atomkraft und Rüstung, gerade mit Blick auf Nachhaltigkeit?
Thürmer: In Deutschland haben solche Themen aktuell keine nennenswerte Bedeutung, eher im europäischen Ausland oder in Nordamerika. Deutsche Investoren konzentrieren sich auf verwandte Bereiche wie Infrastruktur- und Energiesicherheit oder mittlerweile auch Cyberabwehr. Diese Sektoren profitieren von Sicherheitsaspekten, wobei Energiesicherheit wohl die höchste Priorität einnimmt.

IPE D.A.CH: Wenn Sie die Ergebnisse der ersten Studie von 2021 mit denen von 2026 vergleichen: Welche entscheidenden Veränderungen haben sich in diesem Zeitraum ergeben?
Thürmer: Die Assetklasse Immobilien hat deutlich an Attraktivität eingebüßt. Dagegen sind Infrastrukturanlagen sehr gefragt und werden es in den nächsten Jahren wohl auch bleiben. Die Reform der Anlageverordnung dürfte diesen Trend für Altersvorsorgeeinrichtungen in Deutschland zusätzlich befeuern.

IPE D.A.CH: Welche Gefahren sehen institutionelle Investoren im gegenwärtigen Marktumfeld für ihre Anlageziele?
Thürmer: Die geopolitischen Risiken nehmen weiter zu. Das gilt auch für die politischen und wirtschaftlichen Spannungen im westlichen Bündnis, also zwischen den USA und ihren Verbündeten. Hinzu kommen Faktoren wie schwaches Wachstum, möglicherweise steigende Zinsen sowie ungünstige Entwicklungen bei Energie- und Rohstoffpreisen. Die weiter galoppierende Staatsverschuldung der westlichen Welt, aber auch in Asien, kann die Märkte auf absehbare Zeit beeinflussen und zu größeren Verwerfungen führen.

IPE D.A.CH: Vielen Dank für das Gespräch.

Link zu Teil 1 des Interviews

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*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main.
Kontakt: info(at)markus-hill.de; Website: www.markus-hill.de

LINK ZUR PANELDISKUSSION (VIDEO): „Präferenzen institutioneller Anleger bei Immobilien und Alternativen Investments“

Die Studie „Präferenzen institutioneller Anleger bei Immobilien und Alternativen Investments 2026“ kann digital unter info(at)artis-icm.de angefordert werden. Institutionellen Investoren wird die Studie kostenfrei zur Verfügung gestellt.