Spätestens zum Jahresende wird der größte Anbieter für betriebliche Altersvorsorge in Österreich, die VBV, einen ihrer längstgedientesten Vorstände verlieren: Die Verträge von Günther Schiendl werden nicht verlängert (wir berichteten).
Das ließ die VBV am vergangenen Donnerstag-Abend in einer Pressemitteilung wissen. Der angegebene Grund: „Auf Grund der geplanten Zusammenlegung der Veranlagung in der VBV von zwei Bereichen auf künftig einen Gruppenbereich, wird das bis Jahresende 2026 laufende Vorstandsmandat von Mag. Günther Schiendl nicht verlängert“, wird Mag. Markus Posch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der VBV-Gesellschaften, darin zitiert. Die „geplante Zusammenführung“ betrifft die Veranlagung der Pensionskasse mit jener der Vorsorgekasse, die die obligatorischen Abfindungszahlungen verwaltet.
Zusammen verwalten die beiden Einrichtungen der VBV nach der Übernahme der betrieblichen Pensionskasse der IBM in Österreich im vergangenen Jahr knapp über 10 Mrd. Euro.
Schiendl ist derzeit Mitglied des Vorstands der VBV-Holding und CEO der VBV-Pensionskasse, in deren Vorstand er seit 2008 tätig ist. „Herr Schiendls Vorstandsmandate laufen mit Jahresende aus“, bestätigte die Pressestelle der VBV gegenüber IPE D.A.CH. Für weitere Kommentare standen weder die VBV noch Günther Schiendl zur Verfügung.
Mercer-Ranking
Im Ranking für 2025, das die Beraterfirma Mercer jährlich für die österreichischen Pensions- und Vorsorgekassen erstellt, gab es nach Jahren wieder einmal eine deutliche Verschiebung: Die Allianz PK belegt in gleich drei Kategorien – je nach Höhe der Aktienquote – Platz 1: In der „konservativen“ mit einer Performance für 5,33% im vergangenen Jahr, mit der „ausgewogenen“ bei 6,84% und der „dynamischen“ mit 7,36%. Die Durchschnittsperformance aller überbetrieblichen Pensionskassen in Österreich lag bei 4,33%.
„Nach Jahren des Aufbaus haben sich einige Impact- und Infrastruktur Investments besonders bezahlt gemacht“, kommentierte Marita Hofer, Mitglied des Vorstandes bei der Allianz Vorsorgekasse sowie der Pensionskasse gegenüber IPE D.A.CH. Damit sei das Ergebnis „nicht nur für unsere Kunden, sondern auch aus ESG-Sicht“ erfreulich.
„Aktives Risikomanagement und sich trotz Marktturbulenzen nicht aus der Ruhe bringen lassen, das war letztes Jahr das richtige Rezept“, ergänzt Hofer.
Im langfristigen Blick über zehn Jahre liegt die APK mit 3 Siegen vor der VBV mit 2 Plätzen auf dem Siegerpodest.
Michaela Plank, Geschäftsführerin von Mercer Austria, sagt im Gespräch mit IPE D.A.CH zum Ergebnis: „Im Jahr 2025 wurde deutlich, wie kurzfristige Absicherungen die Performance von Vorsorgeportfolios erheblich beeinträchtigen können. Insbesondere zeigte sich, dass solche Absicherungen nur sehr langsam wieder aufgelöst werden können.“
Lebensphasen
In diesem Zusammenhang betont Plank die steigende Bedeutung von ausreichender Flexibilität im Lebensphasenmodell. Dieses findet bei österreichischen Pensionskassen bereits Anwendung, ist aber gesetzlich relativ limitiert.
„Es müsste erlaubt sein, das Risiko erst in einer späteren Lebensphase herauszunehmen, wie es auch in den Nordics gemacht wird – vielleicht sogar über den Pensionsantritt hinaus“, schlägt Plank vor.
Auch die Performances der unterschiedlichen Veranlagungs- und Risikogemeinschaften im vergangenen Jahr hätten erneut gezeigt, wie groß die Ertragsunterschiede je nach Aktienquote sein können.
Generell würde sich Plank mehr Flexibilität im System wünschen: „Es könnte auch zum Beispiel darüber nachgedacht werden, dass der Rechnungszins bei Pensionsantritt frei gewählt wird.“ So könnten Rentner selbst bestimmen, ob sie lieber eine höhere Pension oder langfristig ein sicheres niedrigeres Level ausbezahlt bekommen wollen.
Reformbedarf
Die Aussagen von Mercer Austria richten sich an die Regierungsparteien, die im Herbst mit einem Reformpapier einen ersten Anstoß für eine umfassende System-Überarbeitung gegeben haben. Derzeit laufen die Gespräche mit den Sozialpartnern und Branchenexperten – wann ein Ergebnis zu erwarten ist, weiß niemand genau.
Auf dem Verhandlungstisch liegen jedenfalls auch die Garantien, die für die österreichischen Vorsorgekassen gesetzlich verankert sind. Diese Kassen verwalten Gelder, die von Unternehmen obligatorisch für die Abfindung von Mitarbeitenden abgeführt werden müssen.
Im Jahr 2025 erzielten die Vorsorgekassen im Durchschnitt eine Rendite von 3,61%. Hier belegte der größte Anbieter, die VBV, sowohl kurz- als auch langfristig den ersten Platz.
„Die deutlichen Unterschiede in der Durchschnittsperformance der Pensions- und Vorsorgekassen zeigen, dass vielleicht auch ein Modell ohne Garantien sinnvoll wäre“, so Plank.
„Die Garantie hemmt die Performance, das sieht man vor allem im Langzeitvergleich“, gibt Plank zu bedenken.
In den derzeitigen Verhandlungen der Regierung mit Sozialpartnern und Branchenexperten werden u.a. neue Modelle diskutiert, unter denen es auch möglich wäre, eine Vorsorgekassenlösung ohne Garantie anzubieten.
Darüber hinaus sind die Vorsorgekassen gezwungen kurzfristig anzulegen, weil eine Entnahme der Beiträge viel einfacher möglich ist, als bei den Pensionskassen. „Diese kurzfristige Veranlagungsdauer limitiert die Anlagestrategien sehr stark“, betont Plank.
„Diese Rahmenbedingungen führen dazu, dass die Renditechancen begrenzt sind und die Vorsorgekassen kaum flexibel auf Marktveränderungen reagieren können. Für Arbeitgeber und Berechtigte bedeutet dies eine eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge.“
Ihr Fazit: „Auch hier ist mehr Flexibilität gefordert.“
Österreich-Update: Schiendl verlässt VBV & Allianz Pensionskasse holt Platz 1 im Mercer Ranking
