„In der jetzigen Regierungskonstellation sind Reformen wahrscheinlicher als in den letzten Jahrzehnten“, sagte Martin Sadelic, CEO der österreichischen Valida Vorsorge Management, gegenüber IPE D.A.CH. Bei einem Hintergrundgespräch zur Zukunft des österreichischen Pensionssystems bestätigte Sadelic, dass die derzeitigen Regierungspläne zur Umgestaltung der zweiten Säule inklusive der Vorsorgekassen vielversprechend aussehen.
Unter der Valida Vorsorge Management werden sowohl die zweitgrößte österreichische Pensionskasse, die Valida PK mit 8,2 Mrd. Euro, als auch eine Vorsorgekasse mit 5,7 Mrd. Euro, verwaltet.
Im vergangenen Monat hatte der Vorstand des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen, Andreas Zakostelsky bestätigt, dass sich Experten der zweiten Säule im ersten Quartal mit Regierungsvertretern treffen werden, um Details zu vorgeschlagenen Pensionsreform auszuarbeiten.
„Den Generalpensionskassenvertrag finden wir eine gute Idee, einen guten ersten Schritt“, sagte auch Philipp Mayer, Vorstandsmitglied der Valida, bei dem Hintergrundgespräch vergangene Woche in Wien. Er referenzierte damit die Regierungspläne eine Pensionskasse für alle einzurichten, damit die obligatorisch angesparten Abfertigungsgelder (also Abfindungsbeiträge) bei Rentenantritt aus der Vorsorgekasse übertragen werden können, um verrentet zu werden.
Für 2025 erwirtschaftetet die Valida Pensionskasse einen Renditedurchschnitt von 3,75%, was unter dem Branchenschnitt mit 4,88% liegt. Die Valida Vorsorgekasse verzeichnete eine Rendite von 3,25%, verglichen mit einem Branchenschnitt von 3,6%.
Besser spät als nie
In ihrer Präsentation wiesen die Valida-Vorstände darauf hin, dass Österreich für Reform-Inspirationen auf Länder wie Dänemark schauen sollte.
„Es gibt internationale Beispiele, die günstiger sind für den Staat – aber gleichzeitig auch für die Pensionisten besser sind“, sagte Sadelic.
Als Gastrednerin hatte die Valida Monika Köppl-Turyna geladen, Direktorin des Wirtschaftsforschungsanbieters EcoAustria. Sie zitierte Statistiken zum österreichischen Pensionssystem, das noch immer praktisch ausschließlich auf einer umlagefinanzierten ersten Säule ruht: „Jeder siebente Euro der österreichischen Wirtschaftsleistung fließt derzeit ins Pensionssystem.“ Das bremse die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
Die demografische Entwicklung bedinge, dass immer weniger Menschen einzahlen. „Das österreichische System ist großzügig, aber fiskalisch nicht nachhaltig.“ In Zukunft werden die Renten aus der ersten Säule sinken müssen.
„Dänemark hat meiner Ansicht nach das beste Pensionssystem der Welt“, so Köppl-Turyna. „Es hilft, die Altersvorsorge zu stärken und Vermögensungleichheit zu vermindern. Aber dänische Pensionskassen sind auch die größten Geldgeber für den Kapitalmarkt und damit für dänische Unternehmen.”
Die Ökonomin wies auf Ähnlichkeiten hin zwischen Dänemark in den 1990ern als das Pensionskassensystem ausgerollt wurde und Österreich heute: „Ähnlich wie damals in Dänemark, als die Pensionskassenreform beschlossen wurde, sehen wir auch heute in Österreich einen Versuch die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Pensionskassen wären hier eine Lösung.“
Auf die Frage von IPE D.A.CH ob eine Ausweitung einer kapitalgedeckten zweiten Säule derzeit, in einem viel volatileren Marktumfeld, machbar ist, sagte Sadelic: „Natürlich sind wir in Österreich in Sachen zweite Säule viel später dran als andere Länder. Aber besser spät als nie. Besser jetzt etwas machen, als sehenden Auges gegen die Wand zu rennen und unseren Kindern und Enkelkindern Lasten aufzubürden für die sie nie unterschrieben haben.“
Das Argument, das Menschen in Österreich oft zu wenig Finanzbildung haben, um ein kapitalgedecktes System zu verstehen, ließ Köppl-Turyna nicht gelten: „Wenn Menschen in einem kapitalgedeckten System sind, dann beschäftigen sie sich auch mehr mit diesem Thema.“
Österreich: Valida sieht Pensionsreform aktuell „wahrscheinlicher als in den letzten Jahrzehnten”
