Die Spreads von verbrieften Krediten haben sich in den vergangenen Monaten sowohl im Agency- als auch im Non-Agency-Sektor ausgeweitet. Wir blicken aber nach wie vor positiv auf das Anlagesegment, denn diese Entwicklung spiegelt aus unserer Sicht keine Verschlechterung der Fundamentaldaten wider, sondern ist in erster Linie makroökonomisch bedingt: Es handelt sich um eine breitere Neubewertung von Risiken, die mit geopolitischer Unsicherheit, Ölpreisvolatilität und erhöhten Emissionen von Unternehmensanleihen zusammenhängt – insbesondere im Zusammenhang mit Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Das hat zu attraktiveren Einstiegsmöglichkeiten auf den Märkten für verbriefte Wertpapiere geführt, anstatt die zugrunde liegenden Investitionsargumente zu schwächen.
Anders als Unternehmensanleihen bleiben verbriefte Kredite von vielen der genannten Faktoren relativ unberührt. Der Sektor ist stärker mit der finanziellen Situation der privaten Haushalte verknüpft – vor allem von Verbrauchern mit höherem Einkommen, die aufgrund erheblicher Wertsteigerungen bei Eigenheimen und Finanzanlagen in den vergangenen Jahren weiterhin eine starke Kreditperformance aufweisen. Das hat zu einer stabilen Entwicklung selbst in einem unsichereren makroökonomischen Umfeld beigetragen.
Infolgedessen bieten verbriefte Kredite unserer Ansicht nach derzeit eine interessante Kombination: die Möglichkeit, bei einer durchschnittlichen Bonität im A/A+-Bereich mit Renditen von annähernd 6% Erträge in Höhe von Hochzinsanleihen zu erzielen. Gleichzeitig weist die Anlageklasse historisch gesehen eine geringere Volatilität sowie seltenere und weniger starke Kursrückgänge auf als Unternehmensanleihen mit vergleichbarer Rendite.
Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass verbriefte Wertpapiere derzeit attraktive Relative-Value-Chancen im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere bieten.
Attraktive Renditen bei Agency-Mortgage-Backed-Securities
Wir sind mit einem positiven Ausblick für Agency-Mortgage-Backed-Securities (MBS) in das Jahr 2026 gestartet. Diese Einschätzung bleibt unverändert, auch wenn sich die Spreads parallel zu den breiteren Rentenmärkten leicht ausgeweitet haben.
Agency-MBS bieten aktuell für eine hochwertige, staatlich abgesicherte Anlageklasse interessante Renditen im Bereich von rund 5%. Die risikobereinigten Bewertungen sind im Vergleich zu anderen festverzinslichen Sektoren weiterhin attraktiv. Das gilt insbesondere gegenüber Unternehmensanleihen, die einem anhaltenden Angebotsdruck durch erhöhte Emissionen ausgesetzt sind.
Wir gehen davon aus, dass die längerfristigen US-Zinsen 2026 mit Renditen von annähernd 4% bei 10-jährigen US-Staatsanleihen auf hohem Niveau bleiben werden. Dies dürfte die Hypothekenzinsen hoch halten, Refinanzierungen unattraktiv machen und damit das Vorfälligkeitsrisiko begrenzen – was stabile Zinserträge begünstigt.
Non-Agency-RMBS mit starken Fundamentaldaten
Non-Agency-RMBS (Residential Mortgage-Backed-Securities) bleiben der Sektor innerhalb des Universums verbriefter Kredite, von dem wir am stärksten überzeugt sind. Trotz der jüngsten Ausweitung der Spreads bleiben die Fundamentaldaten außergewöhnlich stark und die Bewertungen sind attraktiver geworden.
Rekordhohe Eigenkapitalbestände von Eigenheimbesitzern, gestützt durch mehrere Jahre steigender Immobilienpreise, haben zu durchschnittlichen Beleihungsquoten von unter 50% geführt. Das bietet selbst in Stressszenarien einen erheblichen Schutz vor Verlusten. Gleichzeitig sind die Zahlungsrückstands- und Ausfallquoten auf einem historisch niedrigen Niveau.
Die Erschwinglichkeit stellt zwar weiterhin eine Herausforderung dar. Das begrenzte Wohnungsangebot und die starke demografische Nachfrage dürften den Markt aber weiterhin stützen.
Die Kreditperformance bei Hypotheken ist nach wie vor ausgesprochen stark und wir gehen davon aus, dass das so bleiben wird. Unserer Ansicht nach bleiben Wohnimmobilienkredite weltweit eine der interessantesten Möglichkeiten, Kreditrisiken einzugehen: Sie eröffnen ein hohes Ertragspotenzial bei starkem strukturellem Schutz und begrenzter Anfälligkeit gegenüber allgemeinen makroökonomischen Schocks.
Lage bei gewerblichen Hypotheken (CMBS) hellt sich auf
Die Fundamentaldaten für gewerbliche MBS (Commercial Mortgage-Backed-Securities, CMBS) verbessern sich nach mehreren Jahren mit Gegenwind aufgrund höherer Zinsen und pandemiebedingter Verwerfungen. Während sich die Spreads parallel zu den breiteren Märkten ausgeweitet haben, stabilisiert sich die zugrundeliegende Performance auf Objektebene.
Die während der Pandemie stark angestiegenen Leerstandsquoten tendieren in vielen Märkten wieder in Richtung des Vor-Corona-Niveaus. Gleichzeitig hat die gedämpfte Neubautätigkeit das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei mehreren Nutzungsarten verbessert. Die Finanzierungsbedingungen haben sich im Vergleich zu früheren Stressphasen ebenfalls stabilisiert.
Der CMBS-Markt bleibt weiterhin sehr stark einzelfallgetrieben. Wir bevorzugen innerhalb jedes Teilsektors qualitativ hochwertige Objekte gegenüber dem unteren Marktsegment: hochwertige Hotels, gut gelegene Mehrfamilienimmobilien, Einzelhandelsimmobilien mit Fokus auf einkommensstarke Verbraucher und Trophy- beziehungsweise Class-A-Büros. Nachdem wir unser Engagement über mehrere Jahre abgebaut haben, planen wir, die CMBS-Allokationen im Jahr 2026 selektiv zu erhöhen.
Positionierung: Fokus auf zahlungskräftige Verbraucher und Gewerbe
Wir bleiben bei ABS (Asset Backed Securities) insgesamt selektiv positioniert. Es bestehen weiterhin fundamentale Unterschiede zwischen den Konsumentengruppen. Verbraucher mit geringerem Einkommen stehen aufgrund erhöhter Inflation und höherer Kreditkosten weiterhin unter Druck; die Zahlungsrückstands- und Ausfallraten in den Non-Prime-Segmenten steigen. Im Gegensatz dazu bleiben Verbraucher mit höherem Einkommen gestützt durch die positive Entwicklung von Immobilien- und Finanzanlagen widerstandsfähig.
Daher streben wir an, auf hochwertige Verbraucherkredite zu setzen und bevorzugen unternehmensnahe ABS, deren Fundamentaldaten in der Regel stabiler und weniger anfällig für Verbraucherstress sind. Zu den Schwerpunkten zählen Flugzeugleasing, Rechenzentren, Hypothekenservicerechte und Kredite an kleine Unternehmen.
Obwohl Teilbereiche wie Rechenzentren und KI-Infrastruktur mit übergeordneten Makrothemen verbunden sind, bleibt das Gesamtengagement begrenzt. Insgesamt ist der Markt für verbriefte Kredite deutlich weniger anfällig für diese Dynamiken als Unternehmensanleihen.
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*) Andrew Szczurowski, Co-Head des Mortgage and Securitized Investment Teams bei Morgan Stanley Investment Management
Gastbeitrag: Verbriefte Kredite – höhere Spreads, robuste Fundamentaldaten
Andrew Szczurowski
