„Ich bin mir sicher, dass das schwächere Marktumfeld im Private Equity-Bereich auch wieder enden wird“, zeigt sich Tobias Hangl, Niederlassungsleiter für Ypsilon in München, überzeugt. Aber damit der Markt sich wieder auf Niveaus von 2019 oder ähnlich guten Jahren einpendeln kann, muss sich nicht nur das wirtschaftliche Umfeld verbessern. „Auch der Exit-Stau in Private Equity Fonds aus den letzten Jahren muss abgebaut werden“, erläutert Hangl.
Aus dieser Notwendigkeit heraus, werden vermehrt von den Initiatoren selbst Nachfolgefonds, sogenannte Continuation-Fonds, aufgelegt – und sie könnten auch gekommen sein, um zu bleiben.
Ypsilon berät Small- und Mid-Cap Fonds mit dem Fokus auf Private Equity und partiell auch deren Portfoliounternehmen.
„Viele Fonds haben einen Exit-Überhang an Beteiligungen, die sie eigentlich schon längst hätten verkaufen wollen, aber das Marktumfeld wird nur langsam besser und man will nicht zu früh verkaufen“, so Hangl. „Denn das Kapital muss zurück an die Investoren fließen.“
Stattdessen werden Beteiligungen im Bestand, die auf den Exit warten, in einen Nachfolgefonds übertragen. „Diese Unternehmen haben Potenzial – man will sie nur nicht unter Druck und Wert verkaufen“, betont Hangl.
Unter den Mandanten der Ypsilon GmbH habe jeder dritte bereits einen solchen aufgelegt oder hat es schon in Planung.
Institutionelle Nachfrage
„So ist ein breiter Sekundärmarkt entstanden, aus dem Investoren wählen können“, so Hangl. Er bestätigt, dass aus dem institutionellen Bereich hier große Nachfrage besteht. Das Private Equity-Exposure in institutionellen Portfolios ist oftmals durch einen gedämpften Risikoappetit gebremst. Solche Sekundärfonds bieten eine Einstiegsmöglichkeit in reifere Beteiligungen.
„Hier können ganz andere Investorengruppen abgeholt werden, nämlich jene, die sich lieber im Sekundärmarkt tummeln“, so Hangl.
Die Zusammensetzung der neuen Fonds kann jeweils für bestimmte Anleger interessant sein. Die Fonds werden dann oftmals nach Branchen, wie etwa Technologie, gebündelt. Sehr selten gibt es Single Asset Continuation Fonds mit nur einer Beteiligung. „Diese sektorale Aufteilung ist für den einen oder anderen Investor auch wichtig, weil im Fonds Synergien genutzt werden und Branchenpotentiale abgebildet werden können“, gibt Hangl zu bedenken.
Die Fondsgrößen sind völlig unterschiedlich, mit 250 Mio. Euro aufwärts.
Eigenübertrag
In Continuation Funds verkauft der Initiator also selbst bestehende Beteiligungen aus einem Fonds heraus, in einen Fonds, den er selbst auflegt.
„Bestehende Investoren können sich überlegen, ob sie zu dem Zeitpunkt aussteigen und das Kapital zurück erhalten, und/oder in den neuen Fonds investieren“, erläutert Hangl.
Gut prüfen müssen Investoren zu welchem Wert übertragen wird. Dazu Hangl: „Die Fondsinitiatoren ziehen den Netto-Inventarwert, also den letzten Net Asset Value (NAV), heran und bieten im Regelfall zwischen 6% und 12% on top.“
Hangl bestätigt: „Es gibt natürlich einen Interessenkonflikt, weil Käufer und Verkäufer gleich sind. Das erschwert eine objektive Preisbildung.“
Die Verschiebung von Exits aus Private Equity-Beteiligungen war so eigentlich nicht geplant. „Sowohl Fondshäuser als auch Unternehmen haben bei Auflegung des Fonds oft nicht erwartet, dass der Exit nicht, wie geplant zum Beispiel in drei bis fünf Jahren stattfinden wird“, so Hangl. „Aber in der derzeitigen Durststrecke braucht man kreative Ideen, um nicht unter Wert zu verkaufen. Jetzt liegen die durchschnittlichen Haltedauern eher bei sechs Jahren und das wird sich wahrscheinlich auch so schnell nicht ändern.
„Continuation Funds gibt es noch nicht so lange, aber schon 2018 gab es mit Nordic Capital den ersten erfolgreichen Versuch,“ so Hangl abschließend. „Sie sind also kein neues Phänomen, aber sie gehen von einer Nischenlösung jetzt in die Breite und werden zum fixen Bestandteil des Private Equity-Ökosystems.“
„Continuation Funds jetzt integraler Bestandteil des Private Equity-Ökosystems“
Tobias Hangl
