Mit Athora Deutschland übernimmt Frankfurter Leben ein geschlossenes Portfolio traditioneller und fondsgebundener Lebens- und Rentenversicherungen mit einem verwalteten Vermögen von rund 3,5 Mrd. Euro. Nach Vollzug der Transaktion wird die Gruppe insgesamt rund 800.000 Kunden und Kapitalanlagen von etwa 17 Mrd. Euro betreuen. Für die 2015 gegründete Frankfurter Leben ist es bereits die siebte Übernahme.
Damit erreicht die Plattform eine Größenordnung, bei der Skaleneffekte sowohl in der Vertragsverwaltung als auch in der Kapitalanlage zunehmend relevant werden.
DWS wird mehr als nur Finanzierungspartner
Aus Sicht institutioneller Investoren ist deshalb insbesondere die Rolle der DWS interessant. Der Asset Manager begleitet die Übernahme nicht nur strategisch, sondern stellt der Frankfurter Leben auch Kapital zur Verfügung.
Konkret will DWS einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in ein Restricted-Tier-1-Kapitalinstrument (RT1) der Frankfurter Leben-Gruppe investieren. Damit stellt der Asset Manager regulatorisch anrechenbares Hybridkapital für das weitere Wachstum der Plattform bereit.
Noch interessanter ist die Verbindung zum Asset Management. DWS bezeichnet Bestandsplattformen ausdrücklich als Wachstumsfeld und will bevorzugter Partner für das Management der alternativen Anlagen der Frankfurter Leben werden. Für DWS stärkt die Kooperation damit gleich zwei strategisch relevante Bereiche: das Geschäft mit institutionellen Versicherungskunden und Alternatives.
Damit entsteht eine bemerkenswerte Konstellation: Der Asset Manager liefert Kapital, Investmentkompetenz und Zugang zu alternativen Anlageklassen, während Frankfurter Leben die Versicherungsplattform und deren langfristigen Kapitalanlagebedarf einbringt.
Kapitalanlage wird zum entscheidenden Skalierungsfaktor
Gerade im Run-off von Lebensversicherungsbeständen spielt die Kapitalanlage eine zentrale Rolle. Die Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsnehmern laufen häufig noch über Jahrzehnte weiter, während gleichzeitig Garantien erfüllt, regulatorische Kapitalanforderungen eingehalten und ausreichende Erträge erwirtschaftet werden müssen.
Mit wachsender Größe lassen sich dabei nicht nur Verwaltungskosten auf eine größere Vertragsbasis verteilen. Auch auf der Investmentseite entstehen Skaleneffekte: Größere Portfolios ermöglichen einen breiteren Zugang zu Anlageklassen, spezialisierten Investmentstrategien und Direktinvestments.
Frankfurter Leben und DWS verweisen ausdrücklich darauf, dass steigende regulatorische Anforderungen entsprechendes Know-how und den Zugang zu internationalen Anlagelösungen erfordern. Die Kooperation soll deshalb auch Effizienzvorteile innerhalb der Kapitalanlage erschließen.
Alternatives rücken stärker in den Mittelpunkt
Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die explizite Betonung alternativer Anlagen. Für Lebensversicherer sind langfristige Investments in Infrastruktur, Private Credit, Immobilien oder andere illiquide Assets grundsätzlich interessant, weil ihre Laufzeiten mit langfristigen Versicherungsverpflichtungen korrespondieren können.
Allerdings ist die Steuerung solcher Portfolios anspruchsvoll. Neben Rendite und Duration spielen Liquiditätsplanung, Solvency-II-Kapitalanforderungen, Bewertungsfragen und die konkrete Strukturierung der Investments eine entscheidende Rolle.
Dass DWS gerade ihre Alternatives-Kompetenz in die Partnerschaft einbringen will, zeigt deshalb auch, wie stark sich der Wettbewerb der Asset Manager um Versicherungsvermögen verändert. Es geht zunehmend nicht mehr allein darum, einzelne liquide Mandate zu gewinnen. Gefragt sind umfassendere Partnerschaften, bei denen Asset Manager regulatorisches Verständnis, Strukturierungskompetenz und Zugang zu privaten Märkten miteinander verbinden.
DWS selbst verwaltete zum 30. Juni 2026 insgesamt 1,19 Billionen Euro und bietet sowohl liquide als auch illiquide Investmentlösungen an.
Konsolidierung im deutschen Run-off-Markt
Gleichzeitig setzt die Transaktion die Konsolidierung im deutschen Lebensversicherungsmarkt fort. Frankfurter Leben hat sich seit ihrer Gründung 2015 gezielt auf die Übernahme geschlossener Versicherungsbestände spezialisiert. Bereits Anfang 2024 hatte die Gruppe die Übernahmen der Generali Deutschland Pensionskasse und der Landeslebenshilfe abgeschlossen. Damals stieg der Bestand auf rund 700.000 Versicherungsverträge und etwa 13 Mrd. Euro Kapitalanlagen.
Mit Athora wächst das Kapitalanlagevolumen nun um weitere rund 4 Mrd. Euro auf etwa 17 Mrd. Euro. Athora Deutschland selbst betreut 133.000 Versicherungsverträge mit rund 3,5 Mrd. Euro Kapitalanlagevermögen.
Für Athora bedeutet die Transaktion zugleich einen Rückzug aus dem deutschen Markt. Das Deutschlandgeschäft war ursprünglich 2014 von Athene übernommen und 2018 auf Athora übertragen worden. Athora begründet den Verkauf damit, sich künftig auf Märkte zu konzentrieren, in denen die Gruppe ihre Präsenz und ihr organisches Wachstum weiter ausbauen will.
Ein Modell mit Signalwirkung für Asset Manager
Für die institutionelle Investmentbranche dürfte vor allem die Konstruktion der Partnerschaft zwischen Frankfurter Leben und DWS interessant sein. Asset Manager werden hier nicht erst auf Ebene einzelner Mandate eingebunden, sondern bereits bei Finanzierung, Kapitalausstattung und strategischer Weiterentwicklung einer Versicherungsplattform.
Das könnte über den konkreten Fall hinausweisen. Versicherungsbestände bieten Asset Managern langfristig gebundenes Kapital und damit potenziell stabile Assets under Management. Gleichzeitig wächst mit zunehmender Konsolidierung die Bedeutung weniger, dafür größerer Plattformen.
Für Asset Manager dürfte es deshalb attraktiver werden, frühzeitig strategische Partnerschaften mit solchen Versicherungsplattformen aufzubauen – insbesondere wenn sie neben klassischen Kapitalmarktanlagen auch Private-Markets-Kompetenz und Lösungen für regulatorisches Kapital anbieten können.
Abschluss erst 2027
Bis zur endgültigen Übernahme wird allerdings noch Zeit vergehen. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden und soll voraussichtlich Mitte 2027 abgeschlossen werden. Die Mitarbeiter von Athora Deutschland sollen übernommen werden und die bestehenden Versicherungsbestände weiterhin betreuen. Für die Versicherungsnehmer sollen Garantien, Konditionen und Vertragsbedingungen unverändert bleiben.
Die eigentliche strategische Bedeutung der Transaktion liegt damit weniger im klassischen Run-off-Geschäft allein. Frankfurter Leben gewinnt Größe, DWS erhält Zugang zu einem wachsenden Versicherungsportfolio und die Kapitalanlage wird zu einem zentralen Bestandteil der Partnerschaft. Genau diese Verbindung von Versicherungskapital, Alternatives, regulatorischem Kapital und Asset Management macht den Deal aus institutioneller Sicht besonders interessant.
Frankfurter Leben übernimmt Athora: Warum der DWS-Einstieg über die Transaktion hinausweist
