Der europäische ETF-Markt setzt seinen Wachstumskurs fort. Nach dem aktuellen „Exchange-Traded Europe“-Report von HANetf erreichte das verwaltete Vermögen europäischer Exchange Traded Products (ETPs) zum Ende des dritten Quartals 2026 einen neuen Höchststand von rund 3,9 Billionen US-Dollar.
Allein europäischen ETFs flossen zwischen Juli und September netto 147,8 Mrd. US-Dollar zu. Das entspricht einem Anstieg von gut 10% gegenüber dem zweiten Quartal, als die Zuflüsse bei 133,8 Mrd. US-Dollar gelegen hatten.
Weltweit verwalteten ETFs nach den von HANetf herangezogenen Daten zuletzt mehr als 24 Billionen US-Dollar. Während sich diese globale Zahl auf Ende August bezieht, stammen die europäischen Daten vom 30. September 2026.
Aktien-ETFs bleiben der wichtigste Wachstumstreiber
Den größten Anteil am europäischen ETF-Neugeschäft hatten weiterhin breit aufgestellte Aktienstrategien. Core-Equity-ETFs verzeichneten im dritten Quartal Zuflüsse von 74,3 Mrd. US-Dollar, nach 73,1 Mrd. US-Dollar im Vorquartal.
Das verwaltete Vermögen dieses Segments stieg damit auf rund 1,79 Billionen US-Dollar.
Auch Anleihe-ETFs blieben gefragt, wenngleich sich das Tempo verlangsamte. Ihre Nettomittelzuflüsse beliefen sich auf 31,0 Mrd. US-Dollar, gegenüber 36,1 Mrd. US-Dollar im zweiten Quartal. Das entspricht einem Rückgang von gut 14%.
Trotz der geringeren Zuflüsse erreichte das verwaltete Vermögen europäischer Anleihe-ETFs mit rund 733 Mrd. US-Dollar einen neuen Höchststand.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass das Wachstum des ETF-Marktes weiterhin maßgeblich von klassischen, breit diversifizierten Anlageinstrumenten getragen wird. Gleichzeitig gewinnen spezialisierte Strategien an Gewicht.
Aktive ETFs: Rekordvermögen trotz geringerer Zuflüsse
Besonders dynamisch entwickelt sich weiterhin das Segment aktiver ETFs.
Zum Ende des dritten Quartals verwalteten aktive ETFs in Europa nach Angaben von HANetf rund 144,4 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem Vermögenszuwachs von 9,4% gegenüber dem Vorquartal und einem neuen Rekordstand.
Allerdings zeigt sich beim Neugeschäft ein differenzierteres Bild: Die Nettomittelzuflüsse gingen von 15,9 Mrd. US-Dollar im zweiten Quartal auf 13,1 Mrd. US-Dollar im dritten Quartal zurück.
Das Wachstum des verwalteten Vermögens ist somit nicht mit einer kontinuierlichen Beschleunigung der Mittelzuflüsse gleichzusetzen.
Gleichwohl nimmt die Bedeutung aktiver ETFs innerhalb des europäischen Produktangebots weiter zu. HANetf zählt für das laufende Jahr bereits 118 Neuauflagen, womit sich die Gesamtzahl aktiver ETFs in Europa auf 433 erhöht hat.
Zu den größten Anbietern nach Produktzahl gehören JPMorgan, iShares, HANetf, BNP Paribas und Fidelity.
Bemerkenswert ist zudem das anhaltende Interesse der Asset Manager an neuen aktiven ETF-Konzepten. Von rund 150 Produktanfragen, die HANetf im dritten Quartal registrierte, entfielen nach eigenen Angaben etwa 70% auf aktive Strategien.
Für institutionelle Investoren erweitert sich damit das Spektrum börsengehandelter Instrumente über die klassische passive Indexabbildung hinaus. Allerdings unterscheiden sich aktive ETFs hinsichtlich Investmentprozess, Transparenz, Kosten und Liquidität teilweise erheblich.

Themen-ETFs: Halbleiter überholen Defence
Eine der auffälligsten Entwicklungen des Jahres zeigt sich bei thematischen Aktien-ETFs.
Nachdem europäische Themen-ETFs 2023 und 2024 noch Nettoabflüsse verzeichnet hatten, kehrte sich der Trend bereits 2025 um. Damals flossen den Produkten insgesamt 16,7 Mrd. US-Dollar zu.
In den ersten neun Monaten 2026 erreichten die Zuflüsse bereits 17,0 Mrd. US-Dollar und übertrafen damit schon vor dem Schlussquartal das gesamte Vorjahresergebnis.
An der Spitze der nachgefragten Themen stehen inzwischen Halbleiter. Mit Nettomittelzuflüssen von 7,1 Mrd. US-Dollar seit Jahresbeginn liegen entsprechende ETFs deutlich vor Verteidigungsstrategien, die auf 4,25 Mrd. US-Dollar kommen.
Auf den weiteren Plätzen folgen Infrastruktur mit 3,97 Mrd. US-Dollar, Industrie mit 2,41 Mrd. US-Dollar sowie Robotik und Cybersecurity mit 2,27 Mrd. US-Dollar.

Die Entwicklung unterstreicht die hohe Bedeutung technologiebezogener Investitionsthemen. Während Defence weiterhin erhebliche Mittel anzieht, rücken Halbleiter als zentraler Bestandteil der KI-Infrastruktur stärker in den Vordergrund.
Für institutionelle Anleger ist dabei allerdings zwischen einer strategischen Beteiligung an langfristigen Wachstumstrends und der Konzentration auf einzelne, teilweise hoch bewertete Marktsegmente zu unterscheiden.
Krypto- und Options-ETPs mit hohen Wachstumsraten
Deutliches relatives Wachstum verzeichneten im dritten Quartal auch kleinere Marktsegmente.
Das verwaltete Vermögen europäischer Krypto-ETPs stieg gegenüber dem Vorquartal um 55,7% auf 17,25 Mrd. US-Dollar. Optionsbasierte ETPs legten um 50,9% auf 11,82 Mrd. US-Dollar zu.
Die hohen Wachstumsraten sind allerdings vor dem Hintergrund der deutlich geringeren absoluten Marktvolumina zu betrachten.
Zudem ist zwischen Vermögenswachstum und tatsächlichen Mittelzuflüssen zu unterscheiden: Bei Krypto-ETPs belief sich das Netto-Neugeschäft im dritten Quartal lediglich auf rund 360 Mio. US-Dollar. Die starke Zunahme des verwalteten Vermögens lässt sich damit nicht allein durch zusätzliche Anlegergelder erklären.
Der europäische ETF-Markt wird vielfältiger
Die aktuellen Zahlen zeigen einen europäischen ETF-Markt, der sowohl hinsichtlich seiner Größe als auch seiner Produktstruktur weiter wächst.
Während klassische Aktien- und Anleihe-ETFs das Fundament des Marktes bilden, gewinnen aktive Strategien, thematische Investments und spezialisierte ETP-Strukturen zunehmend an Bedeutung.
Für institutionelle Anleger eröffnet diese Entwicklung zusätzliche Möglichkeiten, liquide und börsengehandelte Instrumente in der taktischen und strategischen Asset Allocation einzusetzen.
Gleichzeitig steigt mit der zunehmenden Spezialisierung der Produkte der Bedarf an einer differenzierten Prüfung von Indexmethodik, Investmentprozess, Kosten, Liquidität und Konzentrationsrisiken.
Die Rekordzahlen allein sagen daher noch wenig darüber aus, welche ETF-Strategien für institutionelle Portfolios tatsächlich einen Mehrwert liefern.
ETF-Markt Europa: Aktive Strategien wachsen – Themen-ETFs feiern Comeback
