Damit liegt die Verantwortung für eines der größeren institutionellen Anlageportfolios Deutschlands künftig bei einem langjährigen Manager aus den eigenen Reihen. Die ÄVWL verwaltete zum Jahresende 2025 ein Kapitalanlagevolumen von rund 15,7 Mrd. Euro und zählt zu den größten der rund 90 berufsständischen Versorgungswerke in Deutschland. Sie ist für die Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung von mehr als 70.000 Mitgliedern und Rentenbeziehenden verantwortlich.
Kapitalanlagechef aus den eigenen Reihen
Horstick ist kein Neuzugang bei der ÄVWL. Der 52-Jährige gehört dem Versorgungswerk bereits seit 2011 an und leitete zuletzt die Abteilung Wertpapiere und Darlehen. Damit war er schon bislang in wesentliche Teile der Kapitalanlage eingebunden.
Sein Verantwortungsbereich umfasste neben dem liquiden Anlageportfolio und dem gewerblichen und privaten Kreditgeschäft auch alternative Anlagen und Infrastrukturinvestments. Vor seiner Zeit bei der ÄVWL war Horstick bei verschiedenen Banken und Asset Managern tätig. Er ist Bankkaufmann, Betriebswirt und Certified European Financial Analyst (CEFA).
Die interne Besetzung spricht damit für Kontinuität in der Investmentstrategie. Horstick kennt nicht nur das Portfolio und die bestehenden Investmentprozesse, sondern auch die spezifischen Governance-Strukturen eines berufsständischen Versorgungswerks und die Zusammenarbeit mit dessen Selbstverwaltungsorganen.
Breite Verantwortung von Wertpapieren bis Immobilien
Mit dem Aufstieg in die Geschäftsführung erweitert sich Horsticks Verantwortung noch einmal deutlich. Zum Geschäftsbereich Kapitalanlage gehören neben dem Wertpapier- und Darlehensgeschäft künftig auch das Immobilien-Portfoliomanagement, das Technische Immobilienmanagement sowie die ESG-Koordination.
Damit verantwortet Horstick eine institutionelle Kapitalanlage, die über zahlreiche liquide und illiquide Assetklassen hinweg gesteuert werden muss. Für ein Versorgungswerk steht dabei nicht allein die Rendite im Mittelpunkt. Langfristige Verpflichtungen gegenüber den Mitgliedern verlangen zugleich stabile Erträge, breite Risikostreuung und ausreichende Liquidität – Ziele, die auch die ÄVWL als zentrale Eckpunkte ihrer Anlagestrategie nennt.
Gerade das aktuelle Kapitalmarktumfeld macht diese Aufgabe anspruchsvoll. Höhere Renditen an den Rentenmärkten haben die Ausgangslage für langfristige Investoren zwar gegenüber der Niedrigzinsphase verbessert. Gleichzeitig müssen Versorgungswerke ihre Portfolios gegen geopolitische Risiken, Inflationsschwankungen und eine höhere Volatilität absichern. Hinzu kommt die Frage, welche Rolle illiquide Anlagen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und Private Debt künftig innerhalb der strategischen Asset Allocation spielen sollen.
Kontinuität nach Altenhoff
Horstick folgt auf Markus Altenhoff, der den Geschäftsbereich Kapitalanlage über viele Jahre geprägt hat und seine Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterführen kann. Die ÄVWL hebt ausdrücklich dessen langjährige fachliche Verantwortung für die Kapitalanlage hervor.
Die erst im Februar 2025 eingeführte dreiköpfige hauptamtliche Geschäftsführungsstruktur bleibt nach dem Wechsel bestehen. Neben Horstick als Verantwortlichem für die Kapitalanlage führt Dr. Ulrich Sonnemann weiterhin den Geschäftsbereich Innere Verwaltung, während Christian Koopmann für Versicherungsbetrieb und IT zuständig bleibt.
Für die ÄVWL bedeutet die Berufung damit weniger einen strategischen Neustart als vielmehr einen Generations- und Verantwortungswechsel mit hoher personeller Kontinuität. Dass ein langjähriger Investmentverantwortlicher aus dem eigenen Haus an die Spitze der Kapitalanlage rückt, dürfte auch für die zahlreichen Asset Manager und Investmentpartner des Versorgungswerks ein wichtiges Signal sein.
ÄVWL: Lutz Horstick übernimmt Verantwortung für 15,7 Milliarden Euro Kapitalanlage
Die hauptamtliche Geschäftsführung der ÄVWL ab dem 1. August 2026 (v. l.): Christian Koopmann, Lutz Horstick und Dr. Ulrich Sonnemann
