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Kommentar: Impact Investing – global und sozial anlegen

Neben der Nutzung langfristiger Wachstumstrends ermöglicht Impact Investing die Erzielung einer nicht-finanziellen, sozialen Rendite. Die Ausbreitung auf Schwellenländer bietet Anlegern eine breitere Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Karine Jesiolowski

Das Global Impact Investing Network schätzt, dass heutzutage mehr als 500 Mrd. US-Dollar im Rahmen von Impact-Mandaten verwaltet werden. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Obwohl notierte Aktien nur einen geringfügigen Anteil ausmachen, stellen sie einen wichtigen Bestandteil dieses Wachstums und widerspiegeln damit die steigende Nachfrage nach Anlageklassen, die nicht nur einen finanziellen Mehrwert abwerfen.

Börsennotierte Unternehmen, die aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit zur Lösung der dringlichsten Probleme unserer Zeit beitragen, weisen oft auch überdurchschnittliche Wachstumsaussichten auf. Hier kommt das Impact Investing zum Zug, denn neben der Nutzung langfristiger Wachstumstrends strebt es die Generierung einer nicht-finanziellen, sozialen Rendite an.

Die Probleme, mit denen sich die UN-Nachhaltigkeitsziele befassen, sind weitreichend und komplex, was eine überlegte und ganzheitliche Reaktion verlangt. Die Veröffentlichung geeigneter Kennzahlen erweist sich nach wie vor als Herausforderung oder erfolgt oft gar nicht, womit die Beurteilung der positiven Wirkung erschwert wird. Erfolgreiche Impact-Anlagen erfordern daher ein eingehendes Verständnis, wie sich die jeweiligen Unternehmen für ihre Kunden und die Gesellschaft engagieren.

Darüber hinaus müssen sich die Anleger der Schwierigkeit bewusst sein, die Wirkung ihrer Investition zu messen sowie der Unterschiede zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen. So kann beispielsweise in den Industrieländern eine klimaneutrale Geschäftstätigkeit als Mindestanforderung gelten, um ein Projekt zu finanzieren, das sich nicht direkt mit Klimaschutz befasst. Oder anders ausgedrückt können in Ländern mit hohem Einkommen, mehrere Ziele miteinander verbunden werden, um die soziale Rendite- Komponente zu erfüllen.

Die Vorteile des Impact Investing erreichen die Schwellenländer
Im Gegenzug ist in den Schwellenländern eine flexiblere Vorgehensweise gefragt. Unternehmen, die Armutsreduzierung und Wachstumsförderung in bestimmten Schwellenländern anstreben (z. B. in ländlichen Gegenden in Indien, in Indonesien oder Südafrika) können möglicherweise nicht gleichzeitig auch CO2-Emissionen senken. Stattdessen können sie versuchen, ein engeres Entwicklungsziel zu erreichen. Zwar fallen dadurch die Ansprüche für die Erzielung einer sozialen Dividende in den Schwellenländern weniger streng aus, doch kommt es zu einer ausgleichenden Gerechtigkeit. Länder mit hohem Einkommen machen zwar nur 16% der Weltbevölkerung aus, verursachen aber 46% der CO2-Emissionen.

Schwellenländer bieten Anlegern, welche die Lösung globaler Probleme fördern möchten, vielversprechende Möglichkeiten. Verglichen mit den übrigen Ländern ist ihr Verbesserungspotenzial in Bezug auf die Erfüllung vieler UN-Nachhaltigkeitsziele wesentlich höher. Darüber hinaus spielt die aktive Verwaltungsverantwortung in Unternehmen eine entscheidende Rolle bei Impact-Anlagen, und es besteht die Möglichkeit, einen konstruktiven Dialog mit Unternehmen in kleineren Schwellenländern aufzubauen.

Die Vorschriften zur Corporate Governance sind in jedem Land verschieden und die Bereitschaft zu ihrer Einhaltung unter Umständen auch nicht bei allen Unternehmen gleich. Impact-Anleger können aber in Ländern mit einer weniger strikten Regulierung, in denen die Bereitschaft für Veränderungen wesentlich grösser ist, die Entwicklung in die richtige Richtung lenken. Aus diesen Gründen dürfte das Impact Investing in den kommenden Jahren sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern an Attraktivität gewinnen.

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*) Karine Jesiolowski, Head of Responsible Investments Asset Management, Union Bancaire Privée (UBP)