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Gastbeitrag: Größer ist nicht immer besser – warum der nordamerikanische Infrastrukturmarkt attraktive Chancen im mittleren Marktsegment bietet

Während sich das Kapital auf Großprojekte konzentriert, bietet ein stärker fragmentiertes, bisher vernachlässigtes Segment der nordamerikanischen Infrastruktur etwas ganz anderes: Zugang, Kontrolle und das Potenzial zur Wertschöpfung.

John Ma

Michael Ryder

Das Potenzial für Investitionen in nordamerikanische Infrastruktur war selten so groß wie heute. Jahrzehntelange Unterinvestitionen haben zu einem strukturellen Kapazitätsengpass geführt. Gleichzeitig sorgen Megatrends wie der steigende Strombedarf, die Energiewende und die Digitalisierung für eine anhaltend hohe Nachfrage. Damit rückt die Anlageklasse zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren weltweit.

Mit dem Wachstum des Marktes hat sich auch das Kapital zunehmend auf große Infrastrukturinvestitionen konzentriert. Fondsmanager haben immer größere Fonds aufgelegt und das mittlere Marktsegment dabei vielfach vernachlässigt.

Dadurch ist ein vielfältiges Anlageuniversum entstanden, in dem der Wettbewerb geringer und das Potenzial zur aktiven Wertsteigerung entsprechend höher ist. Für Investoren mit der notwendigen Branchenexpertise, einem starken lokalen Netzwerk und einer leistungsfähigen Deal-Sourcing-Plattform bietet der nordamerikanische Infrastruktur-Mittelstand einige der attraktivsten Investitionsmöglichkeiten.

Viele regionale Märkte
Der nordamerikanische Infrastrukturmarkt ist alles andere als homogen. Vielmehr besteht er aus einer Vielzahl regionaler Märkte mit jeweils eigenen regulatorischen Rahmenbedingungen, Angebotsstrukturen und Investitionsanforderungen. Das gilt nicht nur für den Energiesektor, sondern ebenso für Bereiche wie Abfallwirtschaft, digitale Infrastruktur, Transport und Logistik. Die Regulierung erfolgt häufig auf Landes- und kommunaler Ebene, die Kundenbasis ist lokal geprägt und die Wettbewerbsdynamik variiert von Region zu Region erheblich. Daher kann ein lokales oder regionales Unternehmen nach wie vor über einen starken „defensiven Burggraben“ verfügen und einen gesellschaftlichen Bedarf decken, der durch die lokale Marktdynamik und die lokalen Vorschriften bestimmt wird.

Dadurch entsteht eine große Zahl regional oder lokalverankerter Geschäftsaktivitäten, die von nationalen oder globalen Marktteilnehmern häufig nicht effizient bedient werden können. Für große Infrastrukturfonds sind viele dieser Transaktionen schlicht zu klein, um sie wirtschaftlich zu verfolgen und zu managen. Für spezialisierte Middle-Market-Investoren mit ausgeprägten lokalen Netzwerken stellen sie dagegen ein attraktives Anlageuniversum dar.

Strukturelle Nachfrage statt kurzfristiger Konjunktureffekte
Langfristige strukturelle Entwicklungen treiben den Investitionsbedarf in den Bereichen Energiewende, digitale Infrastruktur und Modernisierung bestehender Infrastrukturen nachhaltig an.

Die USA haben sich ambitionierte Ziele bei der Dekarbonisierung gesetzt. Bereits 36 Bundesstaaten haben Standards für den Ausbau erneuerbarer Energien eingeführt, zwölf davon schreiben bis spätestens 2050 eine vollständig aus erneuerbaren Energien erzeugte Stromversorgung vor.

Hinzu kommt der rasante Ausbau digitaler Infrastruktur. Der Strombedarf von Rechenzentren dürfte sich bis 2030 nahezu verdoppeln – getrieben durch Cloud-Computing, das Training von KI-Modellen und künftig zunehmend durch KI-Anwendungen im laufenden Betrieb. Insbesondere kleinere, regional verteilte Rechenzentren mit leistungsfähigen Glasfaseranbindungen werden benötigt, um die niedrigen Latenzzeiten moderner KI-Anwendungen sicherzustellen. In diesem Bereich besteht derzeit ein erhebliches Angebotsdefizit und damit eine attraktive Chance für Investitionen im Middle Market.

Gleichzeitig haben die USA ihre Infrastruktur über Jahrzehnte hinweg systematisch unterinvestiert. Sowohl die aktuelle als auch die vorherige US-Regierung haben politische Maßnahmen ergriffen, um zusätzliche Investitionen unter anderem in Energie-, Transport- und Logistik- sowie Wasser- und Abfallinfrastruktur zu incentivieren. Diese strukturellen Entwicklungen schaffen langfristigen Rückenwind für private Infrastrukturinvestitionen. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Nachfrage, sondern auch der Zugang zu attraktiven Investitionsmöglichkeiten.

Weniger Wettbewerb, mehr Wertschöpfungspotenzial
Der wesentliche Unterschied zwischen dem Middle Market und dem Large-Cap-Segment liegt in der Wettbewerbssituation und den Möglichkeiten zur aktiven Wertsteigerung.

Im Large-Cap-Markt ist der Wettbewerb intensiv, die Bewertungen sind hoch und die Renditen hängen häufig von günstigen Marktbedingungen ab. Im Jahr 2025 ging die Zahl der Infrastrukturtransaktionen in Nordamerika um 24% zurück, während das durchschnittliche Transaktionsvolumen um 78% anstieg – ein Zeichen dafür, dass sich die größten Investoren auf eine immer kleinere Zahl großvolumiger Transaktionen konzentrieren.

Im Middle Market ist die Zahl potenzieller Käufer geringer und der Markt weniger stark durch Intermediäre geprägt. Viele Unternehmen befinden sich noch in Familienbesitz oder werden von ihren Gründern geführt und waren bislang nie im Besitz institutioneller Investoren. Obwohl sie in ihren regionalen Märkten häufig erfolgreich agieren, bieten sie erhebliches Potenzial für eine weitere Professionalisierung und Wertsteigerung.

Wertschöpfung kann dabei auf verschiedenen Ebenen erfolgen: durch die Professionalisierung des Managements, gezielte Investitionen in bislang unterfinanzierte Vermögenswerte oder operative Verbesserungen wie effizientere Prozesse, optimierte Preisgestaltung und die Expansion in angrenzende Märkte. Mit zunehmender Größe und Professionalisierung werden diese Unternehmen anschließend auch für größere Finanzinvestoren oder strategische Käufer attraktiver.

Resilienz in unsicheren Zeiten
Middle-Market-Infrastruktur hat sich auch in Phasen hoher Inflation und makroökonomischer Unsicherheit als widerstandsfähig erwiesen.

Während der Inflationsphase von 2021 bis 2023 konnten Infrastrukturunternehmen mit essenziellen Dienstleistungen ihre Preissetzungsmacht und stabile Margen unter Beweis stellen. Hinzu kommt, dass Infrastrukturinvestitionen überwiegend auf nationale Märkte ausgerichtet sind. Ob regionale Güterbahn, lokaler Rechenzentrumsbetreiber oder Anbieter medizinischer Abfallentsorgung – diese Unternehmen sind meist nur begrenzt von Zöllen, globalen Lieferketten oder Wechselkursschwankungen abhängig. In einem geopolitisch zunehmend unsicheren Umfeld kann dieser Fokus auf den Heimatmarkt zusätzliche Stabilität bieten.

Die Attraktivität nordamerikanischer Middle-Market-Infrastruktur beruht daher nicht allein auf günstigen makroökonomischen Rahmenbedingungen. Sie ist vor allem Ausdruck einer strukturellen Marktchance in einem Segment des weltweit größten Infrastrukturmarktes, das institutionelle Investoren lange Zeit übersehen haben. Für Investoren, die einen aktiven und beziehungsorientierten Ansatz verfolgen, bietet sich damit nicht nur Zugang zu Infrastrukturinvestitionen, sondern auch erhebliches Potenzial für nachhaltige Wertschöpfung.

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*) John Ma und Michael Ryder, Partner und Co-Heads of North America bei Igneo Infrastructure Partners.