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Invesco Global Factor Investing Studie 2021: Faktorbasierte Ansätze auch bei ESG-Anlagen zunehmend gefragt

Niedrige Renditen haben zudem höhere Faktorallokationen im Anleihenbereich befördert, die Mehrheit der Befragten setzt hier inzwischen auf Faktoransätze. Insgesamt haben 43% der Umfrageteilnehmer ihre Allokationen in Faktorstrategien in den letzten zwölf Monaten ausgebaut – wichtigste Beweggründe sind die bessere Kontrolle über Risikoquellen und die Aussicht auf eine potenziell höhere Rendite.

Georg Elsässer

Invesco hat heute seine sechste jährliche Global Factor Investing Studie veröffentlicht. Die Studie basiert auf Gesprächen mit 241 Faktoranlegern, die zusammen ein Anlagevermögen von mehr als 31 Billionen US-Dollar verwalten.

Nachhaltiges Investieren steht seit einigen Jahren zunehmend im Fokus. Wie die Studie zeigt, hat auch das Interesse an der Verknüpfung von ESG (Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien) und Faktoransätzen stark zugenommen. In der diesjährigen Befragung erklärten 78% der Teilnehmer, die alle bereits Faktorstrategien nutzen, dass sie ESG-Kriterien in ihren Portfolios berücksichtigen wollen.

Anders als in der Vergangenheit scheinen die Forderungen und Erwartungen der Stakeholder und Begünstigten nicht mehr der wichtigste Grund für die Umsetzung von ESG-Ansätzen zu sein – in der jüngsten Befragung steht die Überzeugung, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien die langfristige Investmentperformance verbessern kann, an erster Stelle.

Nach Ansicht der Befragten lassen sich Faktoransätze besser mit dem ESG-Ansatz verbinden als marktgewichtete Anlagestrategien. Obwohl sie fundamentale aktive Ansätze hier für noch besser geeignet halten, nannten sie ESG als einen Grund für die Wahl eines Faktoransatzes und verwiesen dabei auch auf die Möglichkeit, eine quantitative Methodik in verschiedenen Teilen eines Portfolios zu replizieren. Eine Minderheit der Befragten betrachtet ESG als Investmentfaktor, der die Eigenschaften von Faktoren wie Value (Bewertung) und Quality (Qualität) repliziert. Die häufigere Meinung ist jedoch, dass ESG völlig unabhängig von Investmentfaktoren ist (41%).

Viele Investoren gaben an, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien zu einem „Factor Bias“ – einem ungewollten Faktorschwerpunkt – in ihrem Portfolio geführt hat, zum Beispiel durch eine unbeabsichtigt hohe Gewichtung von Qualitätswerten gegenüber Value-Titeln im Aktienbereich. Von allen Befragten haben rund zwei Fünftel diese Frage untersucht – fast zwei Drittel dieser Investoren haben einen solchen Factor Bias festgestellt. Investoren, die diese Fragestellung nicht analysiert haben, wissen möglicherweise nicht, wie sich die ESG-Integration auf ihre Faktorexposures und damit letztlich auf das Renditeprofil ihres Portfolios auswirkt.

Georg Elsässer, Senior Portfolio Manager, Quantitative Strategies bei Invesco, erklärt: „Faktoren können helfen, differenzierten Einblick in die Auswirkungen von ESG auf ein Portfolio zu geben. Wir müssen die Risiken einer Nicht-Berücksichtigung wie auch einer Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Blick behalten. Faktoren können bei beidem helfen.“

Weiterführende Untersuchungen zeigen, dass das Angebot an ETFs, die ESG- und Faktoransätze kombinieren, die Nachfrage nicht deckt. Fast die Hälfte der Investoren (46%) würde eher in einen Faktor-ETF investieren, der ESG berücksichtigt. Generell wurde festgestellt, dass es noch kein ausreichendes Angebot an ETF-Produkten mit der ESG-/Faktor-Kombination gibt. 49% der Investoren gaben an, dass sie mitunter Schwierigkeiten haben, einen Faktor-ETF zu finden, der ihren Bedürfnissen entspricht.

Niedrige Renditen treiben Nutzung von Faktoransätzen bei Zinsanlagen voran
Fast die Hälfte (45%) der befragten Investoren gab an, dass das Niedrigzinsumfeld den Einsatz von Faktoren in Anleihenportfolios attraktiver gemacht hat und eine Möglichkeit bietet, zusätzliche Rendite- und Diversifikationsquellen zu erschließen. Die Zahl der befragten Investoren, die Faktorstrategien für ihre Anleihenallokation nutzen, ist von 40% im Vorjahr auf jetzt 55% deutlich gestiegen. Die meisten (52%) nutzen bei Faktorstrategien im Anleihenbereich sowohl Stilfaktoren (wie Value und Quality) als auch Makrofaktoren (wie Duration und Inflation). 23% nutzen nur Stilfaktoren und jeder vierte Investor betrachtet Faktoren ausschließlich aus der Makroperspektive.

Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass Faktoranleger mehrere Stilfaktoren in ihren Portfolios berücksichtigen, wobei Value und Quality bevorzugt werden. Was die verwendeten Makrofaktoren angeht, wurden Duration, Liquidität, Inflation und Kreditrisiko am häufigsten genannt. Die Befragten betrachten die Duration als insgesamt wichtigsten Faktor für die Anlageerträge aus festverzinslichen Wertpapieren. Die Bedeutung der Liquidität hat im Laufe der Pandemie jedoch an Bedeutung gewonnen. Das derzeitige wirtschaftliche Umfeld hat faktorbasierte Strategien attraktiver gemacht und bietet Möglichkeiten, zusätzliche Renditen und Diversifikation zu erschließen.

Value-Faktor profitiert in postpandemischer Erholung
Wie die Global Factor Investor Studie von Invesco feststellt, werden die Faktorallokationen weiter ausgebaut. 43% der Befragten haben ihre Allokationen im zurückliegenden Jahr aufgestockt und 35% planen dies für das kommende Jahr. Hauptgrund für diese Positionierung ist der Wunsch, eine bessere Kontrolle über Risikoquellen zu erhalten und potenziell höhere Renditen zu erzielen.

Der Value-Faktor hat Ende 2020 eine bemerkenswerte Outperformance erzielt, die sich im ersten Quartal 2021 fortgesetzt hat. Ein weiterer deutlich erkennbarer Trend ist die zunehmende Allokation in diesen Faktor: 42% der Investoren haben ihre Value-Allokationen in den letzten zwölf Monaten erhöht; 48% planen dies, um sich für eine Erholung nach der Pandemie zu positionieren.

Die Global Factor Investing Studie von Invesco zeigt auch, dass das Factor Investing in den letzten sechs Jahren deutlich ausgefeilter geworden ist. Dies schlägt sich vor allem in der Nutzung von Multi-Faktor-Strategien wider, die dem Wunsch der Investoren entsprechen, ein Exposure in unterschiedlichen Faktoren zu erhalten.

Durch die rasche Verbreitung des Multi-Faktor-Ansatzes hat das Factor Investing auch an Dynamik gewonnen. Nur 22% der von Invesco befragten Faktoranleger streben ein vollständig statisches Faktorexposure an; rund die Hälfte (48%) nutzt einen Ansatz, der längerfristige Änderungen der Faktorengagements zulässt, und ein Drittel passt seine Exposures regelmäßig an. Dabei deutet alles darauf hin, dass sich der dynamische Ansatz künftig noch stärker durchsetzen wird: 29% der Investoren geben an, dass ihr Ansatz in den letzten zwei Jahren dynamischer geworden ist; 41% planen, in den nächsten zwei Jahren einen dynamischeren Ansatz zu verfolgen.

Wie die Studie feststellt, verwenden einige Faktornutzer bereits eine sehr ausgefeilte Analytik – viele sehen jedoch noch Bedarf für bessere analytische Tools. Dies gilt insbesondere in Bezug auf das Monitoring der Faktorengagements und die Performanceattribution. Die von Invesco befragten Investoren wünschen einen besseren Überblick über ihre Faktorexposures, um mithilfe dieser Informationen potenzielle Änderungen an ihren Portfolios unter verschiedenen Szenarien besser antizipieren zu können.

Als wichtiges Instrument für die Umsetzung von Faktorstrategien gewinnen Faktor-ETFs bei Wholesale- wie auch institutionellen Investoren weiter an Bedeutung. ETFs können als Eckpfeiler einer Strategie, als taktisches oder ergänzendes Instrument im Portfolio dienen. Das erklärt, warum die Nutzung von Faktor-ETFs unter institutionellen Investoren besonders schnell zunimmt. 46% wollen in den nächsten drei Jahren vermehrt ETFs nutzen.

„Im post-pandemischen Umfeld werden einige der Annahmen zu den Vorzügen faktorbasierter Ansätze auf die Probe gestellt“, so Elsässer. „Die meisten Investoren berichten jedoch, dass sich ihre Faktorstrategien bewährt haben, und das Interesse an Faktoransätzen ist ganz klar groß. Die zunehmende Allokation in Faktorstrategien spiegelt eine breitere Akzeptanz des Ansatzes wider. Offensichtlich betrachten die Investoren Faktoren zunehmend im Gesamtportfoliokontext und setzen auch in anderen Anlageklassen als Aktien auf die Vereinnahmung von Faktorprämien.“