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Schweizer Pensionskassen erzielen Rekordverzinsung – Aktien bauen Führungsrolle weiter aus

Deckungsgrade steigen auf Mehrjahreshoch, Vorsorgekapital wird so stark verzinst wie seit 25 Jahren nicht mehr

Die Schweizer Pensionskassen haben 2025 trotz geopolitischer Spannungen und hoher Unsicherheit an den Kapitalmärkten ein außerordentlich starkes Jahr verzeichnet. Laut der aktuellen Complementa-Studie „Risiko Check-up 2026“ erzielten die Vorsorgeeinrichtungen eine durchschnittliche Rendite von 6,4%. Gleichzeitig wurde das Vorsorgekapital der Versicherten mit durchschnittlich 4,3% verzinst – dem höchsten Wert der vergangenen 25 Jahre.



Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund eines anspruchsvollen Marktumfelds: Ukraine-Krieg, Spannungen im Nahen Osten, steigende Inflation, höhere Staatsverschuldung und zunehmende geopolitische Risiken belasteten die Kapitalmärkte im Jahresverlauf erheblich. Dennoch konnten die Schweizer Pensionskassen ihre Reserven weiter stärken.

Deckungsgrade steigen auf historisch hohes Niveau
Der kapitalgewichtete Deckungsgrad stieg per Ende 2025 auf 114,5% und erreichte damit den zweithöchsten Wert der vergangenen zwei Jahrzehnte. Bis Ende April 2026 verbesserte sich der Wert sogar weiter auf 115,9%. Gleichzeitig sank die Zahl der Kassen in Unterdeckung auf lediglich 1,9% – ein historischer Tiefstand seit Beginn der Datenerhebung vor über 30 Jahren.



Complementa verweist in diesem Zusammenhang erneut auf die Bedeutung des Kapitaldeckungsverfahrens der zweiten Säule. Der sogenannte „dritte Beitragszahler“ – also die Kapitalerträge – generierte 2025 rund 78 Mrd. CHF und lag damit über den gesamten jährlichen Beiträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammen.

Gerade aus institutioneller Perspektive unterstreicht dies die Bedeutung langfristiger Kapitalanlagekonzepte und professioneller Asset Allokation. Die Ergebnisse zeigen zugleich, wie stark die zweite Säule von funktionierenden Kapitalmärkten abhängt.

Aktien bleiben größte Anlageklasse
Strukturell setzt sich der langfristige Trend in der Asset Allokation fort: Aktien bleiben mit einem Anteil von 33,9% erneut die größte Anlageklasse der Schweizer Pensionskassen und bauten ihre Führungsposition weiter aus. Dagegen fiel der Anteil klassischer festverzinslicher Anlagen auf 29,2% – den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebungen.

Als Gründe nennt Complementa neben den weiterhin vergleichsweise tiefen Franken-Zinsen insbesondere die hohen Kosten der Währungsabsicherung sowie die weltweit gestiegene Staatsverschuldung. Viele internationale Bondsegmente rentierten nach Absicherungskosten teilweise nur noch nahe null oder sogar negativ.

Immobilien behaupteten mit 22,5% ihren hohen Stellenwert im Portfolio institutioneller Anleger. Gleichzeitig wird es laut Complementa zunehmend schwieriger, attraktive Schweizer Wohnimmobilien oder entsprechende Anlagevehikel zu finden.

Auch alternative Anlagen bleiben gefragt: Vier von fünf Pensionskassen investieren mittlerweile in Alternatives. Besonders Infrastrukturinvestments führen die Kategorie mit 2,7% des Gesamtvermögens an, gefolgt von Private Equity mit 2,5%.



Vorsichtiger Umgang mit Fremdwährungsrisiken
Trotz hoher internationaler Diversifikation bleibt das Währungsmanagement ein zentrales Thema. Fast die Hälfte des Vermögens ist mittlerweile im Ausland investiert. Gleichzeitig sichern die Pensionskassen im Durchschnitt rund zwei Drittel ihrer Währungsrisiken ab. Die effektive Fremdwährungsquote nach Absicherung liegt bei 18,6% des Gesamtvermögens.

Gerade die starken Schwankungen des US-Dollars sowie geopolitische Risiken verdeutlichen die zunehmende Bedeutung professioneller Währungssteuerung für institutionelle Investoren.

2026 startet trotz geopolitischer Belastungen positiv
Auch das laufende Jahr entwickelt sich bislang stabil. Trotz des Iran-Konflikts und der zwischenzeitlichen Sperrung der Straße von Hormus erzielten die Schweizer Pensionskassen bis Ende April 2026 bereits wieder eine Rendite von 1,9%.

Gleichzeitig warnt Complementa vor mehreren strukturellen Herausforderungen:
*hohe Absicherungskosten bei Fremdwährungen,
*Anlagenotstand bei Schweizer Wohnimmobilien,
*steigende Konzentrationsrisiken in globalen Aktienindizes.

Dennoch sieht die Studie die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen insgesamt robust aufgestellt. Die hohen Reserven sowie zunehmend krisenresistente Anlagestrategien hätten die Widerstandsfähigkeit vieler Kassen deutlich erhöht.

Die Studie „Risiko Check-up“ gilt als eine der wichtigsten Langzeiterhebungen zur Schweizer Pensionskassenlandschaft und wird seit mittlerweile 32 Jahren durchgeführt. Für die aktuelle Untersuchung wurden Daten von mehreren hundert Vorsorgeeinrichtungen ausgewertet.