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Secondaries auf Rekordniveau: Treiber, Dynamiken und strukturelle Perspektiven

Der Secondaries-Markt hat im Jahr 2025 mit einem Volumen von über 225 Mrd. US-Dollar ein neues Allzeithoch erreicht. Hinter diesem Wachstum stehen weniger kurzfristige Marktbewegungen als vielmehr strukturelle Verschiebungen: anhaltender Liquiditätsdruck bei Limited Partners, ein steigender Bedarf an Ausschüttungen sowie die wachsende Bedeutung von Continuation Vehicles als Instrument zur Portfoliosteuerung. Martina Schliemann, Managing Director - Head of DACH bei HarbourVest, geht im Q&A mit unserer Redaktion auf die zentralen Wachstumstreiber des Marktes, die Rolle von Continuation Vehicles, die zunehmende Bedeutung von Secondaries jenseits klassischer Private-Equity-Strukturen und die Frage, ob der Markt nach seinem Rekordjahr weiteren Raum für Wachstum hat, ein.

Martina Schliemann

Trotz Rekordhöhen: Hat der Sekundärmarkt noch Raum für weiteres Wachstum?
Schliemann: Im Jahr 2025 wurden Sekundärtransaktionen in privaten Märkten im Wert von über 225 Mrd. US-Dollar abgeschlossen. Das ist ein Anstieg von mehr als 40% gegenüber dem Vorjahr und stellt einen neuen Rekord dar. Dabei stehen zentrale Fragen im Fokus: die Chancen im Sekundärmarkt, die aktuelle Marktstimmung und die Treiber des weiteren Wachstums.

Welche Faktoren treiben das Wachstum des Sekundärmarktes?
Schliemann: Die Liquiditätsbedingungen in den Private Markets sind seit mehreren Jahren angespannt. Exits und Ausschüttungen liegen seit 2022 durchgehend unter dem langfristigen Durchschnitt. Dadurch ist der Anteil des gebundenen Nettoinventarwerts (NAV) in vielen Portfolios deutlich gestiegen. Viele Investoren nutzen den Sekundärmarkt, um Positionen zu veräußern und somit ihre Allokation zu steuern, Kapital freizusetzen oder Liquidität zu sichern. Auch Fondsmanager stehen unter Druck, Kapital an Investoren zurückzuführen. Da klassische Exit-Kanäle eingeschränkt sind, gewinnen Continuation Vehicles (CVs) an Bedeutung. Sie ermöglichen Liquidität und erhalten gleichzeitig das Engagement in widerstandsfähigen Vermögenswerten.

Was passiert jedoch mit den Volumina, wenn sich die Exit-Märkte erholen?
Schliemann: Ein Vergleich mit dem Jahr 2021 zeigt ein eindeutiges Bild. Damals erreichten die Aktivitäten im Bereich IPO und M&A Höchststände. Gleichzeitig wurde auch auf dem Sekundärmarkt ein Rekordniveau erzielt. Sekundärtransaktionen haben sich somit als fester Bestandteil des Portfoliomanagements etabliert – für Investoren ebenso wie für Fondsmanager. Viele Marktteilnehmer treten über verschiedene Phasen hinweg wiederholt als Verkäufer auf. Auch bei einer Erholung der Exit-Märkte dürfte das Transaktionsvolumen stabil bleiben.

Wie entwickeln sich die Preise und was bedeutet das für die Rendite?
Schliemann: Auf den ersten Blick wirken die Preise stabil. Tatsächlich unterscheiden sie sich jedoch deutlich zwischen den Segmenten. Hochwertige Mid-Market-Buyout-Fonds werden oft nur mit geringen Abschlägen gehandelt. Sie verfügen über mehrere Exit-Optionen und zeigen stabile Wachstumsprofile. Venture-Fonds werden dagegen oft mit deutlich höheren Abschlägen bewertet, da sich die Liquidität dort langsamer herstellen lässt. Renditen entstehen im Sekundärmarkt im Wesentlichen auf zwei Wegen: durch den Einstieg zu einem Abschlag und durch die Wertsteigerung der zugrunde liegenden Vermögenswerte. In einem Umfeld mit begrenzten Exits ist ein rein abschlagsgetriebener Ansatz jedoch risikobehaftet. Entscheidend bleiben die Qualität und Widerstandsfähigkeit der Assets.

Welche Rolle spielen Continuation Vehicles?
Schliemann: Während der Pandemie nutzten viele Fondsmanager Continuation Vehicles erstmals, um Ausschüttungen zu ermöglichen. Heute erfüllen sie jedoch mehr als nur diese Funktion. Sie ermöglichen es, erfolgreiche Beteiligungen länger zu halten und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig eröffnen sie zusätzliche Renditepotenziale. Aufgrund erster positiver Erfahrungen haben viele Manager deshalb bereits mehrere solcher Transaktionen umgesetzt.

Wie sind mehrere Continuation Vehicles zu bewerten?
Schliemann: Strukturen mit mehreren aufeinanderfolgenden Continuation Vehicles sind nachvollziehbar. Wenn ein Unternehmen über mehrere Phasen hinweg erfolgreich entwickelt wurde, spricht das für eine Fortsetzung der Strategie. Gleichzeitig stellen sich jedoch auch kritische Fragen. So können Unternehmen in neue Größenordnungen hineinwachsen, die nicht mehr zum ursprünglichen Fokus der Manager passen. Zudem können größere Transaktionen stärker vom IPO-Markt abhängig sein. Das erhöht die Unsicherheit.
Zudem gewinnen „CV Squared“-Strukturen, also Continuation Vehicles auf Basis bestehender Continuation Vehicles, zunehmend an Bedeutung. Sie können sinnvoll sein, wenn sich ein Asset bereits über mehrere Eigentumsphasen hinweg erfolgreich entwickelt hat. Mit zunehmender Größe und Komplexität steigen jedoch gleichzeitig die Anforderungen an Due Diligence, Exitfähigkeit und das Marktumfeld.

Wie verändert sich der Wettbewerb im Sekundärmarkt?
Schliemann: Der Eintritt neuer Marktteilnehmer wirkt sich positiv aus. Auch große, etablierte Manager engagieren sich zunehmend in diesem Segment. Historisch betrachtet war der Markt für Single-Asset-Continuation-Vehicles vor allem unterfinanziert. Neue Investoren können hier für Entlastung sorgen. Das beschleunigt Transaktionen und erhöht die Marktliquidität. Insbesondere bei größeren GP-led-Transaktionen dürften sich dadurch die Vorlaufzeiten verkürzen und die Transaktionsprozesse effizienter gestalten lassen.

Welche Rolle spielen Sekundärmärkte in anderen Assetklassen?
Schliemann: Private Equity ist nach wie vor das größte Segment. In anderen Bereichen hat sich das Bild hingegen deutlich verändert. So ist beispielsweise der Markt für Infrastruktur-Sekundärtransaktionen in den vergangenen zehn Jahren von rund drei auf etwa 20 Mrd. US-Dollar gewachsen. Auch im Bereich Private Credit wurden in kurzer Zeit vergleichbare Volumina erzielt. Sekundärinvestitionen eröffnen strukturelle Vorteile und können Renditeprofile verbessern. Deshalb bauen viele Investoren gezielte Allokationen auf.

Welche Bedeutung haben Evergreen-Strukturen?
Schliemann: Der Einfluss von Evergreen-Fonds ist bislang begrenzt. Die meisten Vehikel sind im Vergleich zu klassischen Fonds klein und investieren häufig gemeinsam mit bestehenden Programmen. Für größere Transaktionen spielen sie derzeit eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig dürfte ihre Bedeutung wachsen, da sich neue Investorengruppen für Sekundärmärkte öffnen. Neben Liquiditätsaspekten gewinnen auch strukturelle Vorteile an Bedeutung.
Zudem zeigt sich, dass Evergreen-Strukturen zunehmend auch institutionelle Investoren anziehen. Dabei stehen operative Vorteile und die kontinuierliche Kapitalallokation häufig ebenso im Fokus wie mögliche Liquiditätsmerkmale.

Wie wird sich der Markt in den kommenden Jahren entwickeln?
Schliemann: Die Treiber des Wachstums sind überwiegend struktureller Natur. Der Markt dürfte daher weiter wachsen, während sich die Investorenbasis verbreitert.
Das aktuelle Liquiditätsumfeld bringt kurzfristig zusätzliche Verkäufer in den Markt. Viele davon werden wiederholt aktiv sein. Das sorgt für einen stabileren Dealflow.
Zudem dürften Sekundärmärkte in neuen Assetklassen mittelfristig ähnliche Umschlagraten wie im Private-Equity-Segment erreichen.
Secondaries könnten sich damit als fester Bestandteil der Allokation in Private Markets etablieren – unabhängig von der jeweiligen Strategie.