ABS sind strukturierte Schuldverschreibungen, die durch Pools aus Forderungen wie Wohnungsbaukrediten, Autokrediten, Konsumentendarlehen oder Kreditkartenforderungen besichert sind. Die Zahlungsströme aus diesen Forderungen werden in Tranchen mit unterschiedlicher Seniorität und Bonität aufgeteilt. Senior-Tranchen weisen in der Regel Investment-Grade-Ratings auf und profitieren von substantieller struktureller Kreditverbesserung. Historische Daten, so Wardle, zeigen, dass europäische ABS im Vergleich zu Unternehmensanleihen eine hohe Ratingstabilität aufweisen und in Stressphasen relativ geringe Ausfallraten verzeichneten: „Wir haben in den vergangenen Jahren einige Stressphasen gesehen, die im ABS-Markt alle gut absorbiert werden konnten.“
Ein wesentlicher Treiber der aktuell erhöhten Renditen ist die regulatorische Behandlung von Verbriefungen. Banken und Versicherungen unterliegen für ABS höheren Eigenkapitalanforderungen als für Covered Bonds oder klassische Unternehmensanleihen. Hinzu kommen umfangreiche Due-Diligence- und Reportingpflichten, die den Kreis potenzieller Investoren begrenzen. Diese strukturelle Nachfragedämpfung führt zu einem anhaltenden Renditeaufschlag, der aus Sicht spezialisierter Investoren eine opportunistische Prämie darstellt. Gerade Investoren, die höhere Erträge bei geringerem Risiko suchten, so Wardle, werden im ABS-Markt fündig.
Der europäische ABS-Markt ist inzwischen breit diversifiziert und weist ein geschätztes ausstehendes Volumen von rund 600 Mrd. Euro auf. Nach einer Phase moderater Emissionstätigkeit kam es 2025 zu einer spürbaren Belebung der Neuemissionen, nicht zuletzt infolge geringerer Liquiditätsbereitstellung durch Zentralbanken und höherer Refinanzierungskosten für Kreditinstitute. Für Investoren erhöht dies die Auswahl an Strukturen, Laufzeiten und Sicherheiten und verbessert die Skalierbarkeit entsprechender Allokationen.
Aus Portfoliosicht sprechen für Wardle mehrere Faktoren für eine strategische Beimischung von Investment-Grade-ABS. Erstens bieten sie attraktive laufende Erträge bei kurzer Duration, da ein Großteil der Emissionen variabel verzinst ist. Zweitens weisen sie im historischen Vergleich eine geringe Korrelation zu Staats- und Unternehmensanleihen sowie zu Aktienmärkten auf. Die Ertragsquellen basieren zudem überwiegend auf Konsumentenforderungen und sind damit weniger direkt von der Ertragslage einzelner Unternehmen abhängig. Drittens haben sich Senior-Tranchen in Phasen erhöhter Volatilität – etwa während der COVID-19-Pandemie oder der Marktverwerfungen 2022 – als vergleichsweise stabil erwiesen.
Regional zeigen sich für Wardle derzeit zusätzliche Opportunitäten. Europäische CLOs und RMBS bieten im Vergleich zu US-Strukturen teils höhere Spreads bei gleichzeitig stärkerer struktureller Absicherung. Auch ausgewählte australische RMBS werden aufgrund konservativer Kreditvergabestandards und solider makroökonomischer Fundamentaldaten als attraktiv eingeschätzt. Diese relativen Bewertungsunterschiede eröffnen Spielräume für aktive Allokationsentscheidungen innerhalb global ausgerichteter ABS-Portfolios. Wichtig, so Wardle, sei aber dennoch eine breite Diversifikation über Emittenten, Sicherheitenarten und Länder sowie eine detaillierte Kreditanalyse. Hier sei es für Investoren wichtig, mit Managern zusammenzuarbeiten, die über entsprechend Kapazitäten im Research verfügen.
Insgesamt sprechen die aktuellen Marktbedingungen seiner Ansicht nach ganz klar für eine verstärkte Auseinandersetzung von institutionellen Investoren mit der Assetklasse. Der anhaltende Renditeaufschlag, kombiniert mit historisch robuster Kreditqualität und Diversifikationseigenschaften, positioniere die Anlageklasse als defensiven Renditebaustein innerhalb gemischter Fixed-Income-Portfolios. In einem Umfeld moderater Wachstumsraten und rückläufiger Inflationsdynamik könnten strukturierte Kredite damit einen stabilisierenden Beitrag zur Ertragsgenerierung leisten.
Investment-Grade-ABS als defensiver Renditebaustein für institutionelle Portfolios
Matthew Wardle
