Trotz weiterhin solider Kapital- und Liquiditätsausstattung hat sich der Risikomix im Sektor zuletzt spürbar verschoben. Markt- und geopolitische Risiken nehmen zu und prägen das Anlageumfeld stärker. Insbesondere volatile Energiepreise und eine anhaltend unsichere Inflationsentwicklung belasten die wirtschaftlichen Perspektiven im Euroraum, wo weiterhin nur moderates Wachstum erwartet wird.
Gleichzeitig bleibt die Zinslandschaft von einer „Higher-for-longer“-Dynamik geprägt. Zwar profitieren Versicherer von attraktiveren Wiederanlagerenditen, doch führt die gestiegene Mark-to-Market-Volatilität zu höheren Kapitalanforderungen. Zudem ist das Aufwärtspotenzial bei Kreditspreads begrenzt, während Abwärtsrisiken durch externe Schocks zunehmen.
Diversifikation rückt in den Mittelpunkt
In diesem Umfeld wird Diversifikation zu einem zentralen Baustein der Portfoliokonstruktion. Die bislang dominante Orientierung an öffentlichen Kreditmärkten reicht nach Einschätzung von Invesco allein nicht mehr aus, um stabile Erträge und ein ausgewogenes Risikoprofil sicherzustellen.
Stattdessen gewinnen alternative Ertragsquellen zunehmend an Bedeutung. Selektive Allokationen in Private Markets können demnach dazu beitragen, zusätzliche Renditetreiber zu erschließen, die Abhängigkeit von korrelierten Marktentwicklungen zu reduzieren und die Kapitaleffizienz zu verbessern.
Private Markets als Baustein stabiler Erträge
„Innerhalb der Private Markets stehen insbesondere erstrangig besicherte Privatkredite sowie Finanzierungen im Immobilien- und Infrastrukturbereich im Fokus. Diese Segmente können durch stabilere Cashflows und differenzierte Risikotreiber ergänzende Ertragsquellen bieten.
Strategien wie Senior Direct Lending profitieren weiterhin von einer stabilen Nachfrage, während Real Estate Debt von sich stabilisierenden Bewertungen unterstützt wird. Infrastrukturinvestitionen wiederum werden durch strukturelle Trends wie Digitalisierung und Energiewende getragen.“, erklärt Andreas Mittler, Leiter Private Markets bei Invesco Deutschland.
Regulatorische Anpassungen erhöhen Flexibilität
Zudem verbessern sich die Rahmenbedingungen für Versicherer durch regulatorische Anpassungen in Europa und Großbritannien. Die geplanten Änderungen unter Solvency II könnten zu geringeren Kapitalanforderungen für bestimmte Anlageklassen führen und damit den Zugang zu Private Markets erleichtern. Auch Reformen im britischen Markt schaffen zusätzliche Flexibilität bei der Allokation in illiquide Vermögenswerte.
Schrittweise Anpassung statt grundlegender Umschichtungen
Vor diesem Hintergrund ist kurzfristig nicht mit radikalen Portfolioveränderungen zu rechnen. Vielmehr passen Versicherer ihre Strategien schrittweise an. Hochwertige börsennotierte Kreditanlagen bleiben weiterhin ein stabiler Anker, werden jedoch zunehmend durch ausgewählte alternative Investments ergänzt.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf variabel verzinsten und besicherten Anlagen, um die Auswirkungen von Marktvolatilität zu begrenzen und gleichzeitig stabile Erträge zu generieren.
Ausblick
Insgesamt spricht das aktuelle Umfeld für eine gezielte Weiterentwicklung der Portfolios, bei der Ertragsstabilität, Kapitaleffizienz und die Abstimmung auf langfristige Verbindlichkeiten im Vordergrund stehen. Private Markets dürften dabei eine zunehmend wichtige Rolle spielen.
Invesco: Versicherer setzen verstärkt auf Private Markets zur Diversifikation
Andreas Mittler
