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Invesco: Globale Wachstumsbeschleunigung trotz geopolitischer Risiken lenkt Blick auf zyklische und risikoreichere Anlagen

Trotz gestiegener Energiepreise und anhaltender geopolitischer Spannungen hat sich die Weltwirtschaft in den vergangenen Monaten bemerkenswert robust gezeigt. Maßgeblich dazu beigetragen haben eine zunehmende industrielle Aktivität in vielen Ländern, anhaltende KI-Investitionen sowie die verzögert wirkenden Impulse des Zinssenkungszyklus der Zentralbanken.

Paul Jackson

Paul Jackson, Global Head of Asset Allocation Research bei Invesco, geht davon aus, dass die geopolitisch bedingte Volatilität von kurzer Dauer sein wird. Er rechnet mit einer Ende 2026 einsetzenden und bis ins Jahr 2027 hinein andauernden weltweiten Konjunkturbelebung, die insbesondere zyklischen und risikoreicheren Anlagen zugutekommen dürfte.

Jackson zufolge haben die niedrigeren Zinssätze in mehreren Volkswirtschaften das Geldmengenwachstum angekurbelt und so die Voraussetzungen für einen kräftigeren Aufschwung geschaffen. Für die kommenden zwölf Monate erwartet er zusätzliche Impulse durch eine schrittweise Normalisierung der Energiepreise und eine stärkere konjunkturelle Dynamik. Sinkende Energiepreise dürften zu höheren Reallöhnen und privaten Konsumausgaben führen, während KI-Ausgaben weiterhin für eine stärkere Investitionsnachfrage sorgen.

Angesichts der verbesserten Konjunktur- und Arbeitsmarktlage werde der Spielraum für weitere Zinssenkungen – insbesondere in den USA – begrenzt sein. Der Invesco-Experte rechnet aber auch nicht mit einer spürbaren Belastung der Märkte durch eine weitere Straffung der Geldpolitik. In einigen Regionen, insbesondere in China und Japan, könne es zudem positive fiskalpolitische Impulse geben.

In der Folge sieht Jackson die Weltwirtschaft in der Aufschwungphase des Konjunkturzyklus. „Traditionell entwickeln sich zyklische und risikoreiche Anlagen in dieser Phase des Zyklus besonders gut“, so der Investmentexperte. „Allerdings könnten in einigen Bereichen bereits viele positive Erwartungen eingepreist sein. Insgesamt behalten wir unsere Präferenz für Rohstoffe, REITs und Aktien bei, streben jedoch zugleich eine stärkere Diversifikation durch Anlagen in Immobilien und Assets mit kürzerer Kapitalbindung an, etwa in den liquideren Segmenten des Private-Credit-Universums.“

Aus regionaler Sicht bevorzugt der Invesco-Experte Märkte außerhalb der USA, mit einer Präferenz für Europa – vor allem Großbritannien – und die Schwellenmärkte. US-Anlagen, insbesondere Aktien, seien im historischen Vergleich teuer, während viele internationale Märkte attraktivere Bewertungen aufweisen und stärker von einer globalen Wachstumsbeschleunigung profitieren dürften. Geldpolitische Divergenzen und Währungsbewertungen sprächen für eine mittelfristige Abschwächung des US-Dollars, was Rohstoffen und Schwellenmärkten zugutekommen dürfte.

Im Aktienbereich sieht Jackson insbesondere in Japan, China und den Schwellenmärkten attraktive Anlagemöglichkeiten. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der USA seien zwar nach wie vor solide, US-Aktien jedoch sehr hoch bewertet. Gemessen am zyklusbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE) notieren US-Aktien Jackson zufolge derzeit fast so hoch wie zuletzt zum Höhepunkt der Tech-Blase im Jahr 2000.

„Gemessen an unseren CAPE-Kennzahlen ist der US-Markt sowohl im historischen Vergleich als auch gegenüber anderen Regionen überdurchschnittlich hoch bewertet. Dagegen notieren chinesische Aktien trotz der starken Entwicklung der letzten Jahre weiterhin unter ihrem langfristigen Bewertungsdurchschnitt. Auch Japan erscheint im Vergleich zu den USA weiterhin attraktiv bewertet, obwohl sich dieser Abstand nach dem jüngsten Aufwärtstrend am japanischen Aktienmarkt etwas verringert hat. Europäische Aktien sind etwas teurer als üblich. Bei einer Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums sollte das aber kein ernsthaftes Hindernis für weitere Kurszuwächse darstellen – erst recht nicht im Vergleich zu den USA“, so seine Einschätzung.

Zu den von Jackson bevorzugten Aktiensektoren zählen zyklische Konsumgüter, Industrie, Werkstoffe, Finanzwerte und Technologie sowie Value-Aktien. Er geht davon aus, dass sich das Ertrags-/Dividendenwachstum zwar abschwächen, aber weiterhin positiv bleiben wird und die Bewertungskennzahlen im Großen und Ganzen stabil bleiben.

Im Bereich der festverzinslichen Anlagen sieht er Staatsanleihen und Investment-Grade-Anleihen durch steigende langfristige Renditen unter Druck. Zwar sei das Hochzinssegment zyklischer und könne daher von einem Konjunkturaufschwung profitieren, doch seien die Spreads ungewöhnlich eng und dürften sich ausweiten. „Wenn die Renditen steigen, sind Anlagen mit kurzer Kapitalbindung in der Regel weniger stark betroffen. Unserer Ansicht nach können Assets wie CLOs mit AAA-Rating und Bank Loans attraktive Renditen, eine geringere Volatilität und eine wirksame Diversifikation gegen Inflations- und Wachstumsrisiken bieten.“

Im Rohstoffbereich setzt Jackson aufgrund ihrer zyklischen Eigenschaften und attraktiven Bewertungen weiterhin auf Industriemetalle und Agrarrohstoffe. Die Untergewichtung von Energierohstoffen in seiner Modell-Asset-Allokation spiegelt die Erwartung sinkender Energiepreise bei einer Entspannung der Versorgungsengpässe wider. Edelmetalle werden trotz ihrer hohen Bewertung aufgrund ihrer Rolle als Krisenabsicherung weiterhin neutral gewichtet. Positiv bewertet der Anlageexperte zudem Direktinvestitionen in Immobilien zur Absicherung gegen Inflation, die seiner Einschätzung nach kurzfristig anziehen und dann ihren Höhepunkt erreichen wird.

Trotz seines grundsätzlich positiven Ausblicks sieht der Invesco-Experte auch erhebliche Risiken. Das seiner Ansicht nach größte Wachstumsrisiko wäre eine anhaltende Störung der weltweiten Energieversorgung. Sollten die Energieengpässe bis ins Schlussquartal dieses Jahres bestehen bleiben, wäre mit einem deutlichen Anstieg der Inflation zu rechnen. Zudem könnten in einzelnen Regionen Maßnahmen zur Rationierung von Energie notwendig werden. Ein Ölpreis von dauerhaft über 120 US-Dollar je Barrel würde Verbraucher und Unternehmen erheblich belasten. Zudem könnte er die Inflation erneut anheizen und die Zentralbanken vor schwierige geldpolitische Entscheidungen stellen. „In einem solchen Umfeld dürfte es schwer werden, Anlageklassen zu finden, die sich gut entwickeln – abgesehen von Energierohstoffen und rohstoffbezogenen Aktien“, meint Jackson.

Als weitere Risiken nennt er die unberechenbare Wirtschaftspolitik der USA, die Vertrauen und Wachstum belasten könnte, einen steigendem Lohndruck durch einen engeren Arbeitsmarkt in den USA und ein mögliches Zurückfahren der KI-Investitionen der Hyperscaler. Zudem stünden dem insgesamt günstigen makroökonomischen Umfeld gemischte Impulse durch die Geld- und Fiskalpolitik gegenüber: Die Zentralbanken zeigen sich inzwischen weniger akkommodierend und die fiskalische Unterstützung fällt uneinheitlich aus, da in vielen Volkswirtschaften Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben mit der Notwendigkeit einer Haushaltskonsolidierung konkurrieren.