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Analyse: Green Bonds - Anlagesegment mit Zukunft?

Der Markt für Green Bonds verzeichnet ein rapides Wachstum. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ausprägung handelbarer Anleihen, bei denen sich der Emittent nach dem „Use of Proceeds“-Konzept dazu verpflichtet, den Emissionserlös zur Finanzierung neuer oder bestehender Projekte mit Nutzen für die Umwelt zu verwenden. Häufige Beispiele dafür sind etwa der Bau von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien zwecks Bekämpfung des Klimawandels oder Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz eines Unternehmens.

Gaurav Chatley

Nach Schätzungen der Climate Bonds Initiative sollen Green Bonds bis 2020 ein jährliches Emissionsvolumen von 1 Billionen US-Dollar erreichen (Climate Bonds Initiative: „Bonds and climate change. The state of the market 2018“, September 2018). Jedoch stellen sie bislang nur einen kleinen Teil des Markts für öffentlich gehandelte Anleihen dar. So entspricht das weltweite Volumen an Green Bonds mit schätzungsweise 389 Mrd. US-Dollar lediglich 2% des gesamten globalen Marktes für öffentlich gehandelte Anleihen nicht-staatlicher Emittenten in Höhe von 23 Billionen US-Dollar (Stand September 2018). Nimmt man Staatsanleihen hinzu, erhöht sich das Volumen des globalen Anleihenmarkts sogar um weitere 27 Billionen US-Dollar.

In jüngerer Zeit sind neue thematische Anleihen hinzugekommen, die auf allgemeine Nachhaltigkeitsaspekte ausgerichtet sind. Dazu gehören Social Bonds zur Finanzierung von Projekten mit positiven sozialen Effekten, Sustainability Bonds als Kombination von umweltbezogenen und sozialen Projekten, ESG-Bonds, also globale Anleihen, die hohen ESG-Standards entsprechen, SDG-Bonds zur Finanzierung von Unternehmen und Projekten, die zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele – Sustainable Development Goals – der UNO beitragen und sogar „Blue Bonds“ zur Finanzierung von Meeresprojekten. Allerdings ist deren Emissionsvolumen bisher ein noch kleinerer Bruchteil des Gesamtmarkts für Green Bonds. Gleichwohl handelt es sich um regulierte Instrumente, die denselben Kapitalmarkt- und Finanzregularien unterliegen wie andere öffentlich gehandelte Anleihen.

Bislang keine grüne Prämie
Im Vergleich zu konventionellen Anleihen sollten Anleger einige Besonderheiten von Green Bonds beachten, zum Beispiel:

Gläubigerstatus: Das Bonitätsrisiko in Bezug auf den Emittenten ist bei einem Green Bond dasselbe wie bei herkömmlichen Anleihen. Typischerweise weisen Green Bonds auch denselben Rang in der Kapitalstruktur auf. Demnach haben Gläubiger in beiden Fällen Zugang zu sämtlichen Vermögenswerten des Emittenten.

„Grüne Prämie“: Tatsächlich weist zurzeit wenig darauf hin, dass Green Bonds desselben Emittenten einen signifikanten Renditeaufschlag bieten. Allerdings übertrifft die Nachfrage nach Green Bonds regelmäßig das Angebot, sodass die meisten Transaktionen überzeichnet sind. Sie sind vor allem für Investoren attraktiv, die eine „Kaufen und Halten“-Strategie verfolgen, weshalb es am Sekundärmarkt nur relativ geringe Umsätze gibt. Der jüngste vom französischen Staat emittierte Green Bond wies eine Prämie gegenüber konventionellen Staatsanleihen auf. Sofern das Anlegerinteresse weiter steigt, können wir uns vorstellen, dass Green Bonds deutlich teurer werden als vergleichbare konventionelle Anleihen.

Greenwashing bereitet Sorgen
Unter Greenwashing versteht man irreführende Angaben hinsichtlich der Verwendung der Erlöse aus der Emission von Green Bonds und anderen als umweltfreundlich klassifizierten Anlagen. So wird das aufgenommene Kapital letztlich nicht für „grüne“ Projekte verwendet oder der „grüne“ Charakter bestimmter Projekte ist zweifelhaft. Da Green Bond-Leitlinien meist freiwilliger Natur sind, ist nach Ansicht von Kritikern Raum für Interpretation. So gab es Versuche des Betreibers eines Kohlekraftwerks in China, einen Green Bond zu emittieren, unter dem Vorwand, den Erlös zum Bau einer sauberen Version des bisherigen Kraftwerks zu verwenden. Im Februar 2018 brachte Indonesien, der zweitgrößte Kohleexporteur der Welt, seinen ersten Green Bond auf den Markt.

Institutionen wie die Climate Bonds Initiative (CBI) und die International Capital Market Association (ICMA), die im Jahr 2014 die Green Bond Principles entwickelt haben, konnten zur Etablierung einiger Grundsätze und Standards für Emittenten von Green Bonds beitragen, die größere Transparenz ermöglichen. Die EU-Kommission untersucht derzeit Möglichkeiten zur Schaffung eines europäischen Standards für Green Bonds, einschließlich eines EU-Labels für Green Bonds. Dies soll bis zum dritten Quartal 2019 erfolgen, im Anschluss an die Vorstellung einer EU-weiten Klassifizierung nachhaltiger Finanzierungsinstrumente im ersten Quartal.

Mandatsbezogene Restriktionen: Green Bonds können eine Lösung von der Stange für Anleger sein, die ihr Exposure gegenüber umweltfreundlichen Anlagen über den Rentenmarkt erhöhen wollen. Vorsichtig sein sollte man aber, wenn man gängige Anleihemandate um Mindestvorgaben für den Umfang von Anlagen in Green Bonds erweitert. Aktuell macht der Markt für Green Bonds nach Daten von BofA Merrill Lynch im Euroraum lediglich rund 2% des gesamten ausstehenden Volumens von Investment Grade-Anleihen aus und nur einen Bruchteil des gesamten Bondmarkts (BofA Merrill Lynch Euro Broad Market Index (EMU0), Stand 21. September 2018). Die Vorgabe zur Anlage von etwa mindestens 5% Green Bonds in einem bestehenden Mandat würde deshalb dazu führen, dass sich Investoren zwangsläufig in entsprechenden Anleihen engagieren würden, ohne der Bonität, möglichem Greenwashing oder der relativen Bewertung Rechnung zu tragen.

Konzentrationsrisiko/Bias: Angesichts der begrenzten Zahl der Emittenten von Green Bonds und ihrer Konzentration auf bestimmte Sektoren kann die Diversifikation schwierig werden, sollen Green Bond-Portfolios in einer für institutionelle Anleger typischen Größenordnung aufgebaut werden. So wird ein erheblicher Anteil der Green Bonds entweder von supranationalen oder staatlich garantierten Institutionen emittiert, von denen rund ein Drittel ein Bonitätsrating von AAA aufweist. Dementsprechend beträgt der Anteil staatlicher und quasi-staatlicher Emittenten im BofA Green Bond Index derzeit 51,2%, während Industrieunternehmen nur mit 10,9 % vertreten sind. Hinzu kommt, dass die fünf größten Emittenten rund ein Drittel des Index ausmachen. Zudem dominieren Schuldner aus den Emerging Markets, da China zu den weltweit führenden Emittenten von Green Bonds gehört.

Diversifikation ist noch schwierig
Die derzeitige Breite und Tiefe des Green-Bond-Marktes erschwert noch den Aufbau eines gut diversifizierten Portfolios in für institutionelle Anleger typischer Größenordnung. Jedoch deutet nichts auf eine nachlassende Anlegernachfrage hin, da Investoren vermehrt anstreben, ihre Anlagen in Einklang mit Nachhaltigkeitszielen zu bringen. Politische und regulatorische Leitlinien sind ebenfalls für wachsende Emissionen von Green Bonds von entscheidender Bedeutung. Je mehr entsprechende Emittenten auf den Markt gelangen, desto mehr Möglichkeiten haben Anleger, ihre Portfolios auch in diesem Segment zu diversifizieren.



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*) Gaurav Chatley ist Portfoliomanager Anleihen für institutionelle Kunden bei M&G Investments.