Der deutsche Spezialfondsmarkt hat im zweiten Quartal 2026 Nettomittelzuflüsse von 11,0 Mrd. Euro verbucht. Damit bewegte sich das Neugeschäft nahezu auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Kommalpha lag der durchschnittliche quartalsweise Nettomittelzufluss der vergangenen drei Jahre bei 11,9 Mrd. Euro.
Zusammen mit dem ersten Quartal summiert sich das Nettoneugeschäft im ersten Halbjahr damit auf 19,4 Mrd. Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 16,1 Mrd. Euro. Gegenüber 2025 ergibt sich somit ein Plus von rund 3,2 Mrd. Euro.
Im längerfristigen Vergleich relativiert sich die Entwicklung allerdings deutlich. Im ersten Halbjahr 2022 waren Spezialfonds noch 47,5 Mrd. Euro netto zugeflossen, 2021 waren es 45,3 Mrd. Euro und 2020 immerhin 34,6 Mrd. Euro.
Clemens Schuerhoff, Vorstand bei Kommalpha, hält auf Basis einer linearen Hochrechnung und unter Berücksichtigung des üblicherweise starken Schlussquartals für das Gesamtjahr 2026 ein Nettoneugeschäft in der Größenordnung von 50 Mrd. Euro für möglich.
Sozialversicherungen überraschend an der Spitze
Bemerkenswerter als das Gesamtvolumen ist im ersten Halbjahr die Zusammensetzung der Zuflüsse. Mit 4,3 Mrd. Euro führen Sozialversicherungen sowie öffentliche und kirchliche Zusatzversorgungseinrichtungen das Ranking der Investorengruppen an.
Das ist insofern ungewöhnlich, als es sich um eine vergleichsweise kleine Investorengruppe handelt, die beim Nettoneugeschäft des Spezialfondsmarktes historisch keine dominierende Rolle gespielt hat.
Auf Rang zwei folgen Kreditinstitute mit Nettomittelzuflüssen von 3,9 Mrd. Euro, gefolgt von Unternehmen beziehungsweise Corporates mit 3,5 Mrd. Euro. Damit stehen im bisherigen Jahresverlauf drei Investorengruppen an der Spitze, die das Neugeschäft in der Vergangenheit nicht regelmäßig geprägt haben.
Gerade für die beiden volumenmäßig bedeutenden klassischen Spezialfondsanleger fällt das Bild dagegen verhaltener aus. Altersvorsorgeeinrichtungen erreichten im ersten Halbjahr Nettomittelzuflüsse von 3,0 Mrd. Euro. Versicherungen kamen auf knapp 2,95 Mrd. Euro.
Bei den Altersvorsorgeeinrichtungen sieht Kommalpha zwar eine gewisse Erholung. Von den Wachstumsraten, die dieses Segment noch in den 2010er-Jahren verzeichnete, bleibt das aktuelle Neugeschäft jedoch weit entfernt. Auch bei Versicherern fallen die Zuflüsse gemessen an ihrer Bedeutung für den gesamten Spezialfondsmarkt unterdurchschnittlich aus.
Gemischte Mandate und Rentenfonds vorne
Auf Ebene der Fondskategorien entfiel das höchste Nettomittelaufkommen im ersten Halbjahr auf gemischte Wertpapierspezialfonds mit 6,9 Mrd. Euro. Kommalpha führt deren starke Stellung unter anderem auf die hohe Bedeutung von Masterfondsstrukturen zurück, bei denen einzelne Subfonds auf Masterfondsebene häufig als gemischte Mandate klassifiziert werden.
An zweiter Stelle folgen Rentenspezialfonds mit einem Nettoneugeschäft von 6,1 Mrd. Euro. Dachspezialfonds kamen mit 2,5 Mrd. Euro auf den dritten Rang.
Die Zahlen stammen aus der 24. Ausgabe des „Spezialfondsmarkt Quarterly“ von Kommalpha und basieren auf Daten der Deutschen Bundesbank zum Stichtag 30. Juni 2026. Neben den Cashflows untersucht die Publikation auch Strukturmerkmale des deutschen Spezialfondsmarktes. Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe liegt auf den operationellen Risiken der Umstellung des Wertpapier-Settlements auf T+1.
Spezialfondsmarkt mit veränderter Wachstumsstruktur
Unter dem Strich zeigt das erste Halbjahr damit einen Spezialfondsmarkt, dessen Neugeschäft solide, aber weit von früheren Wachstumsphasen entfernt ist. Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Zuflüsse. Dass ausgerechnet Sozialversicherungen und Zusatzversorgungseinrichtungen vor Banken und Corporates an der Spitze stehen, während Versicherer und Altersvorsorgeeinrichtungen nur moderat wachsen, dürfte für die weitere Entwicklung des Jahres mindestens ebenso interessant sein wie die Frage, ob die 50-Milliarden-Euro-Marke beim Nettoneugeschäft erreicht wird.
Spezialfonds: „Ungewöhnliche“ Investorengruppen treiben das Neugeschäft
Clemens Schuerhoff
