Das geht aus der aktuellen Verwahrstellenstatistik des deutschen Fondsverbands BVI hervor, die gemeinsam mit dem Praxisforum Depotbanken erstellt wird und insgesamt 27 Verwahrstellen erfasst.
Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt allerdings: Das Wachstum verteilt sich weder gleichmäßig auf die unterschiedlichen Fondstypen noch auf die Anbieter. Vor allem offene Wertpapierfonds und institutionelle Spezialfonds prägen den Markt, während sich an der Spitze des Verwahrstellenrankings die Gewichte teilweise deutlich verschoben haben.
BNP Paribas baut Führung aus – HSBC-Übernahme verändert den Markt
Mit Abstand größte Verwahrstelle bleibt BNP Paribas. Die deutsche Niederlassung betreute zum 30. Juni 2026 Fondsvermögen von 839,1 Mrd. Euro, gegenüber 699 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Damit stieg das ausgewiesene Volumen innerhalb von zwölf Monaten um rund 140 Mrd. Euro beziehungsweise 20%.
Ein Teil dieser Entwicklung muss allerdings vor dem Hintergrund einer größeren strukturellen Veränderung im deutschen Verwahrstellenmarkt betrachtet werden. BNP Paribas hatte im Juni 2025 die Übernahme des deutschen Custody- und Verwahrstellengeschäfts von HSBC Continental Europe vereinbart. Zum Geschäft gehören lokale Verwahrung, Depotbank- und Clearing-Dienstleistungen für institutionelle Kunden. Vereinbart wurde auch der Übergang der entsprechenden Kunden, Assets und Mitarbeiter zu BNP Paribas. Die Migration sollte Anfang 2026 beginnen und schrittweise erfolgen.
Diese Verschiebung ist inzwischen auch in der BVI-Statistik erkennbar. Während das von BNP Paribas betreute Fondsvermögen zwischen Ende 2025 und Mitte 2026 von 731,8 auf 839,1 Mrd. Euro zunahm, ging das Volumen bei HSBC im selben Zeitraum von 356,6 auf 267,2 Mrd. Euro zurück.
Die Veränderungen können anhand der Statistik nicht vollständig der laufenden Migration zugerechnet werden, da auch Marktentwicklungen, Mittelbewegungen und andere Mandatsveränderungen die Volumina beeinflussen. Der Transfer ist allerdings noch nicht abgeschlossen. So wechseln auch im September und Oktober 2026 weitere Fonds ihre Verwahrstelle von HSBC zu BNP Paribas.
Damit dürfte sich die Marktposition von BNP Paribas in den kommenden Statistiken weiter verändern. Bereits zur Jahresmitte 2026 entfielen rund 26% des gesamten vom BVI erfassten Verwahrstellenvolumens auf BNP Paribas.
Spezialfonds dominieren das Verwahrgeschäft
Für institutionelle Investoren ist vor allem der Blick unter die Oberfläche der Gesamtzahlen interessant.
Von den insgesamt 3,25 Billionen Euro entfallen 2,887 Billionen Euro auf offene Wertpapierfonds. Offene Sachwertefonds kommen auf 300,3 Mrd. Euro. Hinzu kommen 59,9 Mrd. Euro in geschlossenen Sachwertefonds sowie 3,5 Mrd. Euro in geschlossenen Wertpapier- und Beteiligungsfonds.
Innerhalb der offenen Wertpapierfonds wiederum dominieren die Spezialfonds deutlich. Die detaillierte BVI-Tabelle weist zum 30. Juni 2,161 Billionen Euro in Spezialfonds und 725,7 Mrd. Euro in Publikumsfonds aus.
Damit entfallen rund drei Viertel des Vermögens der offenen Wertpapierfonds auf Spezialfonds. Bezogen auf das gesamte von den Verwahrstellen betreute Fondsvermögen machen allein diese institutionell geprägten Vehikel etwa zwei Drittel aus.
Das unterstreicht die Bedeutung des deutschen Spezialfondsmarktes für das Verwahrgeschäft. Versicherer, Versorgungswerke, Pensionskassen, Unternehmen und andere institutionelle Anleger bündeln große Teile ihrer Kapitalanlagen in solchen Strukturen – entsprechend bedeutend sind diese Mandate für die großen Custody- und Verwahrstellenanbieter.
Unterschiedliche Geschäftsmodelle der großen Häuser
Die Detaildaten zeigen zugleich, dass sich hinter ähnlichen Gesamtvolumina teilweise sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle verbergen.
Bei Marktführer BNP Paribas stammen beispielsweise rund 781 Mrd. Euro allein aus Spezialfonds im Bereich der offenen Wertpapierfonds. Publikumsfonds spielen mit knapp 22 Mrd. Euro eine wesentlich kleinere Rolle.
Auch J.P. Morgan ist im deutschen Verwahrstellengeschäft fast vollständig institutionell geprägt: Von 276,6 Mrd. Euro Gesamtvolumen entfallen 275,2 Mrd. Euro auf offene Wertpapier-Spezialfonds. Bei der LBBW sind es rund 197,2 Mrd. von insgesamt 218,4 Mrd. Euro.
Anders sieht die Struktur etwa bei DekaBank oder State Street aus. Deka verwahrt 146,2 Mrd. Euro in offenen Wertpapier-Publikumsfonds und 102,2 Mrd. Euro in entsprechenden Spezialfonds. State Street weist 235,1 Mrd. Euro bei Publikumsfonds und 191,8 Mrd. Euro bei Spezialfonds aus.
Die Rangliste nach Gesamtvermögen allein sagt damit nur bedingt etwas über die Positionierung der einzelnen Häuser im institutionellen Markt aus.
Sachwerte entwickeln sich verhaltener
Auffällig ist zudem die unterschiedliche Entwicklung der Fondskategorien. Während das Volumen der offenen Wertpapierfonds innerhalb eines Jahres von 2,576 auf 2,887 Billionen Euro und damit um gut 12% gestiegen ist, ging das Vermögen der offenen Sachwertefonds leicht zurück: von 308,1 auf 300,3 Mrd. Euro.
Bei den geschlossenen Sachwertefonds zeigt sich dagegen Wachstum. Ihr Volumen stieg von 52,6 Mrd. Euro Mitte 2025 auf 59,9 Mrd. Euro zur Jahresmitte 2026.
Die Zahlen spiegeln damit auch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Assetklassen wider. Liquide Wertpapierportfolios haben von der Kapitalmarktentwicklung profitiert, während insbesondere offene Immobilienfonds in den vergangenen Jahren mit Bewertungsanpassungen und Mittelabflüssen konfrontiert waren.
Dabei ist wichtig: Aus der Verwahrstellenstatistik selbst lässt sich nicht trennscharf ableiten, welcher Anteil der Veränderungen auf Marktperformance, Nettomittelzuflüsse oder Mandatsbewegungen zurückgeht. Sie zeigt Bestände zu Stichtagen, keine Performance- oder Flow-Zerlegung.
Verwahrstelle ist mehr als reine Depotführung
Die Größenordnungen zeigen zugleich die systemische Bedeutung des Verwahrstellengeschäfts. Die Funktion einer Verwahrstelle geht regulatorisch weit über die bloße Aufbewahrung von Wertpapieren hinaus.
Zu ihren Aufgaben gehören – abhängig von Fondstyp und Struktur – unter anderem die Verwahrung beziehungsweise Kontrolle von Vermögenswerten, die Überwachung bestimmter Zahlungsströme und Kontrollfunktionen gegenüber der Kapitalverwaltungsgesellschaft. Gerade bei komplexeren Spezialfonds- und Sachwertestrukturen sind damit hohe Anforderungen an Prozesse, Daten, Reporting und regulatorische Expertise verbunden.
Mit zunehmender Größe und Komplexität institutioneller Portfolios steigen auch die Anforderungen an die Infrastruktur hinter dem eigentlichen Asset Management.
Der BVI begleitet diese Entwicklung seit 2007 mit seinem Praxisforum Depotbanken, das unter anderem Branchenstandards für den deutschen Depotbankmarkt entwickelt.
Fazit: Ein wachsender, aber hoch konzentrierter Markt
Der deutsche Verwahrstellenmarkt ist damit nicht nur stark konzentriert, sondern befindet sich zugleich in einer Phase struktureller Konsolidierung. Besonders deutlich wird dies an der laufenden Übertragung des deutschen Custody- und Verwahrstellengeschäfts von HSBC auf BNP Paribas. Bereits zur Jahresmitte 2026 führt BNP Paribas das BVI-Ranking mit deutlichem Abstand an. Da die Kundenmigration noch nicht abgeschlossen ist, dürfte sich die Konzentration an der Spitze weiter erhöhen.
Für den institutionellen Markt ist eine zweite Zahl mindestens ebenso relevant: Von den 2,887 Billionen Euro in offenen Wertpapierfonds liegen rund 2,161 Billionen Euro in Spezialfonds.
Damit dokumentiert die Verwahrstellenstatistik nicht nur die Größe des deutschen Fondsmarktes. Sie zeigt zugleich, welche Bedeutung die Infrastruktur hinter der institutionellen Kapitalanlage inzwischen erreicht hat – und wie stark dieses Geschäft von einigen wenigen globalen und deutschen Bankengruppen geprägt wird.
Analyse: Verwahrstellen betreuen erstmals mehr als 3,25 Billionen Euro – die Fakten dahinter
