Der internationale Private-Debt-Markt geht mit einem weiterhin positiven Stimmungsbild in die zweite Jahreshälfte 2026. Der BF.Private Debt Market Sentiment Index erreicht für das zweite Halbjahr 59,7 Punkte und liegt damit deutlich oberhalb der neutralen Marke von 50 Punkten. Gegenüber den 60,1 Punkten aus dem ersten Halbjahr hat sich die Einschätzung der Marktteilnehmer damit kaum verändert.
Das geht aus dem aktuellen BF.Private Debt Market Compass von BF.capital hervor. Für die aktuelle Ausgabe wurden im Juni 2026 insgesamt 63 Marktteilnehmer befragt. Die teilnehmenden Unternehmen verwalten im gewichteten Durchschnitt rund 80 Mrd. Euro. Die halbjährliche Untersuchung umfasst Corporate Direct Lending, Real Estate Debt und Infrastructure Debt.
Interessanter als die nahezu unveränderte Gesamtstimmung ist allerdings, was sich unterhalb des Index bewegt: Die Finanzierungskonditionen verschieben sich zunehmend zugunsten der Kreditgeber. Nachdem die Befragung im ersten Halbjahr noch leicht kreditnehmerfreundliche Tendenzen gezeigt hatte, erwarten die befragten General Partner, dass sich die Verbesserung für Kreditgeber in den kommenden sechs Monaten fortsetzt. Die Leverage-Niveaus bleiben in den untersuchten Private-Debt-Segmenten überwiegend moderat.
Institutionelle Commitments bleiben robust
Auch auf Investorenseite zeigt die Studie bislang keine grundlegende Abkehr von Private Debt. 59% der befragten Manager verzeichneten im zurückliegenden Halbjahr steigende Commitments ihrer Limited Partner. Im ersten Halbjahr waren es allerdings noch 64% gewesen.
Für die kommenden sechs Monate rechnen 62% der Befragten mit weiter steigenden Kapitalzusagen. Auch hier fällt der Wert niedriger aus als in der vorherigen Erhebung, als noch 71% diese Erwartung äußerten.
Damit zeichnet sich eher eine Normalisierung als ein Einbruch des Fundraising-Umfelds ab. Gerade für institutionelle Investoren interessant sind dabei die hohen Wiederanlagequoten bestehender Anleger.
Im Corporate Direct Lending berichten knapp 87% der Teilnehmer von Re-up-Quoten von mehr als 40%. Bei Real Estate Debt sind es 80%, bei Infrastructure Debt 78%.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass Private Debt bei vielen Investoren nicht mehr allein als opportunistische Beimischung betrachtet wird. Bestehende Allokationen werden in erheblichem Umfang fortgeführt, auch wenn die Dynamik neuer Kapitalzusagen gegenüber dem ersten Halbjahr etwas nachgelassen hat.
Kreditqualität stabil – erste Warnsignale im Blick behalten
Auch bei der Kreditqualität zeigt der Market Compass bislang keine breite Verschlechterung. Bei 75%der Befragten blieben die Quoten notleidender oder leistungsgestörter Kredite in den vergangenen sechs Monaten unverändert. Im ersten Halbjahr hatte dieser Anteil allerdings noch bei 85% gelegen.
Für die kommenden sechs Monate erwartet weiterhin eine klare Mehrheit stabile Ausfallraten. Auffällig ist jedoch, dass der Anteil der Marktteilnehmer, die mit einem deutlichen Anstieg rechnen, von 1,6% auf 6,6% gestiegen ist.
Von einem breiten Stressszenario kann auf Basis der Befragung damit nicht gesprochen werden. Belastungen konzentrieren sich laut Studie bislang vor allem auf einzelne Branchen und Nutzungsarten und weniger auf strukturelle Finanzierungsprobleme.
Gerade für institutionelle Anleger dürfte damit die Manager- und Kreditselektion weiter an Bedeutung gewinnen. Ein insgesamt stabiler Markt schließt zunehmende Dispersion auf Ebene einzelner Kreditnehmer und Sektoren nicht aus.
Wachstum statt Distressed als Transaktionstreiber
Bemerkenswert ist zudem, wofür Private-Debt-Kapital derzeit eingesetzt wird. Akquisitionsfinanzierungen spielen segmentübergreifend weiterhin eine wichtige Rolle. Gleichzeitig gewinnen Finanzierungen für Wachstum, Expansion und strategische Kapitalallokation an Bedeutung.
Restrukturierungs- und Distressed-Situationen bilden nach Angaben der Studienautoren dagegen weiterhin die Ausnahme. Die Nachfrage nach Private Debt wird demnach bislang stärker durch unternehmerische Investitions- und Wachstumsaktivitäten als durch finanziellen Stress auf Kreditnehmerseite getragen.
Private Debt zwischen Normalisierung und attraktiveren Konditionen
Für institutionelle Investoren ergibt sich daraus ein durchaus interessantes Marktbild. Das Fundraising verliert etwas an Dynamik, die Kapitalzusagen bleiben jedoch robust und die hohen Re-up-Quoten sprechen für eine gewisse Verstetigung der Assetklasse.
Gleichzeitig scheint sich das Pendel bei den Finanzierungskonditionen wieder stärker in Richtung der Kapitalgeber zu bewegen. Moderate Leverage-Niveaus und eine bislang überwiegend stabile Kreditqualität treffen damit auf potenziell attraktivere Konditionen für neue Finanzierungen.
Der BF.Private Debt Market Compass zeichnet für die zweite Jahreshälfte 2026 deshalb weniger das Bild eines neuen Private-Debt-Booms als vielmehr eines sich normalisierenden Marktes, in dem Selektivität, Kreditqualität und die Konditionen neuer Deals stärker in den Vordergrund rücken.
Private Debt: Kreditgeber gewinnen wieder an Verhandlungsmacht
