Warum Naturkapital?
Naturkapitalinvestitionen umfassen nachhaltige Forstwirtschaft, Landwirtschaft und naturbasierte Lösungen – Anlagen, deren Wert auf biologischem Wachstum, produktiver Flächennutzung und der Bereitstellung unverzichtbarer Ressourcen beruht. Wälder wachsen unabhängig von der Marktstimmung, während Agrarflächen Einnahmen aus der Nahrungsmittelproduktion erzielen. Darüber hinaus können diese Anlagen Erträge aus der Kohlenstoffbindung, der Förderung der Biodiversität und anderen Ökosystemleistungen erwirtschaften. Da sich diese Renditetreiber wesentlich von denen traditioneller Finanzanlagen unterscheiden, können Naturkapitalanlagen die Diversifikation institutioneller Portfolios stärken.
Dennoch ist Naturkapital in vielen institutionellen Portfolios nach wie vor unterrepräsentiert. Als eigenständige Renditequelle kann es die Widerstandsfähigkeit eines Portfolios erhöhen und zugleich Zugang zu unverzichtbaren Sachwerten bieten, die sich nicht beliebig vermehren lassen.
Diese Eigenschaften spiegeln die zugrunde liegende Ökonomie der Anlageklasse wider. Die Renditen nachhaltiger Forstwirtschaft entstehen aus biologischem Wachstum, Holzverkäufen, der Wertsteigerung von Flächen und Ökosystemleistungen. Zusätzliche Stabilität bietet die Flexibilität beim Erntezeitpunkt: Holzeinschläge können vorgezogen werden, wenn die Holzpreise attraktiv sind, oder bei schwachen Märkten aufgeschoben werden, während der zugrunde liegende biologische Vermögenswert weiterwächst.
Nachhaltige Agrarinvestments bieten laufende Einnahmen aus Bewirtschaftung oder Verpachtung sowie das Potenzial langfristiger Wertsteigerungen. Der zentrale Nachfragetreiber ist eindeutig: Nahrungsmittel sind unverzichtbar. Gleichzeitig ist der weltweite Bestand an hochwertigen, produktiven Flächen mit gesicherter Wasserversorgung begrenzt und durch Bodendegradation, Urbanisierung und Klimawandel unter Druck. Mit zunehmender Wasserknappheit und stärkeren Temperaturschwankungen dürften gut gelegene Agrarflächen in klimatisch widerstandsfähigen Regionen strategisch an Wert gewinnen.
Struktureller Rückenwind für die Anlageklasse
Naturkapital zeichnet sich durch ein Renditeprofil aus, das Cashflows aus produktiven Sachwerten mit den Ertragspotenzialen wachsender Umweltmärkte verbindet. Einnahmen aus CO2-Zertifikaten und der Vergütung weiterer Ökosystemleistungen können eigenständig oder ergänzend zu Forst- und Agrarinvestments erzielt werden. Damit kommen zu den klassischen Renditetreibern – Holz- und Nahrungsmittelproduktion sowie Flächenproduktivität – weitere Ertragsströme hinzu.
Mehrere strukturelle Trends stärken die langfristige Investmentthese. Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Holz und anderen natürlichen Ressourcen bleibt robust, während das Angebot an produktiven Flächen und etablierten Forstwirtschaftsanlagen naturgemäß begrenzt ist. Zugleich wird die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten sowie nach Biodiversitäts- und Renaturierungsleistungen zunehmend durch regulatorische Vorgaben gestützt. Dadurch können verlässlichere Einnahmequellen entstehen. Auch die wachsende Bedeutung von Ressourcensicherheit, widerstandsfähigen Lieferketten und Klimaanpassung stützt die Investmentthese.
Abb. 1: Korrelationen: Traditionelle Anlageklassen im Vergleich zu Landwirtschaft und Forstwirtschaft

Quelle: NCREIF Total Farmland Index, NCREIF Annual Cropland Index, NCREIF Permanent Cropland Index, MSCI World Infrastructure, Goldpreise, FTSE NAREIT All Equity REITs, MSCI EAFE, US-Staatsanleihen, S&P 500 Index; Analyse von Gresham House, April 2026. Renditen in USD (1999–2025). Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Es besteht ein Kapitalverlustrisiko.
Portfoliovorteile
Für institutionelle Anleger lässt sich die Relevanz von Naturkapital am besten auf Portfolioebene beurteilen. Modellrechnungen deuten darauf hin, dass Naturkapital sowohl die Effizienz als auch die Widerstandsfähigkeit eines Portfolios verbessern kann. Bei der Optimierung eines einem Benchmark-Portfolios (55% Aktien, 30% Anleihen, 7,5% Private Equity und 7,5% Infrastruktur) führen alle drei Optimierungsziele – Maximierung der Rendite, Minimierung der Volatilität und Maximierung der Sharpe Ratio – zu einer Allokation in Naturkapital in Höhe von 10%, 19% respektive 15%. Ausschlaggebend ist die Kombination aus unabhängigen Renditetreibern, geringer Korrelation und attraktiven risikoadjustierten Renditen.
Abb. 2: Relative Verbesserung: Optimale Naturkapitalallokationen gegenüber der Benchmark

Quelle: NCREIF; FTSE Nareit; LBMA; S&P Dow Jones Indices; Bloomberg; Bank of England; Office for National Statistics; Analyse von Gresham House (1995–2025). Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Es besteht ein Kapitalverlustrisiko.
Die Auswirkungen auf das Portfolio sind erheblich. Gegenüber dem Benchmark-Portfolio erhöhen sich die jährlichen Renditen um bis zu 11%, die Volatilität sinkt um bis zu 14% und die Sharpe Ratios verbessern sich um rund 12–19%. Gleichzeitig können die maximalen Drawdowns um bis zu 36,5% reduziert werden. Dies unterstreicht den Beitrag von Naturkapital sowohl zur Portfolioeffizienz als auch zum Schutz vor Abwärtsrisiken.
Der Großteil dieser Vorteile scheint bereits bei einer Allokation von 5–10% erreicht zu werden. Für viele Pensionskassen und Versicherer könnte eine strategische Allokation in dieser Bandbreite ein praktikabler Ausgangspunkt sein. Finanziert werden könnte sie aus bestehenden Allokationen in Sachwerte, Immobilien, inflationssensitive Anlagen oder andere alternative Investments.
Wie sollten Investoren in Naturkapital investieren?
Über die strategische Allokation hinaus ist die Auswahl des Managers ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Da die Anlageklasse operativ anspruchsvoll ist, hängen die Renditen unter anderem von der Akquisitionsdisziplin, der Boden- und Wasserqualität, der Auswahl von Baumarten und Nutzpflanzen, dem Erntezeitpunkt, der Kenntnis regulatorischer Anforderungen sowie der Fähigkeit ab, umweltbezogene Einnahmequellen zu erschließen und zu steuern.
Naturkapitalinvestoren sind mit Illiquidität, Wetterereignissen, Schädlingen, Krankheiten, Waldbränden, Rohstoffpreisschwankungen, Währungsrisiken und Änderungen regulatorischer Rahmenbedingungen konfrontiert. Diese Risiken müssen bei der Investitionsprüfung angemessen berücksichtigt und durch Diversifikation, konservative Annahmen, Versicherungen, aktives Management und eine robuste Governance gemindert werden.
Gresham House zählt weltweit zu den führenden spezialisierten Naturkapitalmanagern und deckt ein Kompetenzspektrum von der Akquisition und dem Management biologischer Vermögenswerte bis hin zu Umweltmärkten und langfristiger Bewirtschaftung ab. Die Naturkapitalplattform umfasst nachhaltige Forstwirtschaft, nachhaltige Landwirtschaft und naturbasierte Lösungen und verwaltet Naturkapitalvermögen in Höhe von 7,2 Mrd. Euro.
Warum jetzt?
Naturkapital wird für institutionelle Investoren zunehmend leichter zugänglich, während das Angebot an hochwertigen Anlagen begrenzt bleibt. Mit zunehmender Beteiligung institutioneller Investoren dürfte sich der Wettbewerb um das begrenzte Angebot verschärfen und die Bewertungen langfristig stützen. Die langfristigen Argumente für die Anlageklasse dürften bestehen bleiben – die heutigen Einstiegsbedingungen möglicherweise nicht.
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*) Eoin McDonald, Director, Global Natural Capital, Gresham House
Gastbeitrag: Naturkapital und die Suche nach unabhängigen Renditetreibern
Eoin McDonald
