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Gastbeitrag: Gewerbe- und Handwerkerparks sind in urbanen Lagen stark nachgefragt

Der Markt für Gewerbe- und Handwerkerparks stellt einen zentralen Bestandteil des Light-Industrial-Segments dar und professionalisiert sich zunehmend. Getrieben durch die Nachfrage nach kleineren, flexibel nutzbaren und ESG-konformen Nutzungseinheiten entstehen vermehrt neue Gewerbe- und Handwerkerpark-Standorte in urbanen Lagen. Diese decken ein breites Spektrum an Nutzerprofilen ab – vom Handwerk über die City-Logistik der letzten Meile bis hin zu technologieorientierten Produktions- und Dienstleistungsbetrieben. Für Investoren bietet das Segment dank stabiler, konjunkturunabhängiger Nachfrage attraktive Renditeaussichten.

Henning Nietz (Bildrechte: JennerEgberts)

Unter Gewerbe- und Handwerkerparks im Allgemeinen werden verschiedene Cluster von Gewerbeflächen zusammengefasst, die sich in einem in sich geschlossenen Areal befinden. Sie bieten neben flexibel nutzbaren Hallenflächen (Lager- und Servicefläche) auch anteilige Bürofläche. Je nach Größe und Schwerpunkt in den Nutzungen werden solche Areale auch als Gewerbe- und Handwerkerparks oder City-Logistik-Konzepte bezeichnet.

Markttrends und Nutzernachfrage
Marktdaten belegen den Trend zu kleinteiligen, flexibel anpassbaren Flächen. Laut Colliers entfielen im ersten Halbjahr 2025 rund 61% aller Neuvermietungen im Industrie- und Logistiksegment auf Einheiten bis 3.000 Quadratmeter. Besonders gefragt sind Standorte, die durch eine urbane Lage, gute Erreichbarkeit für Fachkräfte und kurze Wege zu Kunden und Zulieferern überzeugen.

Zu den Hauptnutzern urban gelegener Gewerbe- und Handwerkerparks zählen überwiegend KMU aus den Bereichen Handwerk, Produktion, City-Logistik, Robotik, Life-Science, E-Mobilität und E-Food. Diese Branchen profitieren von flexiblen, ESG-konformen Flächen, die sich kurzfristig an neue Produktions- und Vertriebsanforderungen sowie wirtschaftlichen Konjunkturzyklen anpassen lassen.

Robustes Segment mit wirtschaftlicher Stabilität
Trotz konjunktureller Unsicherheiten zeigt sich das Segment weitgehend robust. Gewerbe- und Handwerkerparks erzielen gemäß der Marktanalyse von Colliers durchschnittlich rund 9% höhere Mieten als klassische Logistikflächen, Spitzenmieten liegen teils bis zu 17% darüber. Diese Entwicklung resultiert aus der Kombination von Standortqualität, Flächenknappheit und multifunktionaler Nutzung.

Für Investoren bietet die Multi-Tenant-Struktur dieser Assets ein hohes Maß an Risikodiversifizierung: unterschiedliche Branchen, flexible Laufzeiten und anpassbare Grundrisse führen zu stabilen Cashflows und geringen Leerstandsquoten.

Neue Anforderungen an Standort- und Objektqualität
Die Attraktivität eines Gewerbe- und Handwerkerparks bemisst sich heute nicht allein an der Funktionalität der Hallenflächen. Neben Lage und Ausstattung wie effizienten Andienungszonen und moderner Gebäudetechnik zählen zunehmend ökologische und auch soziale Faktoren. E-Mobilitätsinfrastruktur, Photovoltaik, energieeffiziente Bauweisen und begrünte Freiflächen sind zum Standard geworden und wichtige Merkmale bei der Nachhaltigkeitszertifizierung, beispielsweise nach DGNB. Gleichzeitig spielt der Campus-Charakter eine wichtige Rolle: Mieter erwarten ein Arbeitsumfeld, das Aufenthaltsqualität bietet und die Identifikation mit dem Standort stärkt.

In Zeiten von Flächenknappheit und steigenden Grundstückspreisen gewinnen Brownfield-Entwicklungen an Bedeutung. Die Revitalisierung älterer Gewerbeareale ermöglicht es, innerstädtische Lagen wieder wirtschaftlich nutzbar zu machen und gleichzeitig die ESG-Ziele der Investoren zu erfüllen.

Praxisblick
Wie eine kleinteilige Nutzung in Kombination mit einem Built-to-Suit-Objekt funktionieren kann, zeigt der Gewerbe- und Handwerkerpark an der Kurt-Oldenburg-Straße 20 in Hamburg-Jenfeld, welcher von SQUARE PARKS im Joint Venture mit einem Hamburger Family Office entwickelt wurde. Auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen ehemaligen Kasernengelände wurde ein Ensemble von zwei Gebäudeteilen mit insgesamt über 7.600 Quadratmetern Hallen- und knapp 2.000 Quadratmetern Bürofläche errichtet. Der hintere Gebäudeteil beinhaltet sieben flexibel nutzbare Mieteinheiten für Produktion und Lager mit Flächen um jeweils 300 Quadratmetern sowie rund 80 Quadratmeter für eine Büronutzung. Zu den Mietern zählen beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Handel, Pharma und aus dem Arzneigewerbe.

Der zweite Gebäudeteil, ein Built-to-Suit-Objekt mit 5.500 Quadratmetern Hallen- und rund 1.500 Quadratmetern Bürofläche, wird vom Healthcare-Logistiker Servantis und Vivatis Arzneimittel genutzt. Entscheidende Kriterien bei der Standortwahl waren für den Ankermieter und Auftraggeber des Built-to-Suit-Objektes neben der urbanen Lage auch die Aufenthaltsqualität und Nachhaltigkeitsaspekte, insbesondere im Hinblick auf deren Bedeutung als Wettbewerbsfaktor im Kampf um Fachkräfte.

Dank der innerstädtischen Lage und hochwertiger Ausstattungsmerkmale konnten auf dem Areal Mieten zwischen 9,00 und 12,00 Euro je Quadratmeter Hallenfläche und durchschnittlich 13,00 Euro je Quadratmeter für Büroflächen erzielt werden. An diesem Beispiel wird deutlich, dass nachhaltige und urbane Gewerbe- und Handwerkerpark-Standorte nicht mit klassischen Gewerbestandorten in der Peripherie vergleichbar sind, da die meisten Nutzergruppen andere Anforderungen an die Unternehmensstandorte mit sich bringen.

Perspektiven für Investoren
Das Investoreninteresse an (urbanen) Gewerbe- und Handwerkerparks hat in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen, wodurch der gesamte Light-Industrial-Markt deutlich an Transparenz gewonnen hat. Die Verknappung von städtischen Gewerbeflächen sichert stabile Mieten und eine langfristige Wertentwicklung. Gleichzeitig erlaubt die flexible Flächengestaltung eine hohe Drittverwendungsfähigkeit – ein zentraler Faktor für risikoaverse Kapitalanleger.

Institutionelle Investoren und Family Offices beteiligen sich zunehmend im Rahmen von Joint-Venture-Strukturen bereits in frühen Stadien der Projektentwicklungen, um am Upside-Potenzial der Entwicklung zu partizipieren und investorenseitige
Nachhaltigkeitsanforderungen gezielt in die Projektplanung einzubringen. Die Kombination aus Resilienz auf der Nutzerseite, ESG-Konformität und Flächenflexibilität macht Gewerbe- und Handwerkerparks damit zu einer zukunftsfähigen Anlageklasse mit attraktiven Objektrenditen zwischen 6,0% und 8,0%, die sowohl den Anforderungen der Nutzer als auch den Erwartungen des Kapitalmarkts entspricht.

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*) Henning Nietz, Geschäftsführer von SQUARE PARKS