Evergreen-Private-Equity-Fonds können eine schnellere Kapitalallokation, Diversifikation über verschiedene Vintage-Jahre sowie ein einfacheres Management des Private-Equity-Exposures ermöglichen. Der Kompromiss: Regelmäßige Liquiditätsfenster bedeuten keine vollständige Liquidität. Anleger sollten daher nicht nur auf den Rücknahmezyklus achten, sondern auch die Portfolioqualität, Wertschöpfungsquellen und Stärke des Liquiditätsmanagements beurteilen.
Die Liquiditätsherausforderung im traditionellen Private Equity
Geschlossene Private-Equity-Fonds folgen einem klaren Ablauf: Investoren sagen Kapital zu, Fondsmanager investieren dieses über mehrere Jahre, Exits generieren Rückflüsse und Ausschüttungen finanzieren die nächste Fondsgeneration. In Phasen robuster Exit-Märkte lagen die Ausschüttungen globaler Buyout-Fonds häufig zwischen 25% und 35% des Nettoinventarwerts (NAV).
Seit 2022 hat sich dieser Mechanismus deutlich abgeschwächt. Die Ausschüttungen globaler Buyout-Fonds liegen weiterhin unter dem historischen Durchschnitt und betragen weniger als 15% des NAV. Bis 2025 repräsentierten rund 32.000 aktive Buyout-Beteiligungen einen nicht realisierten Wert von etwa 3,8 Billionen US-Dollar. Erhebliches Kapital verbleibt somit in den Portfolios, anstatt an die Investoren zurückzufließen.
Die Ursachen: hohe Preisvorstellungen der Verkäufer, vorsichtige Käufer, weniger Börsengänge und längere Haltedauern. Die durchschnittliche Haltedauer bis zum Exit liegt inzwischen bei rund sieben Jahren; etwa 40% aller Portfoliounternehmen befinden sich bereits seit mehr als fünf Jahren im Bestand. Dies schränkt die Allokationsmöglichkeiten institutioneller Investoren ein, erschwert das Fundraising und erhöht die Nachfrage nach alternativen Liquiditätslösungen.
Secondaries und Private Wealth schließen einen Teil der Lücke
Der Secondaries-Markt hat sich zu einem wichtigen Ventil entwickelt. LP-geführte Transaktionen ermöglichen Investoren den Verkauf ihrer Fondsbeteiligungen vor der Realisierung der Vermögenswerte. GP-geführte Transaktionen – insbesondere Continuation Vehicles – erlauben es Fondsmanagern, attraktive Beteiligungen länger zu halten und bestehenden Investoren gleichzeitig eine Liquiditätsoption anzubieten. Das Volumen von LP- und GP-geführten Secondaries wuchs zwischen 2022 und 2025 mit einer geschätzten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 30%.
Der zweite wesentliche Wachstumstreiber ist das Private-Wealth-Segment. Vermögende Privatpersonen verfügten 2024 über Vermögenswerte von 127 Billionen US-Dollar, das sogenannte Mass Affluent-Segment hielt weitere 100 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Traditionelle institutionelle Investoren verwalteten 117,4 Billionen US-Dollar. Bis 2030 dürfte dieses Private-Wealth-Vermögen auf mehr als 326 Billionen US-Dollar anwachsen.
Dennoch ist dieses Anlegersegment bislang deutlich unterallokiert. Institutionelle Investoren investieren im Schnitt rund 25% ihres Vermögens in alternative Anlagen, Finanzberater dagegen lediglich etwa 5% für ihre Kunden. Nur 31% der Finanzberater setzen überhaupt illiquide alternative Anlagen ein. Zu den größten Hürden zählen Illiquidität, Gebühren, Zugangsbeschränkungen, hohe Mindestanlagesummen sowie der administrative Aufwand, ein Private-Equity-Engagement über mehrere geschlossene Fonds aufrechtzuerhalten.
Private Equity gewinnt zudem an Bedeutung, weil ein wachsender Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung außerhalb der Börsen stattfindet. Viele Unternehmen mit Umsätzen von mehr als 100 Mio. US-Dollar sind nicht börsennotiert, während die Zahl der börsennotierten Unternehmen und Börsengänge rückläufig ist.
Offene Fonds als strategische Brücke
Offene semi-liquide Private-Equity-Fonds adressieren mehrere dieser Herausforderungen im Private-Wealth-Segment. Anleger können fortlaufend investieren, ihr Kapital unmittelbar einzahlen und schneller ein diversifiziertes Private-Equity-Exposure aufbauen als über eine Reihe geschlossener Fonds. Die Portfolios können verschiedene Vintage-Jahre und Transaktionsarten umfassen, während reinvestierte Rückflüsse den langfristigen Vermögensaufbau unterstützen können.
Zugleich reduzieren diese Strukturen den administrativen Aufwand erheblich. Investoren müssen Kapitalabrufe, Ausschüttungen und Wiederanlageentscheidungen nicht mehr über zahlreiche Einzelfonds steuern. Stattdessen übernimmt der Fondsmanager das Kapitalmanagement, die Reinvestition und die Steuerung des Gesamtengagements innerhalb eines kontinuierlich bestehenden Fonds.
Diese Strukturen verbessern zwar den Zugang zu Liquidität, beseitigen die grundsätzlich illiquide Natur von Private Equity jedoch nicht. Rücknahmen sind nur zu festgelegten Zeitpunkten möglich und hängen unter anderem von Kündigungsfristen, Rücknahmebeschränkungen, verfügbarer Liquidität sowie dem Schutz der gesamten Anlegergemeinschaft ab.
Das Wachstum dieses Segments ist beachtlich: Bis September 2025 erreichte der Marktwert von Evergreen-Fonds rund 113 Mrd. US-Dollar. 93% dieses Wachstums entfielen auf den Zeitraum nach 2021.
Vier Kriterien für die Fondsauswahl
Erstens: die Qualität des Dealflows. Ein Fondsmanager muss über ausreichend hochwertige Investitionsmöglichkeiten verfügen, um neue Mittelzuflüsse investieren zu können, ohne Qualitätsstandards zu senken, das Portfolio übermäßig zu diversifizieren oder auf weniger attraktive Opportunitäten auszuweichen. Ein Dealflow aus etablierten Flagship-Fonds zeigt, dass das Wachstum auf einer belastbaren Investitionspipeline basiert.
Zweitens: das Modell der Wertschöpfung. Der Erwerb von Secondaries mit Abschlägen auf den NAV ermöglicht frühzeitig attraktive Renditen – ein Vorteil, der bereits beim Einstieg entsteht. Nachhaltige Wertentwicklung sollte zunehmend aus dem Wachstum der Portfoliounternehmen, operativen Verbesserungen und erfolgreichen Exits stammen. Fonds, die selektiv Secondaries mit Direktinvestitionen, Co-Investments und GP-geführten Single-Asset-Transaktionen kombinieren, sind über verschiedene Zyklen hinweg besser aufgestellt.
Drittens: die Portfoliokonstruktion. Evergreen-Fonds erfordern eine kontinuierliche Steuerung hinsichtlich Unternehmensallokation, geografischer Diversifikation, Vintage-Struktur, Reifegrad, Transaktionsarten, Liquiditätsbedarf und Rücknahmerisiken. Starke Fondsmanager setzen Direktinvestitionen und Secondaries gezielt ein und vermeiden es, Vermögenswerte nur zu erwerben, um Mittelzuflüsse zu investieren.
Viertens: das Liquiditätskonzept. Liquiditätsreserven, Zugang zum Secondaries-Markt, diszipliniertes Kapitalmanagement, transparente Rücknahmeregelungen und eine stabile Investorenbasis sind entscheidend. Häufigere Rücknahmefenster erscheinen attraktiv, erzeugen jedoch bei steigenden Rückgabewünschen zusätzlichen Druck. Vierteljährliche Rücknahmemöglichkeiten bieten einen ausgewogeneren Ansatz, um Mittelabflüsse ohne Notverkäufe zu steuern.
Jüngste Rücknahmebeschränkungen (Gates) bei semi-liquiden Private-Markets-Fonds widerlegen das Modell nicht. Sie verdeutlichen vielmehr die Bedeutung des Begriffs „semi-liquide“. Diese Fonds können den Zugang zu Private Equity erweitern, die grundlegende Illiquidität der Anlageklasse jedoch nicht aufheben. Deshalb sollte sich die Fondsauswahl auf die Qualität des Dealflows, diszipliniertes Wachstum, nachhaltige Wertschöpfung, eine robuste Portfoliokonstruktion und ein überzeugendes Liquiditätskonzept konzentrieren.
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*) Alexandre Falin, Managing Director, Private Equity, und Maria Isabel Vivas, Vice President, Private Equity, beide Sagard
Gastbeitrag: Der Aufstieg von Open-Ended Private Equity - Chancen, Grenzen und Auswahlkriterien im semi-liquiden Markt
Alexandre Falin
Maria Isabel Vivas
