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„Der beste Zeitpunkt für einen Markteinstieg ist dann, wenn viele Investoren noch zögern“

Mit der Bündelung seiner Immobilien-, Infrastruktur- und Natural-Capital-Aktivitäten unter der Marke a.s.r. real assets verfolgt der niederländische Versicherungskonzern ASR ehrgeizige Wachstumspläne. Dabei rückt Deutschland zunehmend in den Fokus. Bereits heute investiert eine Reihe deutscher institutioneller Anleger in die spezialisierten Strategien des Hauses – künftig soll diese Investorenbasis weiter wachsen.

Das Angebot unterscheidet sich dabei bewusst von vielen paneuropäischen Wettbewerbern. Statt breit diversifizierter Multi-Asset-Fonds setzt a.s.r. auf klar definierte Strategien mit Fokus auf den niederländischen Markt – von Wohn- und Büroimmobilien über Einzelhandel bis hin zu Farmland sowie erneuerbaren Energien. Unterstützt wird dieser Ansatz durch die Rolle des Versicherungskonzerns ASR als langfristiger Ankerinvestor in den eigenen Fonds. Im Gespräch mit IPE D.A.CH erläutert CEO Dick Gort, warum er den niederländischen Immobilienmarkt derzeit für besonders attraktiv hält, weshalb gerade vorsichtige Marktphasen häufig die besten Einstiegsmöglichkeiten bieten und welche Rolle Real Assets künftig in institutionellen Portfolios spielen werden.

 

Dick Gort

IPE D.A.CH: Herr Gort, a.s.r. real assets ist als Marke noch vergleichsweise neu. Was hat sich mit der Zusammenführung Ihrer Immobilien- und Infrastrukturaktivitäten für institutionelle Investoren tatsächlich verändert?
Gort: Im Kern haben wir unsere Kompetenzen unter einer gemeinsamen Plattform gebündelt. Immobilien bleiben zwar weiterhin ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäfts, aber unser Investmentuniversum ist inzwischen deutlich breiter. Wir investieren heute unter anderem auch in Solarparks, Windenergie, Batteriespeicher sowie Infrastruktur und internationale Real-Assets-Fonds. Deshalb beschreibt der Begriff „Real Assets“ unser Geschäftsmodell wesentlich besser als „Real Estate“.
Unsere Plattform basiert heute auf vier Säulen. Erstens unserem niederländischen Fondsgeschäft mit spezialisierten Immobilien- und Real-Assets-Fonds. Zweitens dem Separate-Account-Geschäft, in dem wir institutionelle Investoren individuell beim Aufbau ihrer Portfolios begleiten. Drittens unserer Stadtentwicklung mit einem starken Fokus auf Wohnimmobilien. Und viertens unserem Bereich Investment Partners, über den wir weltweit in ausgewählte Real-Assets-Fonds investieren.

IPE D.A.CH: Deutschland ist für Sie ein strategischer Wachstumsmarkt. Warum richtet sich Ihr Blick gerade jetzt verstärkt auf deutsche institutionelle Investoren?
Gort: Deutschland war für uns eigentlich schon immer ein interessanter Markt. Bereits heute investieren deutsche institutionelle Anleger in verschiedene unserer Strategien. Deshalb lag der Gedanke nahe, unsere Aktivitäten auszubauen. Hinzu kommt, dass der niederländische Immobilienmarkt heute interessante Einstiegsmöglichkeiten bietet. Die Niederlande verfügen über einen sehr transparenten und liquiden Markt, der wirtschaftliche Veränderungen oftmals schneller verarbeitet als andere europäische Länder. Nach den Anpassungen der vergangenen Jahre sehen wir inzwischen wieder attraktive Chancen in mehreren Segmenten. Wir glauben deshalb, dass dies ein guter Zeitpunkt ist, deutschen Investoren den niederländischen Markt näherzubringen.

IPE D.A.CH: Warum sollte ein deutsches Versorgungswerk oder eine Pensionskasse überhaupt in den niederländischen Immobilienmarkt investieren?
Gort: Der niederländische Markt ist zwar vergleichsweise klein, aber äußerst professionell organisiert und sehr gut entwickelt. Gleichzeitig bietet er Eigenschaften, die sich deutlich von anderen europäischen Märkten unterscheiden. Einige Investoren verfolgen dabei einen sehr gezielten Ansatz und möchten beispielsweise ausschließlich in niederländische Wohnimmobilien investieren. Andere betrachten ihre Immobilienallokation europaweit oder sogar global. Für beide Ansätze können wir passende Lösungen anbieten. Entscheidend ist immer die jeweilige Anlagestrategie des Investors.

IPE D.A.CH: Wie würden Sie heute den Aufbau eines institutionellen Immobilienportfolios empfehlen?
Gort: Es gibt dafür keine Standardlösung. Zunächst analysieren wir gemeinsam mit dem Investor seine bestehende Allokation, seine Renditeziele, seine Risikobereitschaft und den gewünschten Investmentstil. Erst auf dieser Basis entwickeln wir eine Strategie. Dabei profitieren unsere Kunden von unserer langjährigen Erfahrung. Wir investieren selbst in mehr als 100 Immobilien- und Real-Assets-Fonds weltweit. Dieses Netzwerk ermöglicht uns nicht nur eine sorgfältige Auswahl geeigneter Strategien, sondern häufig auch günstigere Konditionen, als sie einzelne Investoren allein erzielen könnten.

IPE D.A.CH: Viele Investoren agieren weiterhin sehr vorsichtig. Halten Sie den aktuellen Zeitpunkt dennoch für attraktiv?
Gort: Ja, durchaus. Gerade die Zurückhaltung vieler Investoren schafft derzeit attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Wenn Kapital in großem Umfang in einen Markt fließt, steigen Bewertungen meist sehr schnell. Heute erleben wir eher das Gegenteil. Viele Investoren warten noch ab. Genau dadurch entstehen Chancen für langfristig orientierte Anleger. Ich bin überzeugt, dass der beste Zeitpunkt für einen Markteinstieg häufig dann ist, wenn viele Marktteilnehmer noch zögern.

IPE D.A.CH: Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell in Ihren Portfolios?
Gort: Unsere Portfolios entwickeln sich insgesamt sehr stabil. Die Leerstandsquoten bleiben niedrig. Das gilt sowohl für den Büro- als auch für den Einzelhandelsbereich. Die Märkte haben sich nach den starken Anpassungen der vergangenen Jahre zunehmend stabilisiert. Deshalb rechnen wir damit, dass auch das Interesse institutioneller Investoren in den kommenden Quartalen wieder zunimmt.

IPE D.A.CH: Wo unterscheiden sich deutsche und niederländische institutionelle Investoren aus Ihrer Sicht?
Gort: Deutsche Investoren verfügen über außerordentlich viel Erfahrung im Immobilienbereich. Tatsächlich gehörten sie in der Vergangenheit häufig zu den ersten Investoren, die Chancen im niederländischen Markt erkannt haben. Im Moment beobachten wir allerdings eine größere Zurückhaltung. Das dürfte auch mit der schwierigen Situation am deutschen Immobilienmarkt zusammenhängen. Dennoch glaube ich, dass gerade in solchen Marktphasen attraktive Einstiegsmöglichkeiten entstehen.

IPE D.A.CH: Ihre Fonds verfolgen jeweils sehr klar definierte Strategien. Warum verzichten Sie bewusst auf breit diversifizierte Multi-Sektor-Produkte?
Gort: Weil wir überzeugt sind, dass institutionelle Investoren genau wissen möchten, in welches Segment sie investieren. Unser Bürofonds investiert ausschließlich in Immobilien an den wichtigsten Mobilitätsknotenpunkten der Niederlande. Konkret bedeutet das: Wir erwerben nur Objekte innerhalb eines Radius von 750 Metern um große Intercity-Bahnhöfe. Diese Standorte bilden die wirtschaftlichen Zentren der niederländischen Städte und profitieren von umfangreichen öffentlichen Investitionen sowie einer hervorragenden Verkehrsanbindung. Auch unsere anderen Fonds verfolgen eine ebenso klare Strategie. Im Einzelhandel konzentrieren wir uns beispielsweise auf erstklassige High-Street-Lagen sowie dominante Nahversorgungszentren. Diese Fokussierung sorgt für stabile Vermietungsquoten und langfristig attraktive Renditen.

IPE D.A.CH: Besonders interessant erscheint Ihr Farmland-Fonds. Welche Rolle kann Landwirtschaft künftig in institutionellen Portfolios spielen?
Gort: Landwirtschaft unterscheidet sich deutlich von klassischen Immobilieninvestments. Genau deshalb bietet sie interessante Diversifikationseffekte. Unser Farmland-Fonds verfügt über sehr langfristige Pachtverträge mit durchschnittlichen Laufzeiten von mehr als 20 Jahren und über ein breit diversifiziertes Portfolio. Für langfristig orientierte Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen ist das eine ausgesprochen attraktive Kombination aus Stabilität und planbaren Cashflows. Wir investieren bereits seit mehr als 130 Jahren in dieses Segment. Entsprechend groß ist unsere Erfahrung.

IPE D.A.CH: Neben Farmland investieren Sie auch in erneuerbare Energien und Batteriespeicher. Welche Rolle werden Real Assets künftig insgesamt spielen?
Gort: Ich bin überzeugt, dass Real Assets in institutionellen Portfolios weiter an Bedeutung gewinnen werden. Investoren suchen heute nicht nur stabile Erträge und Diversifikation, sondern zunehmend auch Investments mit messbarer Wirkung. Infrastruktur, erneuerbare Energien oder Natural Capital werden deshalb künftig eine noch größere Rolle spielen. Entscheidend bleibt allerdings die Qualität des Managements. Gerade bei illiquiden Anlagen kommt es darauf an, über die notwendige Erfahrung und die richtigen Strukturen zu verfügen.

IPE D.A.CH: Wann würden Sie Ihre Deutschlandstrategie in einigen Jahren als Erfolg betrachten?
Gort: Natürlich möchten wir neue Investoren gewinnen. Aber Erfolg bedeutet für uns mehr als nur Kapitalzuflüsse. Ich wäre bereits zufrieden, wenn wir in einigen Jahren stärker auf dem Radar deutscher institutioneller Investoren stehen und bei Überlegungen zum niederländischen Markt oder zu internationalen Real Assets selbstverständlich mit in Betracht gezogen werden. Heute betreuen wir bereits rund 40 institutionelle Investoren aus Europa und Asien. Dieses Netzwerk möchten wir weiter ausbauen und unseren Kunden den Austausch untereinander ermöglichen. Langfristige Partnerschaften stehen dabei für uns klar im Vordergrund.

IPE D.A.CH: Vielen Dank für die Einblicke!