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Affäre weitet sich aus: Ermittler durchsuchen auch Bayerische Versorgungskammer

Nach der Durchsuchung bei der Deutsche Finance Group haben Ermittler der Staatsanwaltschaft München I nun auch Geschäftsräume der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) durchsucht. Hintergrund sind Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit verlustreichen US-Immobilieninvestments. Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere Personen aus dem Umfeld beider Organisationen.

Eines der "Streitobjekte", die Transamerica Pyramid in San Francisco (Bildrechte: Frank Schnattinger)

Die Affäre um die US-Immobilieninvestments der Bayerischen Versorgungskammer hat eine neue Dimension erreicht. Nachdem Ermittler am Dienstag, 3. November, bereits die Geschäftsräume der Deutsche Finance Group in München durchsucht hatten, folgte am Donnerstag den 5. November eine Durchsuchung am Sitz der BVK.

Wie die Staatsanwaltschaft München I inzwischen mitteilte, ermittelt sie wegen des Verdachts von Korruptionsstraftaten im Zusammenhang mit sieben Immobilienprojekten in New York, Miami Beach, Beverly Hills, Chicago und San Francisco. Die BVK hatte diese Investments unter Einbindung der Deutsche Finance Group getätigt.

An den Durchsuchungen waren insgesamt rund 100 Beamte verschiedener Polizeibehörden sowie sechs Staatsanwälte beteiligt. Neben den Geschäftsräumen wurden auch drei Privatwohnungen in München und Umgebung durchsucht. Dabei stellten die Ermittler umfangreiche Unterlagen und digitale Datenträger sicher.

Verdacht auf unzulässige Vorteile
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richtet sich das Verfahren unter anderem gegen einen aktuellen und einen ehemaligen Mitarbeiter der Immobilienabteilung der BVK sowie gegen ein Mitglied des Managements der Deutsche Finance Group.

Im Mittelpunkt steht der Verdacht, dass ein BVK-Mitarbeiter sachwidrig Einfluss auf Immobilieninvestitionen und spätere Kapitalnachschüsse genommen haben könnte. Im Gegenzug soll er von einem Manager der Deutsche Finance Group persönliche Vorteile erhalten haben.

Dabei soll es unter anderem um Einladungen in hochpreisige Restaurants in München, London, Los Angeles und New York sowie um Übernachtungen in einer Suite eines New Yorker Luxushotels gegangen sein.

Ob sich diese Vorwürfe bestätigen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Für sämtliche Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

BVK hatte selbst Hinweise an die Staatsanwaltschaft gegeben
Bemerkenswert ist, dass die BVK die Ermittlungsbehörden bereits 2025 auf mögliche Compliance-Verstöße aufmerksam gemacht hatte. Hintergrund waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hinweise auf problematische persönliche Näheverhältnisse zwischen Beteiligten.

Die Versorgungskammer bestätigte die Durchsuchung ihrer Geschäftsräume. Sie betonte zugleich, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die BVK als Institution richteten und man die Behörden bei der Aufklärung umfassend unterstütze.

Nach Darstellung der BVK handelt es sich bei den betroffenen Personen auf ihrer Seite um zwei ehemalige Mitarbeiter. Einer habe das Unternehmen bereits verlassen, dem anderen sei vor längerer Zeit gekündigt worden.

Bis zu 853 Mio. Euro Verlustpotenzial
Die strafrechtlichen Ermittlungen treffen auf einen bereits seit längerem bestehenden Konflikt um die wirtschaftlichen Folgen der US-Immobilieninvestments.

Die BVK hatte rund 1,6 Mrd. Euro über Fondsstrukturen der Deutsche Finance in amerikanische Immobilienprojekte investiert. Zu den bekanntesten Objekten gehört die Transamerica Pyramid in San Francisco.

Nach Angaben der BVK beläuft sich das mögliche Verlustvolumen auf bis zu 853 Mio. Euro. Davon waren zum Jahresende 2025 auf Ebene der Zielfonds bereits rund 392 Mio. Euro realisiert.

Parallel dazu streiten die BVK und die Deutsche Finance Group über die Verantwortung für die fehlgeschlagenen Investments. Deutsche Finance hat im US-Bundesstaat Delaware Klage gegen die Versorgungskammer eingereicht und weist deren Darstellung der Verantwortlichkeiten zurück. Die BVK wiederum bestreitet die Ansprüche der Deutsche Finance.

Die Staatsanwaltschaft hat klargestellt, dass mögliche Untreuevorwürfe im Zusammenhang mit den Investmentverlusten bislang nicht Gegenstand des laufenden Strafverfahrens sind.

Fragen zur Governance institutioneller Immobilienanlagen
Für den institutionellen Kapitalanlagemarkt rückt mit den jüngsten Entwicklungen neben den finanziellen Verlusten insbesondere die Kontrolle komplexer Investmentstrukturen in den Mittelpunkt.

Die Vorgänge werfen grundsätzliche Fragen zur Überwachung externer Asset Manager, zu möglichen Interessenkonflikten sowie zu internen Entscheidungs- und Kontrollprozessen bei großvolumigen Immobilieninvestments auf.

Die BVK verwaltet für zwölf berufsständische und kommunale Versorgungseinrichtungen Vermögenswerte von rund 120 Mrd. Euro. Entsprechend groß ist die Bedeutung einer umfassenden Aufklärung für die betroffenen Versorgungswerke und ihre Mitglieder.

Die Auswertung der bei den Durchsuchungen sichergestellten Unterlagen dürfte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft noch Wochen oder Monate in Anspruch nehmen. Wann mit weiteren Ermittlungsergebnissen zu rechnen ist, bleibt offen.

IPE D.A.CH hatte bereits am 4. November über die Durchsuchung bei der Deutsche Finance Group berichtet.