Foundation | Welcome

Menu


Experten beunruhigt über Liquiditäts-„Versuchung” aus Pfandbriefen

Unsicherheiten über neuen EZB-Stresstest; neuer Rekord bei Covered Bonds im Q1

Banken könnten von der EZB aufgefordert werden, in einem neuen Stresstest anzugeben, wieviel Liquidität sie aus übersicherten Pfandbriefen und ähnlichen Covered Bonds generieren könnten – und das beunruhigt Experten.

In einer „Methodological Note“ über die neuen Informationsbestimmungen im Banken-Stresstest, will die Europäische Zentralbank (im Absatz 196) von den Banken folgendes wissen: „Den geschätzten Nominalwert von zusätzlichen Pfandbriefen, die aus Vermögen generiert werden könnten, die bereits in Covered Bonds Besicherungspools mobilisiert wurden“.

Darüber hinaus soll daraus die „erwartete zusätzliche Liquidität“ abgeleitet werden unter der Annahme, dass solche zusätzlichen Covered Bonds in Finanzierungsvorhaben der Zentralbanken einbehalten und belastet werden.

Die deutsche Ratingagentur Scope befürchtet, dass diese Informationsvorschrift belegt, dass die EZB „nur auf die Überlebensfähigkeit der Banken konzentriert ist“ und so „die Kreditstärke gefährdet“, die sich aus dem dualen Regressanspruch ergibt, der Pfandbriefen zugrunde liegt.

„Investoren wird der Schirm der starken Deckungsstütze und der hohen Überkapitalisierung entzogen, in dem Moment, wenn es zu regnen beginnt“, so Karlo Fuchs, Leiter Covered Bonds bei Scope Ratings, in einem Kommentar.

Eberhard Schwarz, der Vertreter der Schweizer Beratungsfirma Complementa in Deutschland, teilt diese Befürchtungen. Er sagte gegenüber IPE, dass die von Scope vorgebrachte Kritik „nicht uninteressant sei“, weil sie auf eine Problematik abzielt, die sich bei einer Marktabschwächung ergibt: „Banken könnten in Versuchung geraten, bestehende Pfandmasse aus dem Deckungspool zu entnehmen, um ihre Liquidität in Krisensituationen zu erhöhen.“

Fuchs betonte: „Eine Maximierung der Liquidität einer Bank mit Covered Bonds kann das Risikoprofil von Covered Bonds rasch und signifikant abändern.“

Pfandbriefe sind schon sehr lange eine wichtige Investitionsform für institutionelle Anleger. Besonders in Deutschland machen sie einen deutlichen Anteil von institutionellen Portfolien aus.

Scope bestätigte gegenüber unserer Redaktion, dass ihre Kritik auch dann gelte, wenn die EZB die Informationspflichten nur auf neu auszugebende Pfandbriefe anwenden will.

Der Ansatz der Notenbank sende „ein falsches Signal“, so Fuchs. Die Reduzierung der Überkapitalisierung auf das gesetzliche Minimum könnte Investoren dazu veranlassen, höhere Risikoprämien zu fordern, wenn sie wissen, dass Aufsichtsbehörden nichts dagegen haben, dass die Pfandbrief-Emittenten bestehende Sicherungsrahmen verwässern.

Schwarz schlägt vor, dieses Element völlig aus dem Stresstest herauszuhalten.

Harmonisierte Covered Bonds
Unterdessen hat das EU-Parlament die Basis für die Harmonisierung der Emission von Covered Bonds in Europa gelegt.

Bis 2023 werden alle Pfandbriefe und ähnliche Produkte in Europa einander ähnlicher sein, als sie das heute sind.

Allerdings wird es weiterhin nationale Unterschiede in der Befüllung der Deckungspools geben, um den unterschiedlichen Anlegerinteressen gerecht zu werden, wie Scope festhielt.

Es bleibt auch noch abzuwarten, wie detailliert die EU die Minimum-Qualitätskriterien für die Bedeckung definiert.

Darüber macht sich Schwarz jedoch weniger Sorgen, weil die EU in dieser neuen Gesetzgebung „einige Anleihen beim deutschen Pfandbrief-Gesetz“ genommen habe.

Scope erwartet auch keine Marktverzerrungen nach der Implementierung, obwohl durch die Harmonisierung in allen Covered-Bonds-Gesetzgebungen Anpassungen vorgenommen werden müssen. Aber der Zeitrahmen sei ausreichend für einen geordneten Übergang.

Schwarz ist überzeugt, dass Covered Bonds jetzt einen internationaleren Anspruch haben und dass ein regulatorischer Rahmen, der mehr Standardisierung bringt, den Markt und das Diversifikationspotential erweitert.

Aber er betonte, dass Investoren nicht nur immer die Überdeckung von Covered Bonds genau prüfen müssen, sondern auch den Inhalt des Deckungspools.

Für das erste Quartal 2019 wies Scope einen neuen Rekordwert bei der Emission von Covered Bonds in Europa aus. Das Volumen belief sich auf 60 Mrd. Euro und ist das höchste für Neu-Emissionen seit 2012.

Neue Emittenten umfassten sowohl altbekannte Namen, als auch „exotischere“ Anbieter, so hielt Scope fest.

Unter letzteren fanden sich etwa der erste Benchmark-Covered-Bond der Slowakei oder mit Schiffen bedeckte Pfandbriefe aus Dänemark. Darüber hinaus identifizierte die Rating-Agentur ein „stetiges Tröpfeln“ an ESG-Pfandbriefen.

Link zur „Methodololical Note“ der EZB (auf Englisch).

Link zum Kommentar von Scope (auf Englisch).