Foundation | Welcome

Menu


Invesco-Studie: Staatsfonds und Zentralbanken setzen stärker auf Resilienz und Diversifikation

Für staatliche Investoren gewinnt Resilienz im Portfolioaufbau zunehmend an Bedeutung. Das geht aus der 14. Global Sovereign Asset Management Study von Invesco hervor, für die 90 Staatsfonds und 54 Zentralbanken mit einem verwalteten Vermögen von zusammen rund 29 Billionen US-Dollar befragt wurden. Demnach rücken neben Rendite verstärkt Diversifikation, geopolitische Widerstandsfähigkeit und operative Robustheit in den Mittelpunkt der Anlagestrategien.

Nach Angaben von Invesco bewerten 71% der Zentralbanken und 54% der Staatsfonds die Resilienz ihrer Portfolios inzwischen als ebenso wichtig wie die Rendite. Entsprechend gewinnen Instrumente wie Konzentrationsanalysen und Szenariotests an Bedeutung. Gleichzeitig überprüfen zahlreiche Institutionen ihre Abhängigkeit von Verwahrstellen, Gegenparteien und Marktinfrastrukturen – insbesondere in den USA.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, einer höheren Inflation und zunehmender Marktunsicherheit fließt Kapital verstärkt in Anlageklassen, die sowohl Stabilität als auch langfristiges Ertragspotenzial versprechen. Als besonders attraktiv gelten Investitionen in Energieinfrastruktur und Projekte der Energiewende. Laut Studie sehen 80% der befragten staatlichen Investoren in diesem Bereich das wichtigste Resilienzthema. Zusätzliche Impulse erwarten sie durch den Ausbau der Infrastruktur für Anwendungen der künstlichen Intelligenz, insbesondere bei Stromversorgung und Rechenzentren.

Infrastruktur baut Vorsprung unter den Private Markets aus
Im Bereich der alternativen Anlagen bleibt Infrastruktur die dynamischste Anlageklasse. Der Anteil von Infrastrukturinvestments in den Portfolios der Staatsfonds stieg laut Invesco innerhalb von fünf Jahren von 4,9% auf 9,0% des Gesamtvermögens. Auch Private Credit zählt zu den bevorzugten Zielsegmenten für künftige Kapitalallokationen.

Gleichzeitig fällt es vielen Institutionen zunehmend schwer, ihre langfristigen Anlageziele konsequent umzusetzen. So geben 39% der Staatsfonds an, dass ihr tatsächlicher Anlagehorizont inzwischen kürzer ausfällt als ursprünglich angestrebt.

ETFs gewinnen an Bedeutung
Auch börsengehandelte Fonds spielen in staatlichen Portfolios eine wachsende Rolle. Inzwischen investieren 39% der befragten Institutionen in ETFs. Allerdings unterscheiden sich die Einsatzgebiete deutlich: Während Zentralbanken ETFs vor allem für den strategischen Zugang zu bestimmten Anlageklassen nutzen, setzen Staatsfonds sie überwiegend für taktische Asset Allocation sowie das Liquiditätsmanagement ein.

Aktiv gemanagte ETFs befinden sich dagegen noch in einer frühen Phase der Akzeptanz. Derzeit investieren lediglich sieben Prozent der Staatsfonds in entsprechende Strategien, weitere 26% prüfen einen Einstieg.

KI eröffnet Chancen – birgt aber Konzentrationsrisiken
Künstliche Intelligenz wird von der überwiegenden Mehrheit der staatlichen Investoren als langfristiger struktureller Wachstumstreiber eingeschätzt. 77% der Befragten erwarten, dass KI über Jahrzehnte hinweg erhebliche wirtschaftliche Impulse liefern wird.

Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge über die zunehmende Konzentration an den Kapitalmärkten. Mehr als die Hälfte der Staatsfonds (52%) betrachtet die hohe Gewichtung weniger Unternehmen im KI-Sektor als wesentliches Portfoliorisiko. Neben Investitionen in KI-nahe Infrastruktur nutzen staatliche Investoren künstliche Intelligenz zunehmend auch intern. Bereits 69% setzen KI heute im Investmentprozess ein – mehr als doppelt so viele wie noch 2024.

Zentralbanken diversifizieren ihre Reserven
Auch im Reservemanagement der Zentralbanken zeichnen sich strukturelle Veränderungen ab. Neben Staatsanleihen gewinnen Aktien, Unternehmensanleihen und inflationsgeschützte Wertpapiere an Bedeutung. Gleichzeitig nimmt die Skepsis gegenüber der langfristigen Dominanz des US-Dollars zu. 61% der befragten Zentralbanken sehen die hohe US-Staatsverschuldung als Risiko für dessen Status als globale Reservewährung – gegenüber lediglich 20% zwei Jahre zuvor.

Von dieser Entwicklung profitiert nach Einschätzung von Invesco insbesondere Gold. Mehr als ein Drittel der Zentralbanken plant, die Goldreserven in den kommenden drei Jahren weiter auszubauen. Als wichtigste Gründe werden Inflationsschutz sowie die Absicherung gegen geopolitische Risiken genannt.

Einordnung
Die Ergebnisse spiegeln einen Trend wider, der auch bei vielen institutionellen Investoren außerhalb des staatlichen Sektors zu beobachten ist. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, einer stärkeren Fragmentierung der Weltwirtschaft und hoher Bewertungen an den Aktienmärkten gewinnen Diversifikation, Infrastrukturinvestments, Private Markets und alternative Liquiditätsquellen zunehmend an strategischer Bedeutung.