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Institutionelle Anleger und ihre aktuellen Strategien

Diversifikation und Rebalancing waren, sind und bleiben die Waffen, die Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge gegen Volatilität und für langfristige Anlagen einsetzen – das bestätigen auch dieses Jahr wieder Gespräche von IPE D.A.CH mit institutionellen Marktteilnehmern.

Frank Oliver Paschen

Achim Kern

Christoph Ryter

Christian Zeidler

Was ist die Amtszeit eines Präsidenten im Vergleich mit dem Anlagehorizont von Altersvorsorgeeinrichtungen von 30 oder mehr Jahren?

„Volatilität gab es aber schon immer und ehrlicherweise ist man mit Berufserfahrung, Reporting und viel umfassenderer Nachrichtenmenge und -geschwindigkeit heutzutage besser in der Einschätzung als früher“, sagt etwa Frank Oliver Paschen, seit 2018 Vorstandsmitglied der Pensionskasse der Hamburger Hochbahn Aktiengesellschaft. „Tägliche Auswertungen, Live-Kurse, Zugang zu den Asset Managern und ein selbst gewonnenes Weltbild lassen mich ruhig schlafen.“

Wer, wie etwa Christoph Ryter, Geschäftsführer der Pensionskasse des Schweizer Lebensmittelkonzerns Migros, schon ein paar Jahre in der langfristigen Anlagewelt der Altersvorsorge unterwegs ist, der hat auch schon ein paar Krisen mitgemacht: „Wir sind bescheiden in Bezug auf unsere Prognosefähigkeit zu den einzelnen Anlagekategorien. Das war aber schon so beim Platzen der Dotcom-Bubble 2001/2002, der Finanzkrise 2008, der Euro-Schuldenkrise 2011, der Einführung von Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank 2015, der Corona-Krise 2020 oder dem Einbruch der Finanzmärkte wegen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine 2022.“ Sein Fazit: „Ein Fehler wäre sicher gewesen, nach diesen Einbrüchen nicht an den Finanzmärkten investiert zu sein.“

Poul Thybo, Head of Investment der österreichischen APK, sieht derzeit sogar eine etwas höhere „Berechenbarkeit der Märkte im Vergleich zu früheren Krisenzyklen“. Auch die Notenbanken habe jetzt bessere Lösungsmechanismen als bei früheren Finanzkrisen. Sicher sei aber, dass in einem Inflationsszenario Geld an Wert verliere und deshalb Sachwerte, wie Aktien, immer wichtiger werden. „Entgegen der gängigen Wahrnehmung ist die Volatilität an den Aktienmärkten im historischen Vergleich nicht außergewöhnlich hoch, und das globale Umfeld ist nicht zwangsläufig von mehr Unsicherheiten geprägt als in vergangenen Dekaden“, zeigt sich Thybo überzeugt.

Strategisch Denken
Für Christian Zeidler, CFO der Bosch Pensionsfonds AG, steht fest: „Das Marktumfeld für Aktienanlagen ist zweifellos anspruchsvoller geworden. Wir sehen heute eine Vielzahl von Faktoren, die gleichzeitig wirken: geopolitische Unsicherheiten, ein grundlegend verändertes Zinsumfeld, inflationäre Tendenzen und eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft.“

Umso wichtiger sei es daher „sich nicht von kurzfristiger Volatilität beirren zu lassen“ und eine Strategie zu haben, die sich über lange Jahre bewährt habe. „Dieser strategische Kompass gibt uns Orientierung und erlaubt es uns, auch in herausfordernden Phasen Kurs zu halten und fundierte Entscheidungen zu treffen, anstatt auf jede Marktbewegung überreagieren zu müssen“, so Zeidler.

Für das Versorgungswerk der Wirtschaftsprüfer (WPV) setzt Achim Kern, Head of Liquid Assets (Equity/Credit) der WPV Advisory & Asset Management, ebenfalls auf Prinzipien und Disziplin: „In Phasen erhöhter Marktvolatilität zeigt sich auch immer wieder, dass die Ausrichtung an strategischen Quoten und ein diszipliniertes Rebalancing durch Krisen hindurch zu deutlich besseren Ergebnissen führen.“

Unterschiedliche Vorlieben
Trotz der Übereinstimmung, wenn es um langfristiges, strategisches Denken geht, sind Altersvorsorgeeinrichtungen teilweise völlig unterschiedlich in ihren Aktienanlagen aufgestellt.

Das WPV, das derzeit rund 6 Mrd. Euro verwaltet, setzt „überwiegend auf breit diversifizierte, regionale OGAW Publikumsfonds in meist institutionellen Anteilsklassen, ergänzt durch ausgewählte ETFs. „Die Bündelung in einem zentralen Masterfonds reduziert Komplexität, stärkt Governance und vermeidet Abhängigkeiten von segmentierten Spezialfondsstrukturen“, erläutert Kern.

Der Bosch Pensionsfonds verfolgt zwar einen globalen Ansatz, diversifiziert das 8 Mrd. Euro Portfolio „jedoch primär über regionale Segmente und verschiedene Anlagestile“, so Zeidler. „Eine Besonderheit, die uns von einigen anderen Marktteilnehmern unterscheidet, ist unser klarer strategischer Fokus auf europäische Aktien. Infolgedessen ist unsere Quote für US-Aktien niedriger als die jeweilige Gewichtung in globalen Indizes.“

Die Pensionskasse der Hamburger Hochbahn AG, mit einem verwalteten Vermögen von 650 Mio. Euro, hält eine Aktienexposure von fast 30%. Dazu erläutert Paschen: „Wir sind trotz der damit verbundenen Kosten Freunde des aktiven Kapitalanlagenmanagements.“ Wichtig für Paschen ist, dass das über Immobilien, Rohstoffe, Aktien und Anleihen diversifizierte „Gesamtportfolio Volatilität aushält“ und genug Risikokapital für Verwerfungen vorhanden ist. Paschen ergänzt, dass alle Anlagen „ohne Overlay“ funktionieren, „sondern schlichtweg diversifiziert mit verschiedenen Schwerpunkten“.

Die Migros Pensionskasse setzt dagegen auf „Farbtupfer“. So nennt Ryter die Satellitenanlage wie Aktien Small- und Midcap, Emerging Markets Aktien und Dividendenstrategien, die etwa 7% des Portfolios von insgesamt 30 Mrd. Schweizer Franken (rund 32,3 Mrd. Euro) ausmachen. Der Core-Ansatz besteht aus Aktien Schweiz (7%) und Aktien Ausland (16%). „Alle Mandate werden an einer definierten Benchmark gemessen, wobei generell bei der Selektion der Einzeltitel ESG-Kriterien berücksichtigt werden,“ erläutert Ryter.

Bei der APK, die 6,8 Mrd. Euro verwaltet, bewegt sich die strategische Aktienquote – je nach Risikoprofil – zwischen 20% und 40%, aufgeteilt auf zwei Fondsebenen. Dazu erläutert Thybo: „Der Hauptaktienfonds kombiniert aktive und passive Strategien auf Subfonds-Ebene. Im zweiten Dachfonds werden ausschließlich passive Instrumente eingesetzt. Der Einsatz passiver Produkte gewährleistet dabei eine hohe Agilität, um effizient auf aktuelle Markttrends reagieren zu können.“

bAV ist kein Aktienfonds
Es ist vorhersehbar: Wenn die Aktienmärkte besonders gut abgeschnitten haben, können sich Altersvorsorge-Einrichtungen in der D.A.CH-Region anhören, dass sie schlechter abgeschnitten haben als „der Kapitalmarkt“. In Zeiten von Börseneinbrüchen wird oft gar nicht auf die betriebliche Altersvorsorge (bAV) verwiesen.

Deshalb ist es nicht nur dem WPV wichtig zu betonen: „Ein Versorgungswerk verfolgt einen anderen Auftrag als ein reiner Aktienfonds“, so Kern. „Aktien sind ein wichtiger Baustein, aber immer eingebettet in ein breit diversifiziertes Gefüge.“ Dieses ist „auf langfristige Erfüllbarkeit von Renten- und Leistungszusagen ausgerichtet“ sowie die „verlässliche Absicherung der Leistungsversprechen im Rahmen der Risikotragfähigkeit des Versorgungswerks.“

Auch Zeidler betont: „Die wachsende Bedeutung der betrieblichen Altersvorsorge rückt die große Verantwortung, die wir tragen, noch stärker in den Fokus. Unsere feste Überzeugung ist daher, weniger zu versuchen, den Markt kurzfristig vorherzusagen, sondern unsere ganze Kraft darauf zu verwenden, eine Anlagestruktur zu schaffen, die über Jahrzehnte hinweg stabil und verlässlich ist.“

Der vorliegende Beitrag erschien erstmals im IPE D.A.CH Asset Management Guide 2026. Weitere Informationen zum Guide sowie Bestellmöglichkeiten finden Sie hier.