IPE D.A.CH: Wie beurteilen Sie die Ergebnisse der 2025 NACUBO Commonfund Study of Endowments?
Friedrich: Die NACUBO ist die Dachorganisation und Interessensvertretung der US-amerikanischen Universitäten. Deren Stiftungen – besser als Endowments bekannt – sind strategisch wichtige Kapitalreserven, welche zugleich Wertsicherung für künftige Generationen und Ausschüttungen für den laufenden Hochschulbetrieb bereitstellen. Die jährliche Umfrage hinsichtlich der Investmenterträge und -strategien dieser Bildungseinrichtungen ist vor allem im eigenen Interesse der über 650 Mitglieder dieser Vereinigung. Sie ermöglicht ein unabhängiges Benchmarking der Investmentresultate und zeigt Trends in der Industrie auf. Dies ist auch für uns wichtig, denn wir versuchen, die Alleinstellungsmerkmale dieses in Europa sonst nicht zugänglichen Anlagestils mit liquiden Instrumenten nachzubilden.
Die jüngste, im Februar veröffentlichte Studie zeigt drei interessante Entwicklungen auf. Zum einen haben die großen und größten Endowments wieder den Spitzenplatz in der Hackordnung der Erträge zurückgewonnen, nachdem die extreme Aktienrallye in den beiden Vorjahren kleineren Endowments, welche höhere Anteile am S&P 500 halten, einen vorübergehenden Vorteil verschafft hatte.
Zweitens zeigt sich, dass Private-Equity-Allokationen bei den größten Institutionen auf hohem Niveau stagnieren, bei mittleren und kleinen Endowments jedoch wieder abnehmen. Drittens finden wir es bemerkenswert, dass Zuwendungen um rund 9% zurückgegangen sind, was jedoch ausschließlich auf die großen Endowments zurückzuführen ist. Einrichtungen mit einem Vermögen unter 1 Mrd. US-Dollar verzeichneten nämlich eine weitere Zunahme der Spendentätigkeit. Über die Gründe für diese Entwicklung können wir nur spekulieren; es könnte aber zum Beispiel sein, dass die politischen Attacken der aktuellen Regierung auf einige Universitäten manche Spender scheu gemacht haben.
Im Ergebnis können wir zusammenfassen, dass in einer Zeit, wo die Kosten der Universitäten rascher steigen als die Einnahmen, die Abhängigkeit von den eigenen Kapitalreserven noch weiter zunimmt. Deshalb überrascht es nicht, dass die durchschnittlichen Ausschüttungen weiter erhöht wurden und mittlerweile einen Wert von jährlich fast 5,0% erreicht haben. Dies bedeutet wiederum, dass die Leistungsfähigkeit der Investmentstrategien in den kommenden Jahren auf eine harte Probe gestellt wird.
IPE D.A.CH: Welche Rolle spielt bei Ihrem Ansatz die strategische Asset Allocation im Vergleich zu taktischen Entscheidungen? Wo entsteht der eigentliche Mehrwert?
Friedrich: Es mag sie überraschen, aber beim Anlagestil von Großinvestoren wie Stiftungen stehen taktische Wetten nicht im Fokus. Es geht vielmehr darum, erstens ausreichend Risiko zu nehmen, um langfristig die angestrebten Erträge darstellen zu können – und zweitens, durch Diversifikation ein Maximum an Portfolioeffizienz darzustellen. Das schaffen Sie vor allem durch strategische Asset Allokation in Kombination mit rigorosem Risikomanagement.
Auch in unserer Strategie entsteht der hauptsächliche Mehrwert in der langfristigen Asset Allokation, welche im zeitlichen Verlauf monatlich rebalanciert und dadurch stabil gehalten wird. Dabei stellen wir zusätzlich taktische Neigungen in das Portfolio, welche zwar ebenfalls Zusatzerträge liefern, aber im Gesamtkontext eine untergeordnete Rolle spielen. Wichtiger als die Taktik ist hingegen die Umsetzung im Portfolio: Denn die strategische Allokation wird mit Hilfe von Assetklassen-Indizes errechnet, welche direkt nicht investierbar sind. Zudem sind nicht in allen Anlageklassen passive Strategien verfügbar. Wir verbringen deshalb sehr viel Zeit mit der richtigen Auswahl und Kombination von aktiven Fondsprodukten, mit dem Ergebnis, dass wir auch durch die Managerselektion einen zusätzlichen Mehrwert für unsere Investoren schaffen.
IPE D.A.CH: Auf der anderen Seite, worin bestehen die Nachteile des Endowment Ansatzes?
Friedrich: Ein wesentlicher Eckpfeiler der von Endowments verfolgten Strategie besteht darin, Kapitalmarktrisiken bewusst zu akzeptieren, um dadurch langfristig ausreichend hohe Erträge zu erwirtschaften. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch in unvorteilhaftem Umfeld – also in Verlustphasen – investiert zu bleiben. Unsere Investmentphilosophie verwendet aus diesem Grund keine Stop-Loss-Limits und investiert in keinerlei kapitalgarantierte Produkte. Auch bei der Berechnung von Risikoparametern fokussieren wir bewusst auf längerfristige Kennzahlen. Obwohl die starke Diversifikation von Endowment-Portfolios die Verlustneigung mittel- und langfristig reduziert, können bei plötzlichen Einbrüchen dadurch auch die Benchmark überschießende Verluste entstehen. Dies ist zum Beispiel im März 2020 geschehen. Um es klar zu nennen: Es handelte sich um vorübergehende Verluste. Aber kurzfristig sind natürlich auch solche Episoden stets schmerzhaft.
IPE D.A.CH: Welche Assetklassen stehen für Sie aktuell im Vordergrund des Interesses?
Friedrich: Es ist das Wesentliche eines gut ausbalancierten Portfolios, dass eigentlich keine einzelne Assetklasse den Charakter des Vehikels prägt. Wir verfolgen ein mittleres Risikoprofil, welches durch einen hälftig aus Aktien und Anleihen entwickelter Märkte zusammengesetzten Index approximiert werden kann.
Aufgrund der von uns ermittelten Ertrags- und Risikoeigenschaften der 17 im Einsatz stehenden Assetklassen ergibt sich ein Ergebnisportfolio, welches sehr international geprägt ist. Aktien der Eurozone finden sich zum Beispiel nur mit einer niedrigen einstelligen Allokation wieder. Dafür finden sich durchgerechnet rund 150 Länder im Portfolio repräsentiert. Rund 30% des Portfolios sind auf diese Art in Schwellen- und Frontiermärkten angesiedelt, wobei sich in diesem Teil unseres Fonds doppelt so viele Anleihen- wie Aktienfonds befinden.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sind Katastrophenanleihen, welche mit einer Allokation von 10-15% einen nicht unwesentlichen Portfoliobestandteil darstellen. Es handelt sich um eine ertragsstarke und dekorrelierte Anlageform, welche allerdings von vielen Anlegern gemieden wird. Der Grund dafür sind unregelmäßig auftretende, aber sehr plötzliche Verluste, welche heftig sein können und deshalb Unbehagen bereiten. Für uns ergibt sich daraus eine Chance.
IPE D.A.CH: Vor welchen Herausforderungen stehen Stiftungen und Family Offices in diesem Jahr?
Friedrich: Für 2026 sehen wir sowohl Chancen als auch Risiken. In Summe überwiegen wahrscheinlich letztere, weshalb wir auch im Augenblick eher defensiv positioniert sind. Die Herausforderungen sind mannigfaltig: Zum Beispiel messen wir – ähnlich wie seit 2022 – eine positive Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. Dies ist ein klassisches Kennzeichen eines stagflationären makroökonomischen Regimes, in dem wir uns zurzeit befinden. Die Situation wird dadurch erschwert, dass in den letzten Monaten auch Gold begonnen hat, im Gleichschritt mit Aktien zu schwanken. Ein weiteres Problem stellen die enormen Konzentrationsrisiken dar, welche in Aktienmärkten lauern. Die größten 10 Titel im S&P 500 machen bereits fast 40% der Kapitalisierung aus. Technologie und soziale Medien dominieren nicht nur die Narrative, sondern auch die Investmentportfolios der meisten Anleger.
Diese Dominanz des Technologiesektors ist übrigens keineswegs auf liquide Anlagen beschränkt: Aus einer aktuellen Studie von JP Morgan geht hervor, dass die Gewichtung von Technologie bei Private Equity oder Private Credit Anlagen ebenfalls zwischen 35% und 40% liegt und damit die Exponierung des S&P sogar noch übertrifft. Ich denke daher, dass das Ziel einer effektiven Diversifikation eine der schwierigsten, aber auch wichtigsten Aufgaben für die Investmentverantwortlichen darstellt.
IPE D.A.CH: Über welche Themen werden Sie am 12. Mai in Frankfurt sprechen?
Friedrich: Wir werden einerseits die bereits diskutierten Inhalte vertiefen, und ich werde zeigen, wie wir die Aufgabe der Diversifikation zu lösen versuchen. Zusätzlich wurde ich eingeladen, am Nachmittag im Rahmen einer Panel-Diskussion über die Herausforderungen der künstlichen Intelligenz zu sprechen. Ich werde dabei bewusst in die Rolle des Skeptikers schlüpfen und so hoffentlich einen spannenden Diskurs fördern. Der jährlich stattfindende „Credit Day“ der Firma Frankfurt Asset Management bietet den organisatorischen Rahmen hierfür.
IPE D.A.CH: Welche weiteren Aktivitäten stehen für Sie 2026 im Fokus?
Friedrich: Ich trete davor schon, am 5. und 6. Mai, beim ‚DACH Investors Retreat‘ der Markets Group auf, um Chancen und Risiken in Aktienmärkten zu erörtern. Im Juni bin ich dann für das IMPower Fundforum in Monaco angefragt worden. Im Herbst folgen dann noch Investorentage, eine Konferenz in Trier und das Petersberger Treffen von Drescher & Cie.
IPE D.A.CH: Vielen Dank für das Gespräch.
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*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info@markus-hill.de; Website: www.markus-hill.de
Martin Friedrich ist Portfoliomanager des Lansdowne Endowment Fonds und Head of Research. Er kam im Januar 2019 zu Lansdowne Partners Austria von HQ Trust, einem der größten unabhängigen Multi-Family Offices in Deutschland. Er war dort seit 2009 beschäftigt, zuletzt als Leiter der Kapitalmarktanalyse und Co-Chief Investment Officer. Zusätzlich betreute er Kundenportfolios und war zuständig für den Investmentprozess von LIQID, einem Fintech Unternehmen in Berlin.
„Es ist das Wesentliche eines gut ausbalancierten Portfolios, dass eigentlich keine einzelne Assetklasse den Charakter des Vehikels prägt“
Martin Friedrich
Markus Hill
