Foundation | Welcome

Menu


Private Markets: Institutionelle wollen weiter aufstocken – trotz wachsender Liquiditätssorgen

Private Markets sollen in europäischen Portfolios weiter an Gewicht gewinnen. Eine neue Studie von Neuberger zeigt allerdings ein differenziertes Bild: Während die Investitionsbereitschaft hoch bleibt, nennen inzwischen 65% der Befragten mangelnde Liquidität als zentrale Hürde. Bei den geplanten Aufstockungen liegen Private Equity und Infrastruktur vor Private Credit.

Der Trend zu Private Markets hält an. Unter institutionellen Investoren in Europa sind derzeit nach Angaben von Neuberger 75% in Private Markets investiert. Innerhalb der kommenden fünf Jahre könnte der Anteil auf 85% steigen. Noch stärker soll die Verbreitung im Retail- und Wholesale-Segment zunehmen: Dort erwartet die Studie einen Anstieg von derzeit 63% auf 88%.

Grundlage ist die „Global Private Investment Markets Study“, die Research in Finance in Zusammenarbeit mit Neuberger durchgeführt hat. Befragt wurden 1.051 Fondsselektoren aus verschiedenen europäischen Märkten, darunter 336 institutionelle Investoren und 715 Vertreter aus dem Retail-Segment.

Damit liefert die Untersuchung ein weiteres Indiz dafür, dass Private Markets ihre Rolle als Spezialsegment verlieren und sich die Anlegerbasis verbreitert. Für institutionelle Investoren ist allerdings mindestens ebenso interessant, welche Segmente künftig zusätzliches Kapital anziehen sollen – und welche Grenzen die Investoren bei einer weiteren Erhöhung ihrer Quoten sehen.

Private Equity und Infrastruktur vor Private Credit
Die Aufstockungsabsichten fallen über die untersuchten Private-Markets-Segmente hinweg positiv aus. Bei Private Credit wollen per saldo 25% der europäischen Investoren ihre bestehende Allokation innerhalb der kommenden zwölf Monate erhöhen.

Noch höher ist die Investitionsbereitschaft allerdings bei Private Equity mit netto 37% und bei nicht börsennotierter Infrastruktur mit 29%.

Gerade angesichts der starken Aufmerksamkeit, die Private Credit in den vergangenen Jahren erfahren hat, ist diese Rangfolge bemerkenswert. Sie deutet zumindest für die von Neuberger untersuchte Investorengruppe darauf hin, dass die nächste Phase des Private-Markets-Wachstums breiter ausfallen könnte und nicht allein vom Boom privater Kreditstrategien getragen wird.

Als wichtigstes Argument für Private Markets nennen 74% der europäischen Fondsselektoren die Diversifikation. Es folgen hohe Renditechancen mit 55% und Kapitalwachstum mit 43%. 41% verweisen auf die geringe Korrelation mit anderen Assetklassen, 39% auf den langfristigen Anlagehorizont.

Illiquidität wird zum größeren Thema
Mit der wachsenden Bedeutung von Private Markets rückt allerdings auch eine ihrer strukturellen Eigenschaften stärker in den Vordergrund: die eingeschränkte Liquidität.

65% der Befragten bezeichnen mangelnde Liquidität inzwischen als Hindernis für Private-Markets-Investments. Im Vorjahr waren es erst 57%. Damit hat sich die Wahrnehmung innerhalb eines Jahres deutlich verschärft. Weitere Hürden sind mangelnde Transparenz, die 48% nennen, sowie hohe Mindestanlagebeträge mit 37%.

Für institutionelle Portfolios ist das ein wichtiger Befund. Die Diskussion verschiebt sich mit steigenden Private-Markets-Quoten zunehmend von der grundsätzlichen Attraktivität der Anlageklassen hin zur Frage, wie viel Illiquidität ein Gesamtportfolio tragen kann und wie unterschiedliche Private-Markets-Bausteine miteinander kombiniert werden.

Gleichzeitig scheint zumindest das Problem des Zugangs abzunehmen. Nur noch 21% betrachten fehlende Zugangsmöglichkeiten als Hürde, gegenüber 26% im Vorjahr.

ELTIFs gewinnen an Akzeptanz
Dazu dürfte auch die Entwicklung neuer beziehungsweise flexiblerer Fondsstrukturen beitragen. Besonders deutlich zeigt sich dies beim European Long-Term Investment Fund (ELTIF).

Mittlerweile geben 74% der europäischen Fondsselektoren an, mit ELTIFs vertraut zu sein. 2025 waren es 68%. Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei der tatsächlichen Nutzung aus: 21% empfehlen ELTIFs bereits ihren Kunden oder investieren selbst in entsprechende Vehikel – gegenüber 13% im Vorjahr. Weitere 18% wollen innerhalb der kommenden zwölf Monate damit beginnen.

Bei den Fondsstrukturen zeigt die Untersuchung zudem eine zunehmende Bedeutung von Evergreen-Konzepten. Die Präferenzen unterscheiden sich allerdings regional erheblich. Besonders ausgeprägt ist die Präferenz für Evergreen-Strukturen bei Retail- und Wholesale-Investoren in der Schweiz mit 63%, in den nordischen Ländern mit 62% und in Frankreich mit 59%. Italien und Spanien tendieren dagegen etwas stärker zu klassischen geschlossenen Private-Markets-Fonds mit Kapitalabrufen.

Vom Zugangsproblem zum Portfoliomanagement
Damit zeichnet die Studie ein interessantes Bild der nächsten Entwicklungsphase der Private Markets. Der Zugang wird einfacher, die Anlegerbasis breiter und die Investitionsbereitschaft bleibt hoch. Gleichzeitig wird die Steuerung der daraus resultierenden Illiquidität wichtiger.

Für institutionelle Investoren dürfte deshalb weniger entscheidend sein, ob Private Markets grundsätzlich weiter wachsen. Spannender wird die Frage, wie zusätzliche Allokationen in Private Equity, Infrastruktur und Private Credit in bestehende Portfolios integriert werden – und wo Investoren ihre individuelle Illiquiditätsgrenze ziehen.

Dass ausgerechnet die mangelnde Liquidität inzwischen von fast zwei Dritteln der Befragten als größte Hürde genannt wird, während gleichzeitig weitere Aufstockungen geplant sind, bringt dieses Spannungsfeld ziemlich gut auf den Punkt.