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Lazard AM: Alternde Bevölkerung als einer der größten Treiber von EM-Aktien

Schwellenländer im Portfolio sind weiterhin nichts für Investoren, die eine durchgehend hohe Ertragssicherheit erwarten, gibt James Donald von Lazard Asset Management im Gespräch mit IPE D.A.CH zu bedenken.

„Vom derzeitigen Standpunkt aus gesehen, wird Nordasien wahrscheinlich der größte Wachstumstreiber in den Schwellenländern in den nächsten zehn Jahren“, erläutert James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging Markets-Plattform bei Lazard Asset Management. Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit diesen Regionen.

Die Antriebsfeder hinter diesen Wachstumsprognosen ist nicht, wie viele erwarten, Technologievorsprung oder Bevölkerungswachstum – eher das Gegenteil: „Länder wie Südkorea und Taiwan haben die niedrigsten Geburtenraten weltweit und gleichzeitig eine hohe Lebenserwartung“, so Donald. „Deshalb altert die Bevölkerung in diesen Ländern sehr schnell – und das bereitet den Regierungen Sorgen.“

„Rentenzahlungen sind ein wichtiger Teil des Sozialstaates in Südkorea und das Land hat bereits die zweithöchste durchschnittliche Lebenserwartung weltweit erreicht mit 82 Jahren“, erläutert Donald weiter.

Eine der Antworten der Regierungen auf diese Herausforderungen wird laut dem EM-Experten zum Wachstumstreiber bei lokalen Aktien werden: „Als einer der größten Investoren im koreanischen Aktienmarkt kann das nationale Pensionssystem Koreas Unternehmen dazu anhalten, Kapital effizienter einzusetzen und den Fokus stärker auf Profitabilität zu legen – was letztlich den Wert der Unternehmen steigern kann.“

Donald gibt zu bedenken, dass das ein Umdenkprozess für viele im Land ist. „Aber wir sehen erste Ansätze z. B. schon bei südkoreanischen Telekom-Unternehmen, die Aktien zurückkaufen und den Kapitaleinsatz effizienter gestalten.“

Disruptive Frauenbildung
Diesem demographischen Trend liegt eine Entwicklung zugrunde, die Donald als „einen der größten Trends zu unseren Lebzeiten“ bezeichnet: „Mit zunehmendem Bildungsniveau und veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entscheiden sich viele Frauen dafür, später oder weniger Kinder zu bekommen – ein Trend, den wir in vielen Regionen der Welt beobachten, mit Ausnahme von Teilen Afrikas.“

Daraus ergibt sich ein demografischer Langzeittreiber: „Südkorea hat sich über die vergangenen drei Jahrzehnten an den Kapitalmärkten vergleichsweise wenig dynamisch entwickelt, könnte aber in den kommenden Jahren – angesichts aus der demografischen Notwendigkeit heraus – deutlich an Dynamik gewinnen und zu einem der interessantesten Märkte werden.“

Apropos China, auch dort macht der demografische Wandel nicht vor großen Umschichtungen Halt: Einige Prognosen sagen ein Schrumpfen der chinesischen Bevölkerung von derzeit über einer Milliarde Menschen auf nur mehr 600 Millionen über die nächsten Jahrzehnte voraus.

„Langfristig könnte die Weltbevölkerung laut einigen Szenarien ihren Höhepunkt  erreichen und danach wieder zurückgehen – eine Entwicklung, die aus ökologischer Sicht durchaus positive Effekte haben könnte“, sagt Donald nachdenklich.

Afrika ist der einzige Kontinent, wo im Moment noch keine Überalterung der Bevölkerung festzustellen ist. Das wird auch für die Märkte eine andere Dynamik über die nächsten Jahrzehnte bedeuten.

Kurzfristige Schwankungen
Donald betont die Wichtigkeit, eine langfristige Sicht auf Schwellenländer bzw. große weltweite Entwicklungen zu haben: „Globale Zyklen spielen sich eher im 20-Jahresbereich ab und auch jetzt sind die Zeiten ähnlicher jenen vor 20 Jahren als denen vor 10 Jahren. Und man kann als Anleger schwere Fehler vermeiden, wenn man nicht in Fünf- oder Sechsjahresperioden denkt.“

Insgesamt sind viele Staaten weiterhin im Schwellenländer-Index, auch wenn die Industrialisierung bereits weit fortgeschritten ist. Das ist teilweise dem Umstand geschuldet, dass MSCI weniger auf die wirtschaftliche Entwicklung schaut und mehr auf den Zugang zu Finanzmärkten.

Zu Indien hält Donald fest: „Es ist unglaublich, was derzeit in Indien passiert, wenn man sich die Infrastruktur-Entwicklungen ansieht, aber Fakt ist, dass die Mehrheit der Menschen noch immer sehr arm ist.“ Für Investoren wie Lazard Asset Management sind viele indische Firmen mittlerweile aus einer Value-Sicht zu teuer geworden. „Indien hat starke Unternehmen mit langjährigen Historien von teilweise mehr als 100 Jahren. Es gibt hohe Eintrittsbarrieren in den Markt, weshalb vor allem heimische Investoren sehr viel Interesse an Indien zeigen“, erläutert Donald.

Über die vergangenen Jahre hat sich auch der Schwellenländer-Index deutlich verändert: Chinas wirtschaftliche Stärke hat dazu geführt, dass es die Ländergewichtung des Index mittlerweile anführt. Länder wie Brasilien und Indien haben wirtschaftlich ebenfalls deutlich an Bedeutung gewonnen, auch wenn sich ihre Indexgewichtung unterschiedlich entwickelt hat.

Ein paar Länder sind herausgefallen, wie Portugal oder Israel. Griechenland wurde kurzzeitig als Developed Market eingeschätzt, ist aber dann wieder auf Schwellenländer-Status gesetzt worden, soll aber jetzt diese Gruppe wieder verlassen. „Und ich weiß nicht, ob das so gut für das Land ist“, gibt Donald zu bedenken. „Die EU hat ihre Stärken, aber sie ermöglicht Griechenland vermutlich sehr niedrige Finanzierungskosten, was dazu führen kann, dass das Land mitunter risikoreicher agiert, als es sonst der Fall wäre.“

Was Anlegern kurzfristig bewusst sein müsse, sei das anhaltende Risiko bei Investitionen in Schwellenländern. So sagt Donald deutlich: „Es ist keine Assetklasse für alle Investoren. Jene, die Nacht für Nacht beruhigt schlafen gehen wollen, sollten nicht in diesen Märkten anlegen.“

Doch das Risiko zahle sich aus für die steigenden Diversifikationspotentiale, die Anlagen in Schwellenländer bieten. „Bis vor drei Jahren war die Korrelation zwischen Emerging und Developed Markets noch bei über 80%. Doch sie ist seitdem deutlich gefallen“, so Donald.

„Vor allem, weil China – das größte Einzellandgewicht in den Indizes – sich deutlich anders verhält als in der Vergangenheit.“