Auf ihrer Sitzung im Januar beließ die Fed den Leitzins in einer Spanne von 3,5% bis 3,75%, nachdem sie ihn in den drei vorangegangenen Sitzungen jeweils um 75 Basispunkte gesenkt hatte. Trotz dieser Entscheidung deutet die Formulierung der Forward Guidance in der Erklärung darauf hin, dass die Mehrheit der Entscheidungsträger eine weitere Lockerung der Geldpolitik grundsätzlich für angemessen hält, auch wenn derzeit kein unmittelbarer Handlungsdruck besteht. Wir gehen davon aus, dass die Fed ihre aktuelle Ausrichtung bis später im Jahresverlauf beibehalten wird, bevor sie voraussichtlich erneut Zinssenkungen vornehmen dürfte.
Risiken auf beiden Seiten des Mandats der Fed nehmen ab
Im Vorfeld der Sitzung deuteten öffentliche Äußerungen von Fed-Vertretern darauf hin, dass sich die zuvor divergierenden Ansichten zu Inflation und Arbeitsmarktrisiken etwas angenähert haben. Jüngste Daten deuten auf eine solide wirtschaftliche Dynamik, eine verbesserte Stabilität des Arbeitsmarktes und einen nachlassenden Inflationsdruck hin. Dies hat dazu beigetragen, die Risiken auf beiden Seiten des Mandats der Fed (maximale Beschäftigung und Preisstabilität) zu verringern und somit den Kurs der Zurückhaltung zu unterstützen.
Auf der Pressekonferenz zeigte sich Fed-Chef Jerome Powell nicht in Eile, die Zinsen zu senken. Er betonte, dass die Zinsen nun näher an der Neutralität liegen, während die Daten die Wachstumsaussichten für die USA gestärkt und das Abwärtsrisiko für den Arbeitsmarkt verringert haben. Er betonte, dass die Geldpolitik gut aufgestellt ist, um auf kommende Entwicklungen zu reagieren.
Die einzige Überraschung der Sitzung im Januar war, dass Gouverneur Christopher Waller sich für eine Zinssenkung um einen Viertelpunkt aussprach, ebenso wie Gouverneur Stephen Miran (dessen Ablehnung erwartet worden war). Waller hat sich angesichts der von ihm beschriebenen Risiken für den Arbeitsmarkt und der sich abschwächenden Inflation ohne Berücksichtigung der Auswirkungen der Zölle für Zinssenkungen ausgesprochen. Seine öffentlichen Äußerungen vor der Sitzung im Januar schienen jedoch keine starken Argumente für eine weitere Zinssenkung in so kurzer Zeit zu liefern.
Die Inflation in den USA dürfte sich trotz robusten BIP-Wachstums abschwächen
Unsere Erwartung weiterer Zinssenkungen im Laufe dieses Jahres stützt sich unter anderem auf die zugrunde liegenden Inflationstrends. Zwar liegt die Kerninflation derzeit bei rund 3% und damit weiterhin über dem Zielwert der Federal Reserve von 2%, doch sprechen mehrere Faktoren für einen rückläufigen Inflationsdruck – selbst bei anhaltend robustem realem BIP-Wachstum. Die Einführung und verstärkten Investitionen in Künstliche Intelligenz, die sich im Jahr 2025 beschleunigt haben, gingen mit einem höheren Produktivitätswachstum sowie einer moderateren Entwicklung der Lohnstückkosten einher und haben damit bereits dämpfend auf die Inflation gewirkt. Mit zunehmender zeitlicher Wirkung dürfte dies die Preisdynamik weiter abschwächen. Zudem scheinen tarifbedingte Preiserhöhungen inzwischen weitgehend ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Sollten sich die Inflationsdaten weiter abschwächen, dürfte die Federal Reserve ihre Geldpolitik schrittweise lockern.
Übergeordnete makroökonomische Trends prägen zusätzlich unseren Inflationsausblick für die USA. In unserem aktuellen Cyclical Outlook „Compounding Opportunity“ erläutern wir, wie die US-Politik und die durch Zölle verursachten Kosten zu einer verstärkten Einführung von KI und zu höheren Investitionen geführt haben, da Unternehmen ihre Margen konsequent verteidigt haben. Das robuste Gesamtwachstum hat dabei Gewinner und Verlierer teilweise überdeckt, wobei der Arbeitsmarkt zu den größten Verlierern zählt. Da sich das reale Wachstum der Arbeitseinkommen verlangsamt hat, hat der Arbeitsmarkt – stärker als erwartet – einen wesentlichen Teil der zollbedingten Anpassung absorbiert, während die Verbraucherpreise weniger belastet wurden. Daraus ergeben sich zwei längerfristige Implikationen für die Verbraucherpreisinflation.
Erstens: Obwohl Schätzungen zufolge lediglich rund 50% der gesamten Zollkosten auf die Preise von Konsumgütern in den USA übertragen wurden, gehen wir davon aus, dass diese zollbedingten Preiserhöhungen weitgehend auslaufen dürften. Die rückläufige Entwicklung der Lohnstückkosten hat dazu beigetragen, die verbleibende Kostenlücke für die Unternehmen zu schließen. Entsprechend dürfte sich die Güterinflation auf oder nahe ihrem Höchststand befinden.
Zweitens deuten KI-bezogene Trends darauf hin, dass der Anteil der Lohnkosten am Einkommen weiter sinkt. Im dritten Quartal fiel dieser Anteil auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor nahezu 80 Jahren. Wir erwarten, dass die Einführung von Künstlicher Intelligenz im Jahr 2026 weiter voranschreiten wird – auch wenn das absolute Durchdringungsniveau bislang noch vergleichsweise niedrig ist. In der Folge dürfte das Produktivitätswachstum das nominale Lohnwachstum weiterhin übertreffen, während die Inflation der Lohnstückkosten unter ein mit dem Inflationsziel der Federal Reserve vereinbares Niveau sinkt und damit im Zeitverlauf preisdämpfend wirkt.
Auch die Entwicklungen am US-Immobilienmarkt sprechen für einen anhaltenden disinflationären Trend. Eine verlangsamte Haushaltsbildung – möglicherweise teilweise bedingt durch Veränderungen in der Einwanderungspolitik und damit verbundene demografische Effekte – trifft auf ein wachsendes Angebot an Mehrfamilienhäusern, insbesondere in den Metropolregionen des Sun Belt. Dies schwächt die Mietnachfrage, während das Wohnungsangebot weiter zunimmt. Infolgedessen ist die landesweite Inflation bei Neuvermietungen im vergangenen Jahr unter die Eigentümeräquivalenzmiete (Owner’s Equivalent Rent, OER) gefallen, nachdem sie nach der Pandemie deutlich über den durchschnittlichen Mietsteigerungen gelegen hatte. Die Mieten für neue Mietverträge bewegen sich nun näher an dem breiter gefassten OER-Maß, das sowohl Neuabschlüsse als auch Vertragsverlängerungen in der gesamten US-Wirtschaft abbildet. Da ein Nachholeffekt bei den Durchschnittsmieten damit entfällt, dürfte die OER-Inflation unter das Vorkrisenniveau zurückgehen, sofern die Inflation der Marktmieten weiterhin gedämpft bleibt.
Zentrale Erkenntnis: Die Fed wartet auf klare Datensignale, bevor sie ihre Lockerung wieder aufnimmt.
Die Januarsitzung bestätigt die bekannte Haltung der Federal Reserve: Die Zentralbank betrachtet ihre geldpolitische Ausrichtung insgesamt als hinreichend restriktiv, um den Inflationsdruck weiter zu dämpfen, zugleich aber als ausreichend flexibel, um auf potenzielle Schocks reagieren zu können. Vor diesem Hintergrund warten die Entscheidungsträger auf eindeutigere Signale aus den Konjunktur- und Inflationsdaten, bevor weitere geldpolitische Lockerungen in Erwägung gezogen werden.
Angesichts des insgesamt nachlassenden Inflationsdrucks – getragen von Produktivitätsgewinnen, abnehmenden Effekten der Zölle sowie sinkenden Wohnkosten – dürfte die Fed ihre aktuelle Politik zunächst beibehalten und im weiteren Jahresverlauf erneut Zinssenkungen vornehmen. Sofern sich das Wirtschaftswachstum nicht deutlich abschwächt oder die Inflation erneut anzieht, dürfte die nächste Phase der Geldpolitik eher von einer schrittweisen und maßvollen Lockerung als von einer abrupten Richtungsänderung geprägt sein.
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*) Tiffany Wilding, Ökonomin bei PIMCO
Kommentar: Fed hält an ihrem Kurs fest und signalisiert eine längerfristige Tendenz zur geldpolitischen Lockerung
Tiffany Wilding
