Unsere diesjährige EQuilibrium Survey zeigt, dass institutionelle Investoren ihre Portfolios unter diesem Gesichtspunkt weiterentwickeln. Befragt wurden weltweit 800 institutionelle Investoren, darunter 80 aus Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von zusammen rund 1,3 Billionen Euro. Die deutschen Ergebnisse zeigen: Viele Institutionen reagieren auf das komplexere Umfeld mit breiterer Diversifikation, der Minimierung von Konzentrationsrisiken und mehr Flexibilität in der Umsetzung.
97% der befragten deutschen Institutionen geben an, ihre Portfolios aufgrund handels- und geopolitischer Turbulenzen sowie erhöhter Marktvolatilität angepasst zu haben. Gleichzeitig berichten 83% von kleineren Anpassungen an der strategischen Asset Allokation, 66% von kleineren Anpassungen an der taktischen Asset Allokation. Die Daten sprechen damit für ein aktives, aber überwiegend maßvolles Vorgehen: Deutsche Institutionen passen ihre Portfolios breit an, bleiben dabei aber mehrheitlich bei kleineren Veränderungen der strategischen und taktischen Asset Allokation.
Ein wichtiger Baustein robusterer Portfolios ist die regionale Diversifikation. 69% der deutschen Investoren nennen die Anpassung der regionalen Allokation als wichtigste Portfolioveränderung infolge der jüngsten disruptiven Entwicklungen. Von den Institutionen, die ihre regionale Allokation anpassen, erhöhen 53% ihre Allokation in Europa ohne Großbritannien. Zudem nennen 31% die Reduzierung des US-Dollar-Exposures als eine der wichtigsten Anpassungen.
Diese Zahlen zeigen, wie deutsche institutionelle Investoren regionale Abhängigkeiten neu bewerten. Die USA bleiben ein zentraler Kapitalmarkt. Gleichzeitig achten Investoren stärker darauf, Portfolios nicht zu stark von einzelnen Regionen, Währungen oder Marktsegmenten abhängig zu machen. Robustheit entsteht hier durch breitere Streuung, nicht durch Rückzug.
Auch private Märkte gewinnen in diesem Zusammenhang weiter an Bedeutung. 80% der befragten deutschen Institutionen wollen ihre Private-Market-Allokationen in den nächsten fünf Jahren erhöhen. Der Anteil der Investoren, die mehr als 20% ihres Portfolios in Private Markets halten, dürfte von aktuell 17% auf 44% steigen.
Besonders gefragt sind private Infrastruktur und Private Equity: 51% planen höhere Allokationen in private Infrastruktur, 49% in Private Equity. Auch Private Real Estate bleibt mit 29% relevant. Daneben rücken Privatplatzierungen, Agrarflächen und Waldflächen stärker in den Fokus.
Der Ausbau privater Märkte ist Teil dieser breiteren Aufstellung. Private Infrastruktur kann langfristig orientierte Ertragsprofile und einen stärkeren Bezug zu realen Vermögenswerten ins Portfolio bringen. Private Credit erweitert das Spektrum möglicher Kreditexposures jenseits liquider Anleihemärkte. Agrar- und Waldflächen ergänzen das Anlageuniversum um weniger traditionelle Diversifikationsquellen. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung: Mit steigenden Allokationen gewinnen Managerauswahl, Liquiditätssteuerung, Governance und geeignete Vehikel an Bedeutung.
Das zeigt sich besonders im Private-Credit-Bereich. 35% der deutschen Investoren stimmen der Aussage zu, dass die Diversifikation ihres Alternative-Credit-Portfolios in den nächsten fünf Jahren höchste Priorität hat. 36% planen, in den kommenden zwei Jahren ein bis zwei neue Arten alternativer Kreditanlagen aufzunehmen. Gleichzeitig wollen 48% keine neuen Arten ergänzen. Auch hier steht nicht der pauschale Ausbau im Vordergrund, sondern eine selektive Erweiterung.
Ein weiterer Faktor ist die Governance. Aktuell ordnen 51% der deutschen Investoren den Entscheidungsspielraum ihrer Investmentteams als hoch ein. In fünf Jahren erwarten 65% einen hohen Entscheidungsspielraum. Größere Flexibilität in den Entscheidungsprozessen kann dazu beitragen, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und Portfolios innerhalb klarer strategischer Leitplanken widerstandsfähiger zu steuern. Stabilität entsteht damit nicht nur durch andere Allokationen, sondern auch durch die Fähigkeit, Anpassungen kontrolliert und zeitnah umzusetzen.
Die EQuilibrium Survey 2026 zeigt damit ein klares Muster: Institutionelle Investoren reagieren auf ein unsichereres und fragmentierteres Umfeld mit breiterer Diversifikation, geringeren Konzentrationsrisiken und flexibleren Governance-Strukturen. Regionale Allokationen werden überprüft, private Märkte weiter ausgebaut und langfristige Wachstumsthemen selektiv eingebunden. Resilienz bedeutet in diesem Kontext, an langfristigen Anlagezielen festzuhalten und Portfolios zugleich so weiterzuentwickeln, dass sie unter unterschiedlichen Marktbedingungen tragfähig bleiben.
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*) Christina Volkmann, Head of Business Development DACH bei Nuveen
Gastbeitrag: Robuste Portfolios für unsichere Märkte
Christina Volkmann
