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Gastbeitrag: Ist das Risiko für High-Yield-Anleihen durch KI geringer?

High-Yield-Anleihen bieten möglicherweise ein überraschend hohes Maß an Diversifizierung gegenüber KI-bedingten Störungen sowie potenziell attraktive KI-bezogene Chancen.

Paul Benson

Emittenten, die sich auf Cloud Computing, Halbleiter oder digitale Infrastruktur für KI-Anwendungen konzentrieren, machen nur ca. 1% des US-Hochzinsmarktes aus. Darüber hinaus machen Unternehmen, die sich zunehmend auf KI-bezogene Produkte und Dienstleistungen verlagern, weitere ca. 2,5% aus.

Diese Konzentrationen werden von vergleichbaren Engagements in US-Investment-Grade- und (insbesondere) Aktienmärkten in den Schatten gestellt.



High-Yield-Anleihen sind möglicherweise auch weniger anfällig für Disruptionen durch KI. Softwareunternehmen verzeichneten seit Jahresbeginn eine Rendite von -23,7% und sind damit mit Abstand der schwächste Sektor im S&P 500 Index, was auf Befürchtungen zurückzuführen ist, dass KI-Plattformen und -Agenten ihre Geschäftsmodelle disruptieren könnten. High-Yield-Softwareunternehmen hatten ähnliche Schwierigkeiten und verzeichneten in diesem Jahr bislang eine Ausweitung der Spreads um über 200 Basispunkte.



Diese Bedenken haben dazu beigetragen, dass US-Aktien seit Jahresbeginn gegenüber globalen Aktien die größte Underperformance seit 2008 verzeichnen (wobei die technologieorientierten Indizes Nasdaq Composite und Magnificent 7 sogar im negativen Bereich liegen). US-High-Yield-Anleihen zeigten sich im Vergleich dazu jedoch stabil, mit Überrenditen im positiven Bereich, und blieben nur geringfügig hinter ihren europäischen High-Yield-Pendants zurück.

Dies liegt vor allem daran, dass der US-Hochzinsmarkt ein besonders geringes Engagement im Softwarebereich aufweist. Am stärksten exponiert sind private Kredite, wobei Software die größte Sektor-Konzentration bei Business Development Companies (BDCs) ausmacht.



Natürlich befindet sich die KI-Revolution noch in einem frühen Stadium. Es wird wahrscheinlich einige Zeit dauern, bis sich die Disruptionsrisiken in den verschiedenen Sektoren deutlicher abzeichnen, aber wir beobachten Sektoren wie Personaldienstleistungen, Verbrauchervermittlung, Lohnabrechnung, Steuern, Finanzabwicklung, Online-Bildung, Rechtsdienstleistungen und digitales Marketing genau auf mögliche Anzeichen von KI-bedingten Schwachstellen.

Obwohl US-Hochzinsanleihen nicht immun gegen Worst-Case-Szenarien wären, bietet der Markt derzeit eine relativ hohe Konzentration (im Vergleich zu Investment-Grade-Anleihen) auf Sektoren, die unserer Meinung nach ein potenziell geringeres Risiko aufweisen, wie Grundstoffindustrie, Energie und Investitionsgüter.

High-Yield-Anleihen können auch attraktive KI-Chancen bieten
Das soll nicht heißen, dass der Hochzinsmarkt nicht selbst potenziell attraktive KI-Chancen bietet.

AI-fokussierte Hochzinsemittenten haben sich seit Jahresbeginn besonders gut entwickelt, bieten aber immer noch einen Aufschlag von ca. 120 Basispunkten gegenüber dem breiteren Hochzinsmarkt und ca. 90 Basispunkten gegenüber Single-B-Anleihen.

Wie auch auf anderen Kreditmärkten hat die Emission von KI-Anleihen zugenommen und machte in diesem Jahr bislang etwa 12% der neuen Hochzinsemissionen aus. Systematische Modelle haben potenzielle Chancen bei der Titelauswahl (Über- und Untergewichtung) identifiziert. So haben unsere Modelle beispielsweise im Februar CoreWeave, einen führenden „Neocloud“-Anbieter, als potenziellen Kandidaten für eine wertorientierte Übergewichtung identifiziert. Insbesondere bietet der Emittent Renditen von rund 10% auf vier- bis fünfjährige Anleihen, was einen erheblichen Aufschlag gegenüber Investment-Grade-„Hyperscalern“ (wie Microsoft, Amazon, Google und Meta) darstellt, die meist AAA- bis AA-Ratings aufweisen und bei vergleichbaren Laufzeiten tendenziell Renditen von rund 4% bieten.

Im Software-Sektor ist unserer Ansicht nach Vorsicht geboten, doch unsere systematischen Modelle deuten auf einige potenzielle Übergewichtungsmöglichkeiten bei bestimmten Anleihen hin, die als Risikokompensation attraktive Kuponerträge bieten.

Die KI-Revolution wird potenziell von erheblichen Chancen und Umbrüchen geprägt sein. Derzeit sind wir der Ansicht, dass ein systematischer Ansatz für den Hochzinsmarkt gut geeignet sein könnte, um Anlegern dabei zu helfen, beides zu meistern.

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*) Paul Benson, Head of Systematic Fixed Income bei Insight Investment