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Gastbeitrag: Digitale Assets bieten echte Diversifikation im Multi-Asset-Portfolio

Der Bitcoin hat im Laufe seiner Geschichte bemerkenswerte Wachstumstrends gezeigt. Aber natürlich fragen sich Investoren, was nach dem beispiellosen Wertanstieg der letzten Jahre noch folgen kann und ob der positive Beitrag zur Performance nachhaltig ist, bzw. welchen Mehrwert digitale Assets als strategischer Bestandteil diversifizierter Portfolios künftig beisteuern können.

Dr. Andre Dragosch

In einer neue Portfolio-Studie ist unser Research-Team detaillierter als je zuvor den Fragen auf den Grund gegangen, die Portfolio-Manager heute umtreiben: Welcher Anteil eines Portfolios sollte in digitale Assets investiert werden? Wie lange sollten diese Positionen im Portfolio bleiben? Und vor allem: Bringen Bitcoin & Co. wirklich Diversifikation – oder nur Volatilität?

Die Szenarioanalyse unterstreicht das Potenzial für einen anhaltenden langfristigen Beitrag zu den Portfolioergebnissen in den kommenden Jahren. Darüber hinaus hat das Research-Team aber auch seine kurz- und mittelfristigen Erwartungen für die Entwicklungen in den kommenden zwölf Monaten formuliert.

Schon kleine Krypto-Anteile verbessern Risiko-Rendite-Eigenschaften
Die jüngste Studie hat klassische Multi-Asset-Portfolios aus Aktien, Anleihen und Rohstoffen unter die Lupe genommen und zeigt, welche Rolle eine Krypto-Quote im Gesamtportfolio spielen kann. In hypothetischen Backtests war die Aufnahme von 1-5% digitaler Vermögenswerte in ein Portfolio mit verbesserten historischen Renditen verbunden.

Dies ermöglichte in bestimmten Zeiträumen sogar die Verdopplung der Renditen. Die geringe Korrelation mit anderen Vermögenswerten in bestimmten historischen Zeiträumen bot Diversifizierungsvorteile, da sich die inverse Beziehung zwischen Aktien und Anleihen offenbar abschwächt. In Anleihe-lastigen Portfolios ergab die Studie, dass selbst geringe Bitcoin-Allokationen die Volatilität des Portfolios im Vergleich zu Gold in derselben Analyse reduzierten. Die langfristige Volatilität von Bitcoin ging im Backtest-Zeitraum deutlich zurück.

Quantitative Methoden deuteten darauf hin, dass jede historische Allokationsspanne größer als Null attraktive Risiko-Rendite-Eigenschaften hervorbrachte. Konkret hätte die Beimischung eines Anteils von 1% Bitcoin zu einem traditionellen 60/40-Portfolio die jährliche Rendite im Backtesting-Zeitraum um 2,1 Prozentpunkte erhöht. Bei einem Bitcoin-Anteil von 2,5% wäre die Rendite sogar um 5,5 Prozentpunkte und bei einer Beimischung von 5% um 11 Prozentpunkte höher ausgefallen. Der historisch optimale Bitcoin-Anteil in einem Portfolio-Modell mit maximaler Sharpe-Ratio wurde mit 6,1% berechnet, bei einem Risiko-Paritäts-Ansatz (Risk Parity) von 4,2%.

Eine weitere Erkenntnis: In den analysierten Modellen ergab eine monatliche Neugewichtung die optimale Häufigkeit für Krypto-Assets in einem gemischten Portfolio. Eine lange Haltedauer verkürzte hingegen die Dauer vergangener Drawdowns, da Krypto-Inhaber in der Vergangenheit nie länger als drei Jahre in Folge Verluste hinnehmen mussten. Die Studie basiert auf Daten aus einem Zeitraum von 15 Jahren (2010–2025) und untersuchte mehrere Referenzzeiträume für Portfolios in US-Dollar, Euro, CHF, GBP und SEK. Dabei wurden Monte-Carlo-Simulationen verwendet, um die Sensitivität zu testen. Sie bestätigten die Robustheit der historischen Ergebnisse unter den angewandten Modellannahmen.

Wie viel Krypto verträgt das Depot?
Statt eine fixe Zielquote vorzugeben, arbeitet die Studie mit Bandbreiten. In renditeorientierten Modellen ergibt sich für Bitcoin ein optimaler Bereich von grob 4-6%. Für einen diversifizierten Krypto-Index liegen die Werte in einer ähnlichen Größenordnung, meist zwischen rund 4% und 5%. In strikt auf minimale Schwankung ausgerichteten Minimum-Variance-Ansätzen fallen die Krypto-Quoten deutlich geringer aus.

Über alle Währungen und renditeorientierten Optimierungsansätze hinweg ergibt sich jedoch ein konsistentes Bild: Die optimale Krypto-Allokation liegt praktisch nie bei Null. Mit anderen Worten gehört Krypto aus Sicht der Studie grundsätzlich ins Portfolio – aber in dosierter Form, ohne seinen Charakter zu verändern. Der Großteil des Vermögens bleibt weiterhin in klassischen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen investiert; Krypto ergänzt, es ersetzt nicht.

Wie lange halten, wie oft nachsteuern?
Mindestens so wichtig wie das „Wie viel?“ ist das „Wie lange?“ und „Wie steuere ich die Quote?“. Digitale Assets bleiben volatil; wer sie beimischt, braucht einen langen Atem. Die Studie zeigt, dass die Verlustwahrscheinlichkeit bei kurzen Haltefristen hoch ist, mit wachsender Dauer aber deutlich sinkt. Als Orientierungswert gilt ein Mindest-Haltehorizont von drei Jahren. Krypto wird damit nicht als Daytrading-Spielwiese verstanden, sondern als strategische Beimischung.

Beim Rebalancing, also der Rückführung des Portfolios auf die Zielquoten, wurden monatliche, quartalsweise und jährliche Ansätze verglichen. In den Simulationen schneidet monatliches Rebalancing am besten ab: Die Krypto-Quote bleibt im Korridor, Gewinne werden gesichert, und Klumpenrisiken werden begrenzt. Quartalsweise Rebalancings liegen dicht dahinter und bieten sich als pragmatischer Standard an. Krypto lässt sich damit in bestehende Prozesse integrieren – mit Zielgewichten, Zeithorizont und festen Anpassungsregeln.

Unsere Top Krypto-Prognosen für 2026
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit und die Backtest-Ergebnisse sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Korrelationen, Volatilität und Renditeeigenschaften können im Laufe der Zeit erheblich variieren, und die Ergebnisse der Studie sind daher als hypothetisch und modellbasiert zu betrachten. Aber vieles spricht aus unserer Sicht dafür, dass sich die Erfolgsgeschichte der digitalen Assets fortsetzen wird. Und mehr noch, unsere Erwartungen für die kommenden zwölf Monate zeichnen ein Bild, dass sich als starkes Dreigespann für Anleger zusammenfassen lässt: Starke Renditen, geringere Volatilität, geringere Korrelationen. Nachfolgend fünf unserer Vorhersagen für das Jahr 2026 in Bezug auf digitale Assets:

1. Bitcoin wird den Vierjahreszyklus durchbrechen und neue Allzeithochs erreichen
Bitcoin folgte historisch klaren Vierjahreszyklen, getrieben von Halvings, Zinsen und Markt-Leveraging. 2026 dürften diese Muster jedoch an Bedeutung verlieren. Die institutionelle Nachfrage – verstärkt durch die Einführung von Spot-Bitcoin-ETPs – wächst weiter, während traditionelle zyklische Faktoren an Einfluss verlieren und das regulatorische Umfeld in den USA strukturell positiver geworden ist. Unter diesen Bedingungen erscheint es plausibel, dass Bitcoin seine historische Zyklizität hinter sich lässt und neue Allzeithochs erreicht.

2. Bitcoin wird eine geringere Volatilität als Nvidia aufweisen
2025 wies Bitcoin zeitweise eine geringere Volatilität auf als Nvidia – ein Ausdruck der langfristig sinkenden realisierten Schwankungsbreite. Diese Entwicklung reflektiert die zunehmende Marktreife und breitere institutionelle Verankerung. Angesichts der wachsenden Integration in traditionelle Portfolios dürfte sich diese relative Stabilisierung 2026 weiter fortsetzen.

3. ETPs werden mehr als 100 % des neuen Bitcoin-Angebots absorbieren
Durch das letzte Halving sinkt die Netto-Emission neuer Bitcoin 2026 deutlich, während die Nachfrage über Spot-ETPs strukturell zunimmt. Bereits 2024 und 2025 überstiegen ETP-Zuflüsse das neue Angebot. Da 2026 erstmals ein großer institutioneller Anlegerkreis uneingeschränkten Zugang zu Spot-ETPs hat, ist zu erwarten, dass die ETP-Nachfrage die laufende Bitcoin-Produktion übertrifft und damit eine nachhaltig unterstützende Angebots-Nachfrage-Dynamik entsteht.

4. Stablecoins werden für die Destabilisierung einer Schwellenländer-Währung verantwortlich gemacht werden
Das starke Wachstum von Stablecoins – oft als digitale Dollar genutzt – erzeugt Druck in Volkswirtschaften mit schwachen Währungen. Sie ermöglichen Kapitalflucht in stabilere Wertaufbewahrungsmittel und können laut BIZ die geldpolitische Souveränität beeinträchtigen. Daher ist wahrscheinlich, dass einzelne Schwellenländer 2026 Währungsinstabilität explizit auf Stablecoin-bedingte Kapitalabflüsse zurückführen, auch wenn diese eher Symptom tiefer liegender struktureller Probleme sind.

5. Die Korrelation zwischen Bitcoin und Aktien wird weiter fallen
Bitcoin zeigte historisch niedrige bis mittlere Aktienkorrelationen, die in Phasen eigener fundamentaler Treiber weiter sinken. Das verbesserte regulatorische Umfeld und zunehmend unabhängige Kapitalflüsse sprechen dafür, dass Bitcoin 2026 stärker eigenständig performt. Bei potenziell schwächeren Aktienmärkten könnte die Korrelation weiter fallen, was Bitcoin als diversifizierenden Makro-Asset attraktiver macht.

Die vollständige Studie finden sie unter folgendem Link.

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*) Dr. Andre Dragosch ist Head of Research Bitwise Europe. Dragosch verfügt über 12 Jahre Erfahrung im deutschen Finanzwesen, vor allem in Portfoliomanagement und Investment-Research. Promotion in Finanzgeschichte (University of Southampton). Privater Krypto-Investor seit 2014.