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Gastbeitrag: Die systematische Suche nach Anlagechancen

Die Aktienallokation institutioneller Investoren wird häufig als Entscheidung zwischen zwei Ansätzen verstanden: Indexstrategien, die einen breiten Marktzugang bei geringen Abweichungen von der Benchmark bieten, und aktiven Strategien, die größere Abweichungen in Kauf nehmen, um höhere Mehrrenditen zu erzielen. Portfolios müssen jedoch nicht unmittelbar von einem Ende dieses Spektrums zum anderen wechseln. Systematic Active Equity bietet eine weitere Möglichkeit: aktive Titelauswahl in einem breiten Anlageuniversum bei gezielter Steuerung des Risikos gegenüber der Benchmark.

Frank Stefes

In der Praxis nutzt Systematic Active Equity vorausschauende Alpha-Signale, um Aktien nach ihrer Attraktivität zu ordnen und daraus breit diversifizierte Über- und Untergewichtungen gegenüber der Benchmark abzuleiten. Dabei lassen sich unterschiedliche Niveaus des aktiven Risikos umsetzen. Enhanced Active ist beispielsweise eine Ausprägung mit geringerem Tracking Error. Bei einem Tracking Error von häufig rund 1–2% zielt dieser Ansatz auf moderate, möglichst stetige Mehrrenditen ab und bewahrt dabei weitgehend die wesentlichen Eigenschaften der Benchmark.

Der Breite des Anlageuniversums kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Ein größeres Universum bietet mehr Unternehmen für den Vergleich, erschwert jedoch die durchgängig einheitliche Anwendung klassischer Analysemethoden. Hier liegt eine Stärke von Systematic Active Equity: Der Ansatz kann Tausende von Aktien im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen bewerten und so innerhalb eines breiten Anlageuniversums gezielt Titel mit höheren erwarteten Renditen identifizieren.

Am Anfang des Researchprozesses steht die Identifikation anhaltender Marktineffizienzen und unternehmensspezifischer Fehlbewertungen. Jeder Faktor muss sich ökonomisch schlüssig begründen lassen und durch belastbare empirische Evidenz gestützt sein, bevor er Eingang in unser vorausschauendes Alpha-Modell findet.

Diese Signale werden ineinander ergänzende Kategorien wie Value, Qualität, Sentiment und Katalysatoren gegliedert. Value untersucht allgemeine und branchenspezifische Bewertungskennzahlen, Qualität berücksichtigt finanzielle Solidität und Profitabilität, Sentiment erfasst Aufhellungen der Geschäftsaussichten und positive Trendentwicklungen, und die Kategorie Katalysatoren gewinnt Signale aus der Managementkommunikation, Transkripten von Telefonkonferenzen und Finanzberichten.

Innovation erweitert sowohl die Breite als auch die Tiefe unseres Researchs. Fortschrittliche Verfahren wie maschinelles Lernen, Natural Language Processing und große Sprachmodelle verdichten umfangreiche strukturierte und unstrukturierte Daten zu investierbaren Signalen. Diese Signale werden thematisch zu Untergruppen zusammengefasst und nach ihrer Wirksamkeit sowie ihrem Diversifikationsbeitrag gewichtet; so entsteht ein umfassendes Bild jeder Aktie und ein Alpha-Modell, das über unterschiedliche Marktphasen hinweg robuster ist.

Die Titelauswahl ist jedoch nur der erste Schritt. Die Portfoliokonstruktion übersetzt die Signale in moderate Über- und Untergewichtungen und hält zugleich die Abweichungen von der Benchmark auf Länder-, Sektor- und Risikofaktorebene innerhalb enger Grenzen. Im Mittelpunkt stehen die effiziente Übertragung des Alpha-Potenzials in das Portfolio, die Risikokontrolle und das Kostenmanagement. Bei manchen Umsetzungsvarianten werden zudem ausgewählte Exposures an das makroökonomische Umfeld und die Risikoaversion am Markt angepasst.

Von der Hypothese bis zum Portfolio ermöglicht dieser Prozess eine skalierbare Titelauswahl. Statt sich auf wenige konzentrierte Positionen zu stützen, kann Systematic Active Equity kleinere Ineffizienzen über zahlreiche Wertpapiere hinweg erschließen. Bei einer Enhanced-Active-Umsetzung mit niedrigem Tracking Error werden Anlageüberzeugungen innerhalb enger Risikogrenzen klar und konsequent umgesetzt. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das sich eng an der Benchmark orientiert und zugleich auf einer umfassenderen Informationsbasis beruht.

Schwellenländer veranschaulichen, warum die Breite des Anlageuniversums entscheidend ist. Sie umfassen eine Vielzahl unterschiedlicher Länder, Sektoren und Unternehmen; kleinere Unternehmen erweitern das Spektrum der Anlagemöglichkeiten zusätzlich. Ein systematisch aktiver Investmentprozess kann einen einheitlichen Analyserahmen anwenden und zugleich jedes Unternehmen mit einer geeigneten Vergleichsgruppe bewerten. Ein breites Anlageuniversum bietet vielfältige Anlagemöglichkeiten; die Signale sollen helfen, darin jene Titel zu identifizieren, die im relativen Vergleich Potenzial für Mehrrenditen bieten.

Solche Märkte stellen allerdings auch besondere Anforderungen an die Umsetzung. Anlagen können dort stärkeren Schwankungen unterliegen und weniger liquide sein als in entwickelten Märkten; bei kleineren Unternehmen können zusätzliche Risiken hinzukommen. Signale müssen daher stets im Zusammenhang mit Liquidität, Anlagebeschränkungen und Handelskosten beurteilt werden, sodass Datenvalidierung, Risikokontrolle und Handelsdisziplin integrale Bestandteile der Umsetzung sind.

Für institutionelle Investoren ist entscheidend, wie das aktive Risiko eingesetzt wird. Ein höherer Tracking Error führt nicht automatisch zu einem proportionalen Anstieg der Mehrrendite gegenüber der Benchmark. Systematic Active Equity kann zusätzliche Renditen durch viele moderate statt durch wenige große Abweichungen anstreben. Der Ansatz kann sich für Investoren eignen, die aus ihrer Kernallokation mehr herausholen möchten, ohne unmittelbar das Risikoprofil klassischer, auf hohe Alpha-Erträge ausgerichteter Strategien einzugehen.

Auf Portfolioebene kann man sich das aktive Risiko als Stellregler vorstellen: An einem Ende steht die Indexnachbildung, Enhanced Active ergänzt kontrollierte Abweichungen bei niedrigem Tracking Error, und andere systematisch aktive Ansätze können den Regler weiter aufdrehen. Die jeweilige Einstellung richtet sich nach den Zielen, den Governance-Strukturen und dem Risikobudget des institutionellen Investors. Innerhalb eines Portfolios lassen sich auch unterschiedliche Einstellungen miteinander kombinieren.

Weitere Wahlmöglichkeiten ergeben sich bei der Umsetzung. Investoren können unterschiedliche Anforderungen an Exposures, Risikoziele und Anlagerestriktionen haben. Enhanced-Active-Strategien sind als gemeinschaftliche Fondslösungen oder individuell ausgestaltete Mandate verfügbar und lassen sich auch über ETFs umsetzen.

Insgesamt eröffnet Systematic Active Equity institutionellen Investoren die Möglichkeit, aktive Titelauswahl mit unterschiedlichen Niveaus des benchmarkrelativen Risikos zu verbinden. Durch die Verbindung ökonomisch fundierter Faktoren mit sich stetig weiterentwickelnden Daten- und Modellierungsverfahren überführt der Ansatz Erkenntnisse aus dem aktiven Research in diversifizierte Positionen und bietet zugleich Gestaltungsspielraum bei Risiko und Umsetzung. Sein Potenzial, Indexstrategien und traditionelle aktive Ansätze zu ergänzen und – abhängig von Exposures und Korrelationen – den Einsatz des aktiven Risikos breiter zu diversifizieren, spricht aus unserer Sicht für eine stärkere Rolle in institutionellen Portfolios.

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*) Frank Stefes, Head of Institutional Business Germany and Austria bei State Street Investment Management