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Gastbeitrag: Der „sichere Hafen“ – Mythos und Realität im Anleihemarkt

Der Begriff des sicheren Hafens ist tief im kollektiven Verständnis von Investoren verankert. Bildlich gesprochen beschreibt er einen Ort, an dem Schiffe Schutz vor Sturm, Wellengang und unberechenbaren Strömungen finden. Übertragen auf die Kapitalmärkte steht der sichere Hafen für Anlagen, die Stabilität, Werterhalt und vor allem eines bieten: Verlässlichkeit in Zeiten erhöhter Unsicherheit.

Wilhelm Wildschütz, MBA

Doch wie jeder Hafen ist auch der vermeintlich sichere Ort nicht per se frei von Risiken. Entscheidend ist, wie gut er vor äußeren Einflüssen schützt – und genau hier lohnt ein differenzierter Blick auf die Realität im Fixed-Income-Universum.

Viele Investoren setzen Staatsanleihen bester Bonität mit einem sicheren Hafen gleich. Diese Annahme greift jedoch zu kurz. Ein Blick auf die Volatilität von Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeiten zeigt ein differenziertes Bild: Während kurzfristige Geldmarktinstrumente kaum Kursschwankungen unterliegen, weisen längere Laufzeiten teils erhebliche Preisbewegungen auf. Mit zunehmender Duration steigt die Sensitivität gegenüber Zinsänderungen – und damit auch das Risiko von Kursverlusten.

Die Analogie zum Hafen wird hier besonders anschaulich: Nur die innersten, geschützten Bereiche bieten echten Schutz vor starkem Wellengang. Anleger, die sich weiter hinauswagen – etwa in länger laufende Anleihen – sind den Kräften des Marktes deutlich stärker ausgesetzt. Der „sichere Hafen“ endet somit nicht erst bei riskanteren Assetklassen, sondern bereits innerhalb des Staatsanleihesegments selbst.

Ein weit verbreitetes Missverständnis besteht zudem in der Annahme, dass Anleihen grundsätzlich als Gegengewicht zu Aktien fungieren. Historisch traf dies in bestimmten Phasen auch zu, insbesondere in einem Umfeld sinkender Inflation und fallender Zinsen. In solchen Szenarien profitieren Anleihekurse von einem strukturellen Rückenwind.

Doch dieses Verhältnis ist nicht stabil. In Phasen steigender Inflation, in denen Notenbanken gezwungen sind, die Zinsen anzuheben, zeigt sich häufig eine positive Korrelation zwischen Aktien- und Anleihemärkten. Beide Anlageklassen geraten unter Druck – ein Umstand, der viele traditionelle Diversifikationsansätze infrage stellt. Die Ursache der Marktbewegung wird somit zum entscheidenden Faktor für die Bewertung von „Sicherheit“.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Der sichere Hafen ist kein statisches Konzept, sondern kontextabhängig. Er definiert sich weniger über Emittentenqualität allein, sondern vielmehr über die Kombination aus Liquidität, Laufzeit und makroökonomischem Umfeld.

Aus unserer Sicht ist der einzig verlässliche Schutzraum im aktuellen Marktumfeld der Geldmarkt – insbesondere Instrumente der solidesten und liquidesten Emittenten. Hier sind Kursschwankungen minimal, die Transparenz hoch und die Wirkung geldpolitischer Veränderungen direkt nachvollziehbar. Genau diese Eigenschaften entsprechen dem, was Anleger intuitiv von einem sicheren Hafen erwarten: Ruhe, Planbarkeit und das Ausbleiben unangenehmer Überraschungen.

Ein Schiff, das im Hafen anlegt, sucht nach Sicherheit. Es möchte nicht auf versteckte Untiefen stoßen oder von unerwarteten Strömungen erfasst werden. Übertragen auf die Kapitalanlage bedeutet dies: Gerade im sicherheitsorientierten Segment sollten Komplexität und intransparente Risiken konsequent reduziert werden.

In diesem Sinne haben wir unser Angebot, den „eNOVA Active Core EUR Ultra Short Term ETF“, im Euro-Geldmarkt konzipiert – als sicheren Hafen im engsten Sinne. Wo liegen die Unterschiede zu üblichen Geldmarktfonds und was lässt sich ohne Risikoprämien an Rendite erzielen? Die Details stellen wir Ihnen beim IPE-D.A.CH-Webinar „Drei Bausteine für ein robustes Portfolio – Liquidität, Makro & US-Aktien“ am 23. April vor.

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*) Wilhelm Wildschütz, Founder & Managing Partner, Active Core Asset Management