Die von MFS entwickelte Blended-Research-Strategie setzt bei den einzelnen Unternehmen an. Hierzu werden zwei unterschiedliche Perspektiven vereint: Mit Fundamentalanalysen werden zum einen die Qualität eines Unternehmens, seine Bewertung und die Belastbarkeit der Anlagethese geprüft. Zum anderen wird mit Hilfe eines quantitativen Multifaktormodells eine Einschätzung zu Bewertung, Kurs- und Gewinnmomentum, Qualität und Sentiment vorgenommen. Beide Perspektiven werden auf der Einzeltitelebene unabhängig voneinander aggregiert. Ziel ist es, jene Unternehmen zu identifizieren, die aus beiden Blickwinkeln attraktiv erscheinen. Diese „Intersection Stocks“ werden im Rahmen der Diversifikations- und Risikovorgaben des Portfolios möglichst hoch gewichtet.
Dieser Überschneidungspunkt ist dabei von großer Bedeutung. Quantitative Modelle können große Anlageuniversen umfassend, systematisch und einheitlich auswerten, während die Fundamentalanalyse Urteilsvermögen, Kontext und eine längerfristige Sicht auf geschäftliche Veränderungen einbringt. Beide Ansätze ergänzen sich und stärken dadurch den Anlageprozess. So wird jede Anlageidee aus zwei Blickwinkeln geprüft, bevor investiert wird.
Welche Perspektive erfolgreicher ist, hängt vom Marktumfeld ab. In manchen Phasen treiben fundamentale Einschätzungen die Wertentwicklung, in anderen sind es eher quantitative Faktoren. Auch die Wirksamkeit einzelner Faktoren innerhalb der quantitativen Modelle schwankt je nach Marktumfeld oder Konjunkturphase. Unser kombinierter Ansatz ist darauf ausgelegt, die unterschiedlichen Stärken zu nutzen um die meisten Marktbedingungen zu meistern.
In Europa zählt die Einzeltitelauswahl
In besonderem Maße gilt dies für Europa. Europäische Aktien sind aus unserer Sicht mehr als nur eine günstige Alternative zu US-Titeln. Sie sind deutlich zyklischer und stärker fragmentiert; Länder, Branchen und Unternehmen entwickeln sich oft unterschiedlich. Statt pauschal auf Europa zu setzen, geht es mehr darum, attraktiv bewertete Unternehmen zu identifizieren, deren Fundamentaldaten sich verbessern und/oder für die sich die Marktstimmung aufhellt. Bei der Portfoliokonstruktion begrenzen wir die Abweichung zur Benchmark und nehmen dennoch eine klare Position ein: Statt breit auf ganze Länder oder Sektoren zu setzen, fokussieren wir uns auf fundierte Einzeltitelauswahl.
Das aktuelle Umfeld unterstreicht diesen Aspekt. Eine unterstützende Zentralbankpolitik, staatliche Investitionen und Deregulierungsinitiativen könnten für europäische Aktien Rückenwind bedeuten. Gleiches gilt für die sich aufhellenden Konjunkturdaten und Gewinnprognosen, zumal die Börsen inzwischen nicht mehr nur von wenigen globalen Wachstumswerten angeführt werden. Die Risiken dürfen jedoch nicht unterschätzt werden: politische und geopolitische Unsicherheit, ungleichmäßiges Wachstum, hohe Energiekosten und ein mögliches Nachlassen des zyklischen Optimismus. Aus unserer Sicht spricht dies gegen einen Top-Down-Ansatz und vielmehr für einen disziplinierten Weg zur Identifikation von Unternehmen mit attraktiver relativer Bewertung, überdurchschnittlicher Qualität und einem plausiblen Auslöser für eine Neubewertung.
Sowohl als auch: Wenn beide Analyseansätze dieselbe Aktie stützen
In der Praxis setzen wir weder nur auf Qualitätsaktien noch schlicht auf die günstigsten Titel im Index. Die größten aktiven Gewichte erhalten typischerweise Unternehmen, die sowohl unsere fundamentalen Analysten als auch die quantitativen Modelle überzeugen. Das kann global erfolgreiche europäische Unternehmen wie ASML umfassen, bei denen die langfristige Nachfrage nach Halbleiterausrüstung gegen Bewertungs- und Konjunkturrisiken abgewogen werden kann. Es kann aber auch für Novartis und Roche gelten, bei denen Innovationen im Gesundheitswesen und robuste Bilanzen zusammen mit Gewinn- und Sentimentsignalen im Vordergrund stehen. Oder für Nestlé, wo defensive Eigenschaften gegen Wachstumsaussichten und der Bewertung abgewogen werden müssen.
Dies sind natürlich nur Beispiele. Es geht weder darum, dass zu jedem Preis in diese Titel investiert werden sollte, noch darum, dass die größten europäischen Unternehmen das Portfolio dominieren sollten. Für den Umfang einer Position orientieren wir uns bewusst am MSCI Europe Index, damit auch große Indexwerte im Verhältnis zu ihrem Risiko gewichtet werden. Das gleiche Rahmenwerk kann übrigens auf sehr unterschiedliche Unternehmen – wie etwa die oben genannten Namen für Investitionsgüter, Pharma, Lebensmittel oder auch Finanz- und Industriefirmen – angewendet werden, sofern sich Bewertung, Gewinnentwicklung und Analystenmeinung verbessern. In einem so vielfältigen Markt wie Europa ist diese Bandbreite ein entscheidender Faktor.
Gezielte Risiken im Portfolio
Breite darf nicht mit fehlender Fokussierung verwechselt werden. Eine gezielte Allokation in europäische Aktien erfordert kein aggressives Portfolio, aber es muss klar sein, wo man aktiv Risiken eingeht. Die Strategie zielt üblicherweise auf einen prognostizierten Tracking Error von rund 2 % sowie ein Beta nahe 1,0, wobei die Gewichtungen von Sektoren und Einzeltiteln gegenüber der Benchmark meist innerhalb definierter Bandbreiten von +/- 2 Prozentpunkten bleiben. Dieser Rahmen bildet die Grundlage dafür, dass die aktive Rendite vor allem durch die Titelauswahl und nicht mit großen Makro-, Länder- oder Sektor-Allokationen erzielt wird.
Gerade in Europa können die Top-Positionen an den Aktienmärkten rasch zwischen Value-, Momentum- und Qualitätsaktien sowie zyklischen und defensiven Werten wechseln. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass quantitative Signale vor allem in Trendphasen hilfreich waren. Fundamentale Analysen können sich dagegen in Umbruchphasen und bei abkühlender Konjunktur als wertvoller erweisen. Beide Ansätze haben ihre individuellen Stärken. Der Vorteil von „Blended Research“ liegt deshalb nicht darin, dass Unsicherheiten beseitigt werden, sondern darin, dass jede Anlageidee mehrere Prüfungen durchlaufen muss, bevor mit Überzeugung investiert wird. Das macht „Intersection Alpha“ zu einer Disziplin, nicht einem Slogan.
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*) Jeffrey Morrison, Institutional Portfolio Manager, und Daniel Theilen, Head of Institutional Sales DACH, beide MFS Investment Management
Gastbeitrag: Das UND als Erfolgsfaktor – fundamentale Analyse und quantitative Signale Hand in Hand
Jeffrey Morrison
Daniel Theilen
