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Gastbeitrag: Bitcoin vs. Gold: Warum sich zwei „harte Assets“ im Portfolio ergänzen

In einem Umfeld steigender geopolitischer Unsicherheit, wachsender Staatsverschuldung und anhaltender Inflationsrisiken rücken sogenannte „harte Assets“ zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren. Viele Anleger suchen nach Möglichkeiten, ihre Portfolios gegen monetäre Entwertung und makroökonomische Unsicherheiten abzusichern, ohne auf strukturelle Diversifikationseffekte zu verzichten.

Dr. André Dragosch

In diesem Kontext hat sich Bitcoin neben Gold eine Position als zentrales Wertaufbewahrungsinstrumente aufgebaut. Beide stehen für Knappheit und profitieren strukturell von einem schwindenden Vertrauen in Fiat-Währungen und staatliche Schuldtitel. Dennoch greifen einfache Gleichsetzungen zu kurz – ihre eigentliche Stärke liegt in der funktionalen Ergänzung.

Komplementarität statt Konkurrenz
Viele Investoren betrachten Gold und Bitcoin noch immer als alternative Optionen. Empirische Daten sprechen jedoch für eine andere Perspektive: Mit einer langfristig niedrigen Korrelation von rund 0,09 agieren beide Assets weitgehend unabhängig voneinander, was ihre kombinierte Wirkung im Portfolio interessant macht.

Gerade diese geringe Korrelation eröffnet Diversifikationspotenziale. Beide Assets konkurrieren nicht um denselben Platz im Portfolio, sondern ergänzen sich durch ihre unterschiedliche Wirkungsweise. Während beide von ähnlichen makroökonomischen Trends profitieren, reagieren sie höchst unterschiedlich auf Marktveränderungen.

Assets mit unterschiedlichen Marktlogiken
Gold bleibt ein zentraler defensiver Anker. In Phasen akuter systemischer Schocks stabilisiert es das Portfolio durch seine physischen Eigenschaften und das Fehlen von Gegenparteirisiken. Das Edelmetall gilt weiterhin als etablierter „Safe Haven“ und bewährte Absicherung gegen Marktabschwünge.

Bitcoin erweitert dieses Versprechen um eine technologische Dimension. Er teilt zentrale Eigenschaften sogenannter „Counterparty-Risk-Free“-Assets, verlagert die Grundlage der Knappheit jedoch von physischen auf algorithmische Mechanismen. Während ein steigender Goldpreis tendenziell zu einer Ausweitung der Fördermenge führen kann, ist die Angebotsstruktur von Bitcoin im Protokoll festgelegt – die Begrenzung ist gewissermaßen in der „DNA“ des Systems verankert. Die maximale Anzahl von 21 Millionen Einheiten definiert dabei eine klare Obergrenze für das Gesamtangebot.

Vor diesem Hintergrund wird Bitcoin häufig als Asset mit vergleichsweise geringer Angebotselastizität gegenüber Nachfrageveränderungen eingeordnet – ein Merkmal, das ihn von Fiat-Währungen und vielen Rohstoffen unterscheidet.

Bitcoin als zyklischer Renditebaustein
In der praktischen Marktbeobachtung lässt sich Bitcoin weniger als klassischer sicherer Hafen einordnen, sondern vielmehr als zyklischer Renditebaustein, der vor allem von sich verändernden Liquiditätsbedingungen und Kapitalströmen profitiert. Seine Stärke liegt insbesondere in Phasen steigender Liquidität und wachsender Risikobereitschaft, in denen er deutlich an Marktbewegungen partizipieren kann.

Gleichzeitig zeigt sich, dass Bitcoin in bestimmten Marktsegmenten eine ergänzende Schutzfunktion einnehmen kann. Historisch entwickelte er sich in Phasen steigender Zinsen häufig stabiler als Staatsanleihen und kann damit insbesondere im Anleihekontext eine zusätzliche Diversifikationskomponente darstellen.

Die Asymmetrie der Sicherheiten: Gold bremst, Bitcoin beschleunigt
Die unterschiedliche Funktionsweise beider Assets wird insbesondere im Zusammenspiel deutlich. Gold entfaltet seine Stärke vor allem in Abwärtsphasen der Aktienmärkte und trägt zur Stabilisierung des Portfolios bei. Bitcoin hingegen profitiert stärker von anschließenden Erholungsphasen sowie von expansiven Marktphasen.

Kurzum: Gold wirkt in Stressphasen stabilisierend, während Bitcoin seine Stärke in der anschließenden Erholung sowie in expansiven Liquiditätszyklen entfaltet. Diese asymmetrische Wirkungsweise ermöglicht es, unterschiedliche Marktphasen gezielt abzudecken und das Portfolio robuster aufzustellen.

Für institutionelle Investoren ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Gold und Bitcoin sollten nicht als konkurrierende, sondern als komplementäre Bausteine betrachtet werden.

Diversifikation im Portfolio neu gedacht
Klassische Diversifikationsmodelle stehen zunehmend unter Druck – nicht zuletzt, weil sich traditionelle Korrelationen, etwa zwischen Aktien und Anleihen, verändern oder phasenweise abschwächen. Die Kombination aus Gold und Bitcoin kann in diesem Kontext eine ergänzende Rolle spielen. Entscheidend ist die angemessene Gewichtung beider Assets im Portfolio. Eine ausgewogene Allokation kann dazu beitragen, stabilisierende Effekte in Stressphasen mit dynamischeren Renditechancen in Erholungsphasen zu verbinden.

Vor diesem Hintergrund wird auch im institutionellen Umfeld zunehmend diskutiert, inwiefern digitale Assets perspektivisch eine ergänzende Rolle neben klassischen Anlagen wie Staatsanleihen einnehmen können. Die Kombination aus physischer und digitaler Knappheit wird dabei von einigen Marktteilnehmern als potenziell interessanter Baustein für die Weiterentwicklung moderner Portfoliostrukturen betrachtet.

Mit wachsender institutioneller Nachfrage rückt auch die Frage nach der praktischen Umsetzung in den Fokus. Investoren suchen zunehmend nach strukturierten Lösungen, die beide Anlageformen effizient kombinieren. Ein Beispiel ist das Bitwise Diaman Bitcoin & Gold ETP, das beide Assets in einem regelbasierten Ansatz auf Basis eines Ulcer Index miteinander verbindet. Durch eine dynamische Gewichtung sollen unterschiedliche Marktphasen berücksichtigt und die jeweiligen Stärken der beiden Komponenten genutzt werden. Dieser Mechanismus nutzt die niedrige Korrelation beider Assets gezielt aus: In volatilen Phasen greift die stabilisierende Funktion von Gold, während in expansiven Zyklen die Dynamik von Bitcoin stärker zum Tragen kommen kann.

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*) Dr. André Dragosch, Head of Research, Bitwise Europe