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ETF-Flows: Anleger setzen auf Aktien – und meiden bei Anleihen die Duration

Europas ETF-Markt verzeichnete im August Nettozuflüsse von 43 Mrd. Euro. Mehr als vier Fünftel davon gingen in Aktienstrategien. Während Anleger dort vor allem auf die USA und globale Märkte setzen, zeigt die Rentenseite ein anderes Bild: Staatsanleihen sind gefragt, längere Zinsrisiken dagegen deutlich weniger.

Die Risikobereitschaft der europäischen ETF-Anleger bleibt hoch. Im August flossen netto 43,0 Mrd. Euro in UCITS-ETFs. Davon entfielen 35,4 Mrd. Euro auf Aktien- und 7,2 Mrd. Euro auf Fixed-Income-ETFs. Das gesamte verwaltete Vermögen des europäischen ETF-Marktes erreichte Ende August rund 3,21 Billionen Euro. Das geht aus dem aktuellen ETF Money Monitor von Amundi hervor. Die Auswertung basiert auf Daten von Amundi und Bloomberg und erfasst die Mittelbewegungen im europäischen UCITS-ETF-Markt vom 1. bis 31. August 2026.

Damit gingen mehr als 80% der Mittelzuflüsse in Aktienprodukte. Der Blick unter die Oberfläche zeigt allerdings eine differenziertere Positionierung.

USA und globale Aktien dominieren
Bei Aktien-ETFs konzentrierte sich das Neugeschäft vor allem auf große, liquide Kernallokationen. US-Aktienstrategien sammelten im August rund 9,25 Mrd. Euro ein. Nahezu gleichauf lagen globale All-Country-ETFs mit 9,22 Mrd. sowie Developed-World-Produkte mit 9,12 Mrd. Euro. Europa kam dagegen auf 4,53 Mrd. Euro, Emerging Markets auf 2,59 Mrd. Euro.

Damit setzen Anleger zwar deutlich auf Aktienrisiko, bevorzugen aber vor allem breit diversifizierte globale beziehungsweise US-amerikanische Exposures. Die Mittelzuflüsse nach Europa bleiben im Vergleich dazu deutlich zurück.

Auch bei den Sektoren bleibt Technologie gefragt. IT-ETFs verbuchten im August rund 2,22 Mrd. Euro Nettozuflüsse und lagen damit deutlich vor Materials und Financials mit jeweils weniger als 800 Mio. Euro. Bei Themen-ETFs lagen Climate Change, Gold und Halbleiter mit jeweils rund 680-700 Mio. Euro nahezu gleichauf.

Das ergibt ein interessantes Nebeneinander: Anleger suchen einerseits weiterhin Wachstums- und Technologieexposure, andererseits fließt gleichzeitig Kapital in Gold- und ausgewählte diversifizierende Strategien.

Income und Quality ergänzen das Risk-on-Bild
Dass die hohen Aktienzuflüsse nicht mit einer einseitigen Jagd nach maximalem Risiko gleichzusetzen sind, zeigt auch die Smart-Beta-Auswertung.

Hier waren Income-Strategien mit 2,27 Mrd.´Euro der mit Abstand größte Gewinner. Equal-Weight-ETFs erhielten 916 Mio. Euro, Quality-Strategien 735 Mio, und Momentum 512 Mio. Euro.

Das spricht für eine selektive Risikobereitschaft: Aktien bleiben der bevorzugte Renditebaustein, gleichzeitig suchen Anleger innerhalb des Aktienexposures nach laufenden Erträgen, Qualität und einer breiteren Verteilung der Risiken.

Fixed Income: Sicherheit ja, Duration eher nein
Noch klarer ist die Positionierung auf der Rentenseite. Von insgesamt 7,16 Mrd. Euro Nettozuflüssen in Fixed-Income-ETFs entfielen 3,23 Mrd. Euro auf Staatsanleihen. Investment-Grade-Unternehmensanleihen kamen auf 1,75 Mrd. Euro, Money-Market-Produkte auf 1,15 Mrd. High Yield spielte mit 405 Mio. Euro eine wesentlich kleinere Rolle.

Entscheidend ist jedoch die Laufzeitenstruktur. Short-Term-Staatsanleihen erhielten 1,43 Mrd. Euro, Ultra-Short-Produkte weitere 954 Mio. Euro. Aus dem mittleren Laufzeitsegment flossen dagegen 849 Mio. Euro ab.

Besonders ausgeprägt war diese Entwicklung bei US-Staatsanleihen. Ultra-Short-Treasury-ETFs sammelten 1,10 Mrd. Euro ein, Short-Term-Produkte 1,06 Mrd. Euro. Gleichzeitig verzeichneten mittlere Laufzeiten Abflüsse von 892 Mio. Euro.

Das lässt sich als deutliche Zurückhaltung gegenüber Duration lesen. Anleger wollen die Sicherheit und laufende Verzinsung von Staatsanleihen nutzen, vermeiden aber zumindest im August eine stärkere Positionierung am mittleren Ende der Zinskurve.

ESG mit 8,3 Mrd. Euro – aber Non-ESG wächst stärker
Auch ESG-ETFs verzeichneten erhebliche Zuflüsse. Insgesamt flossen im August 8,33 Mrd. Euro in entsprechende Produkte, davon rund 7,21 Mrd. in Aktien- und 1,12 Mrd. Euro in Rentenstrategien.

Im Verhältnis zum gesamten Neugeschäft bleibt ESG allerdings klar in der Minderheit. Bei Aktien-ETFs standen den 7,2 Mrd. Euro ESG-Zuflüssen rund 28,2 Mrd. Euro in Non-ESG-Produkten gegenüber. Bei Fixed Income betrug das Verhältnis 1,12 zu gut sechs Milliarden Euro.

Von einem breiten ESG-Comeback lässt sich anhand der August-Daten daher kaum sprechen. Nachhaltige Strategien ziehen substanzielles Kapital an, das Gros des Neugeschäfts findet jedoch außerhalb expliziter ESG-Produkte statt.

Risk-on mit eingebauter Vorsicht
Insgesamt zeichnet der August ein bemerkenswert konsistentes Bild. ETF-Anleger sind bereit, Risiken einzugehen: Mehr als vier von fünf neu investierten Euro flossen in Aktienprodukte. Bevorzugt werden die USA, globale Märkte und Technologie.

Auf der Rentenseite ist die Botschaft dagegen defensiver. Staatsanleihen und Geldmarktprodukte sind gefragt, gleichzeitig wird insbesondere mittlere Duration gemieden.

Der vermeintliche Widerspruch löst sich aus Portfoliosicht auf: Anleger suchen Rendite offenbar primär über ihre Aktienallokation, während Fixed Income stärker die Funktion von Stabilität, Liquidität und laufendem Ertrag übernimmt.

Gerade diese Arbeitsteilung zwischen den beiden großen Anlageklassen ist der interessanteste Befund des aktuellen Amundi Money Monitor. Die August-Flows signalisieren damit weniger ein undifferenziertes „Risk-on“ als vielmehr eine gezielte Risikobudgetierung: Aktien für Renditepotenzial, kurze Anleihen für Stabilität.