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„Eine disziplinierte Value-Strategie heute mehr denn je relevant“

RQI Investors, ein in Australien ansässiger aktiver quantitativer Aktienmanager und Teil der First Sentier Group, gab vergangene Woche den Start seines Anlageangebots in Deutschland bekannt. RQI Investors wurde 2008 gegründet und ist auf aktive quantitative Aktienstrategien in den Bereichen globale Aktien, Emerging Markets und globale Small Caps spezialisiert. Die Gesellschaft kombiniert dabei disziplinierte systematische Modelle mit der menschlichen Expertise und Erfahrung. IPE D.A.CH Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit Dr. David Walsh, Head of Investments bei RQI Investors über quantitative Strategien, künstliche Intelligenz – und warum Diversifikation wieder entscheidend wird.

Dr. David Walsh

IPE D.A.CH: Dr. Walsh, Sie bringen Ihre quantitativen Strategien jetzt auch nach Deutschland. Warum glauben Sie, dass diese bei hiesigen Investoren Anklang finden?
Walsh: Deutschland ist ein Markt, in dem institutionelle Investoren traditionell großen Wert auf Kontrolle, Transparenz und belastbare Track Records legen. Genau hier setzen wir an. Wir bringen ein quantitatives Aktienmanagement mit, das über viele Marktzyklen hinweg erprobt wurde und auf einem disziplinierten, forschungsgetriebenen Ansatz basiert. Gerade unsere Global-Value-Strategie adressiert ein wachsendes Bedürfnis: Viele Portfolios sind heute stark auf wenige große Technologieunternehmen konzentriert. Entsprechend steigt das Interesse an Strategien, die breiter diversifizieren und andere Renditetreiber erschließen.

IPE D.A.CH: Worin unterscheidet sich Ihr Ansatz von klassischen Value-Investoren?
Walsh: Der entscheidende Unterschied ist der systematische Rahmen. Wir kaufen nicht einfach die günstigsten Aktien. Unser Ansatz kombiniert eine diversifizierte Ausrichtung auf Value-Aktien mit zusätzlichen Signalen etwa zu Qualität, Momentum und Marktstimmung. Dadurch versuchen wir gezielt, sogenannte Value Traps zu vermeiden – also Unternehmen, die zwar billig erscheinen, deren Fundamentaldaten aber strukturell schwach sind. Das macht unseren Value-Ansatz deutlich robuster.

IPE D.A.CH: Was ist die Grundidee hinter Ihrem quantitativen Investmentansatz?
Walsh: Im Kern steht die Überzeugung, dass Märkte nicht vollständig effizient sind. Statt einzelne Unternehmen isoliert zu analysieren, betrachten wir Aktien als Bündel von Eigenschaften. Wir identifizieren diejenigen Merkmale, die historisch mit Überrenditen verbunden waren, und konstruieren Portfolios, die gezielt in diese Richtung gewichtet sind. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Diversifikation: Unsere Strategien umfassen mehrere hundert Titel und reduzieren damit unternehmensspezifische Risiken deutlich.

IPE D.A.CH: Wie genau setzen Sie das in Ihrer Global-Value-Strategie um?
Walsh: Wir arbeiten mit einem zweistufigen Modell. Zunächst bauen wir ein strukturelles Value-Portfolio auf, das auf Kennzahlen wie Buchwert, Cashflows oder Dividenden basiert – also bewusst unabhängig vom Marktpreis konstruiert wird. Damit stellen wir sicher, dass das Portfolio dauerhaft günstiger bewertet ist als der Markt. In einem zweiten Schritt kommt unser Alpha-Modell hinzu, das zusätzliche Signale integriert. So differenzieren wir innerhalb des Value-Universums und bevorzugen günstigere Unternehmen mit besseren Perspektiven.

IPE D.A.CH: Sie nutzen auch künstliche Intelligenz. Welche Rolle spielt sie konkret?
Walsh: KI ist für uns ein Werkzeug, kein Ersatz für Anlageentscheidungen. Wir nutzen Machine Learning, um bestimmte analytische Fragestellungen effizienter zu lösen. Ein Beispiel ist die relative Bewertung von Unternehmen: Statt starre Vergleichsgruppen zu verwenden, identifizieren wir dynamisch passende Peers. Wichtig ist aber: Die Investmentidee kommt immer vom Menschen. KI unterstützt die Umsetzung, sie trifft keine autonomen Entscheidungen.

IPE D.A.CH: Ihre Strategien basieren auf der Annahme, dass Märkte ineffizient sind. Worauf stützt sich diese Überzeugung?
Walsh: Ein zentraler Beleg ist der sogenannte Value-Premium-Effekt. Historisch haben günstig bewertete Unternehmen langfristig besser abgeschnitten als teure Titel. Diese Überrendite ist zwar nicht kontinuierlich sichtbar – es gab auch längere Phasen der Underperformance –, aber über lange Zeiträume hinweg ist sie gut dokumentiert. Wir führen das vor allem auf Verhaltensmuster von Investoren zurück, etwa die Tendenz, Wachstum zu überschätzen und zu weit in die Zukunft fortzuschreiben.

IPE D.A.CH: Wie gehen Sie mit Phasen um, in denen Value unter Druck steht?
Walsh: Das gehört zur Natur dieses Anlagestils. Zwischen 2011 und 2020 etwa waren Value-Strategien global herausgefordert. Unser Ansatz zielt darauf ab, solche Phasen abzufedern – durch Diversifikation und die Integration zusätzlicher Signale. Entscheidend ist die Disziplin: Wir folgen einem klar definierten Prozess, unabhängig von kurzfristigen Markttrends.

IPE D.A.CH: Wie unterscheiden sich Ihre Portfolios konkret von klassischen Benchmark-Indizes?
Walsh: In drei Punkten: Bewertung, Konzentration und Streuung. Erstens sind unsere Portfolios systematisch günstiger bewertet. Zweitens sind sie in einzelnen Aktienpositionen deutlich weniger konzentriert – viele Indizes werden heute von wenigen großen Unternehmen dominiert. Und drittens verfügen wir über eine wesentlich breitere Diversifikation mit mehreren hundert Einzeltiteln. Das führt zu einem anderen Renditeprofil, das kurzfristig vom Markt abweichen kann, langfristig aber stabiler sein soll.

IPE D.A.CH: Welche Rolle kann die Global-Value-Strategie von RQI aktuell im Portfolio spielen?
Walsh: Sie kann drei Funktionen erfüllen: als Renditequelle, als Diversifikator und als Gegengewicht zu wachstumsorientierten Strategien. Gerade die Konzentration in vielen Portfolios ist zuletzt stark gestiegen. Eine Value-Strategie hilft, dieses Risiko zu reduzieren und die Abhängigkeit von einzelnen Titeln oder Sektoren zu verringern.

IPE D.A.CH: Wie widerstandsfähig ist Ihr Ansatz in Zeiten geopolitischer Unsicherheit?
Walsh: Kein systematischer Ansatz ist vollständig immun gegen kurzfristige Marktschocks. Gerade abrupte Regimewechsel oder geopolitische Ereignisse lassen sich schwer antizipieren. Allerdings verfügen wir über Mechanismen, die Stabilität schaffen: eine hohe Diversifikation, strenge Risikokontrollen und eine klare Transparenz in der Performance-Analyse. Das hilft, auch in volatilen Phasen nachvollziehbar zu bleiben.

IPE D.A.CH: Was unterscheidet Sie von anderen quantitativen Asset Managern?
Walsh: Zum einen die Kombination aus strukturellem Value-Kern und Alpha-Modell. Zum anderen unser Anspruch an Transparenz: Unsere Modelle sind keine „Black Box“, sondern basieren auf ökonomisch nachvollziehbaren Prinzipien. Hinzu kommt die Skalierbarkeit unserer Strategien und die Erfahrung unseres Teams. Quantitatives Investieren ist keine reine Technologiefrage – es geht darum, Ideen kontinuierlich weiterzuentwickeln und sauber umzusetzen.

IPE D.A.CH: Ihr Fazit für Investoren?
Walsh: Wir glauben, dass eine disziplinierte Value-Strategie heute mehr denn je relevant ist. Sie bietet die Chance auf langfristige Überrenditen und gleichzeitig eine wirksame Diversifikation – zwei Eigenschaften, die in einem zunehmend konzentrierten Marktumfeld an Bedeutung gewinnen dürften.

IPE D.A.CH: Besten Dank für die Einblicke.