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Bewertungsanomalien als Alphaquelle – wie sich City of London Investment Management in Emerging Markets positioniert

Nach Jahren relativer Vernachlässigung rücken Schwellenländer wieder verstärkt in den Fokus institutioneller Investoren. Während sich viele Marktteilnehmer auf klassische Aktien- oder ETF-Strategien konzentrieren, verfolgt City of London Investment Management (CLIM) seit mehr als drei Jahrzehnten einen spezialisierten Ansatz: Investitionen in börsennotierte Closed-End-Funds mit systematischer Nutzung von Bewertungsabschlägen.

Oliver Marschner

Justin Kariya

Das 1991 gegründete und an der London Stock Exchange notierte Haus verwaltet rund 7,1 Mrd. US-Dollar. Mit rund 25 Investmentexperten in London, Singapur und den USA ist CLIM global aufgestellt und kann Märkte nahezu rund um die Uhr beobachten und handeln. Historisch lag der Schwerpunkt auf Schwellenländern, das Anlageuniversum wurde jedoch in den vergangenen 10 bis 15 Jahren auf entwickelte Märkte, opportunistische Strategien und Listed Private Equity ausgeweitet. Derzeit entfallen rund 3,8 Mrd. US-Dollar auf Emerging Markets, 2,6 Mrd. auf entwickelte Märkte sowie kleinere Volumina auf Spezialstrategien.

Closed-End-Funds: Chancen in „ineffizienter Anlageklasse“
Closed-End-Funds unterscheiden sich strukturell von offenen Investmentfonds: Die Anzahl der Anteile ist fix, der Handel erfolgt börslich. Der Marktpreis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage und kann deutlich vom Nettoinventarwert (NAV) abweichen. Genau diese Abweichungen stehen im Zentrum der Strategie von CLIM.

„Wir investieren bevorzugt bei hohen Abschlägen und reduzieren Positionen, wenn sich diese verringern“, beschreibt Oliver Marschner, Portfoliomanager und Head of Emerging Markets Equity bei CLIM, den Ansatz. Ziel sei es, das Länder-Exposure weitgehend konstant zu halten, während innerhalb desselben Marktes zwischen Fonds mit unterschiedlichen Bewertungsniveaus umgeschichtet wird. So lasse sich das gleiche ökonomische Risiko günstiger abbilden.

Der Investmentprozess kombiniert drei Ebenen: makroökonomische Länderallokation, qualitative Auswahl etablierter Fondsmanager und konsequente Nutzung von Bewertungsanomalien. Bevorzugt wird über große internationale Anbieter investiert, die über lokale Research-Teams verfügen. Rund zwei Drittel der historischen Outperformance stammen laut Marschner aus der Abschlagsstrategie, etwa ein Drittel aus der Länderallokation.

Hinzu kommt ein aktiver Governance-Ansatz: Da Closed-End-Funds eine eigene Verwaltungsstruktur besitzen, können Investoren Einfluss nehmen. Bei dauerhaft schwacher Performance setzt CLIM auf Dialog mit Verwaltungsräten, Managerwechsel oder Aktienrückkäufe. Letztere steigern den Wert pro Anteil unmittelbar, sofern sie unter NAV erfolgen.

Makroausblick: drei strukturelle Treiber
Aus makroökonomischer Sicht sieht CLIM viele Schwellenländer in einer günstigen Ausgangslage. Nach mehreren Jahren schwacher Performance haben Emerging Markets zuletzt sowohl globale Aktienmärkte als auch den US-Markt übertroffen – bei weiterhin moderater Bewertung.

Justin Kariya, Chefstratege Wirtschaft und Märkte, identifiziert dazu drei zentrale Treiber: Erstens den US-Dollar: Historisch besteht eine inverse Korrelation zwischen US-Dollarstärke und Emerging-Markets-Performance. Erwartete Zinssenkungen in den USA und fiskalpolitische Unsicherheiten könnten den US-Dollar schwächen und damit die Finanzierungsbedingungen für Schwellenländer verbessern.

Zweitens das Thema Künstliche Intelligenz. Der Technologiesektor stellt inzwischen den größten Anteil am MSCI Emerging Markets Index. Führende Unternehmen aus Asien sind zentrale Zulieferer für Halbleiter, Speicherchips und Infrastruktur. Die hohen Investitionen in Rechenzentren und KI-Anwendungen wirken sich entlang der Lieferketten positiv auf die Gewinnentwicklung aus.

Drittens China. Nach den starken Verwerfungen der Jahre 2021 bis 2023 hat sich das wirtschaftliche Umfeld stabilisiert. Zwar liegt das Wachstum deutlich unter früheren zweistelligen Raten, bewegt sich aber im Bereich von rund 5% p.a. real. Die Beziehungen zwischen den USA und China haben sich zuletzt etwas entspannt, und technologische Innovationen wecken erneut Investoreninteresse. Zudem existiert ein hohes inländisches Sparvolumen, das potenziell in den Aktienmarkt gelenkt werden könnte.

CLIM rechnet daher mit zweistelligen Gewinnzuwächsen in den Schwellenländern – vergleichbar mit den USA, jedoch auf Basis deutlich niedriger Bewertungsmultiplikatoren. Sollte mindestens ein Teil der genannten Treiber anhalten, erscheine eine Neubewertung möglich.

Länderschwerpunkte und Risiken
Auf Einzelländerebene sieht das Haus derzeit Südkorea besonders attraktiv positioniert. Der Speicherchip-Sektor profitiert direkt von der steigenden Nachfrage nach KI-Anwendungen, während südkoreanische Unternehmen technologisch führend sind. Gleichzeitig erscheinen die Bewertungen im Vergleich zu Taiwan günstiger. Positiv wirkt zudem eine Reformagenda zur Stärkung der Corporate Governance, die auf mehr Kapitalmarktorientierung und Aktionärsrechte abzielt.

Ein ergänzendes, noch spekulatives Thema ist Robotik, das eng mit KI verknüpft ist. Auch hier verfügt Südkorea über relevante Industriekompetenzen, wenngleich sich die Effekte bislang kaum in den Gewinnen niederschlagen.

Vorsicht äußert CLIM hingegen gegenüber Südafrika. Nach einem außergewöhnlich starken Vorjahr, insbesondere im rohstoffnahen Sektor, erscheinen die Erwartungen hoch. Hinzu kommen politische Unsicherheiten im Umfeld einer instabilen Regierungskoalition.

Fazit
City of London Investment Management kombiniert makroökonomische Länderallokation mit einer strukturellen Ineffizienzstrategie in Closed-End-Funds. Der Fokus auf Bewertungsabschläge, aktives Umschichten und Governance-Interventionen zielt auf Alpha jenseits klassischer Emerging-Markets-Exposure ab. Vor dem Hintergrund günstiger Bewertungen, struktureller Wachstumstreiber wie KI und einer graduellen Stabilisierung Chinas sieht das Haus Schwellenländer für 2026 in einer Phase mit attraktivem Chance-Risiko-Profil – vorausgesetzt, die makroökonomischen Rahmenbedingungen bleiben unterstützend.