Die M.M.Warburg & CO hat den Verkauf ihrer Tochtergesellschaft Marcard, Stein & Co an Rothschild & Co vereinbart. Der traditionsreiche Hamburger Multi-Family-Office-Anbieter mit Vollbanklizenz soll künftig Teil der internationalen Rothschild-&-Co-Gruppe werden. Die Transaktion steht noch „unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen Genehmigungen“.
Mit dem Verkauf setzt Warburg den bereits seit mehreren Jahren laufenden Umbau konsequent fort. Die Privatbank verfolgt das Ziel, ihre Organisationsstruktur zu verschlanken und sich stärker auf ihre Kernaktivitäten im Private Banking sowie im Corporate Banking zu konzentrieren. Gleichzeitig sollen Geschäftsbereiche reduziert werden, die mit steigenden regulatorischen Anforderungen, hohen Investitionen in Technologie oder zusätzlichen Kapitalanforderungen verbunden sind.
„Wir möchten uns in Zukunft noch konsequenter auf unsere Kerngeschäftsfelder konzentrieren: erstklassiges Private Banking mit persönlicher Beratung sowie das Finanzierungsgeschäft im Corporate Banking“, erklärt Stephan Schrameier. Langfristige Kundenbeziehungen und unternehmerisches Verständnis stünden dabei im Mittelpunkt.
Bedeutender Schritt im deutschen Family-Office-Markt
Für Rothschild & Co stellt die Übernahme einen wichtigen strategischen Schritt im deutschen Wealth-Management-Geschäft dar. Das Haus zählt weltweit zu den führenden unabhängigen Finanzgruppen und verwaltet im Wealth- und Asset-Management-Bereich Vermögen in dreistelliger Milliardenhöhe. Deutschland gilt dabei als einer der wichtigsten europäischen Märkte für die Betreuung vermögender Unternehmerfamilien, Stiftungen und Family Offices.
Marcard, Stein & Co nimmt in diesem Markt seit vielen Jahren eine besondere Stellung ein. Das Unternehmen gehört zu den bekanntesten Multi Family Offices Deutschlands und verfügt als eines der wenigen Häuser seiner Art über eine eigene Vollbanklizenz. Der Schwerpunkt liegt auf der ganzheitlichen Betreuung hochvermögender Privatkunden, Unternehmerfamilien, Family Offices und Stiftungen. Neben Vermögensverwaltung und strategischer Asset Allocation umfasst das Angebot unter anderem Family-Office-Dienstleistungen, Nachfolgeplanung sowie die Koordination komplexer Vermögensstrukturen.
Für Rothschild & Co eröffnet die Übernahme damit nicht nur Zugang zu einer etablierten Kundenbasis, sondern auch zu zusätzlicher Expertise im Family-Office-Geschäft.
Kontinuität für Kunden im Fokus
Nach Angaben beider Unternehmen soll die Identität von Marcard, Stein & Co erhalten bleiben. Auch der traditionsreiche Name wird unter dem neuen Eigentümer fortgeführt.
„Wir freuen uns, mit einem internationalen Partner wie Rothschild & Co an der Seite weiter zu wachsen“, sagt Thomas R. Fischer. Als Multi Family Office mit Banklizenz sei das Unternehmen für seine Kunden ein verlässlicher und objektiver Berater. „Stabilität und Zukunftsfähigkeit sind die tragenden Säulen von Marcard, Stein & Co.“
Auch Rothschild & Co betont die kulturelle Nähe beider Häuser. „Marcard, Stein & Co ist eines der führenden Multi-Family-Offices in Deutschland“, sagt François Pérol. Die gemeinsame Ausrichtung beider Unternehmen – geprägt von langfristigem, generationenübergreifendem Denken und einer Historie im Familienbesitz – bilde eine ideale Grundlage für die Transaktion.
Konsolidierung im Wealth-Management-Markt
Die Übernahme reiht sich in einen breiteren Konsolidierungstrend im europäischen Wealth-Management- und Family-Office-Markt ein. Steigende regulatorische Anforderungen, zunehmende Digitalisierung sowie wachsende Ansprüche vermögender Kunden führen dazu, dass Größe und Skaleneffekte für viele Anbieter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig suchen internationale Vermögensverwalter gezielt nach Möglichkeiten, ihre Präsenz in attraktiven Märkten wie Deutschland auszubauen.
Mit der Übernahme von Marcard, Stein & Co stärkt Rothschild & Co seine Position in diesem Segment deutlich. Für Warburg markiert die Transaktion hingegen einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer fokussierteren Geschäftsstrategie. Beide Häuser setzen damit auf unterschiedliche Weise auf Spezialisierung – der eine durch Konzentration, der andere durch Expansion.
Warburg trennt sich von Marcard, Stein & Co – Rothschild & Co stärkt Family-Office-Geschäft in Deutschland
