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UBS/CS Fusion könnte für die „kleine“ Schweiz zu groß sein

IPE DACH hat sich in Zürich bei institutionellen Investoren zur Bankenkrise umgehört.

Der große Schock hatte sich eindeutig schon gelegt, als sich letzte Woche hunderte Stiftungsräte und Pensionskassenvertreter sowie Asset Manager zur jährlichen „Fachmesse Zweite Säule” in Zürich trafen.

Am Montag vor einer Woche war offiziell der letzte Tag an dem die Credit Suisse als eigenständige Bank in der Schweiz bestand. UBS hatte von der Regierung den Auftrag bekommen, die 167 Jahre alte Finanzinstitution zu retten.

Für viele war es ein Schock, dass in der Schweiz eine Bank „dann doch so schnell zerbrechen” kann. Andere haben es kommen sehen, nach den „vielen, vielen, vielen Fehlern, die sich über die vergangenen Jahre angesammelt haben”, wie es ein Branchenvertreter beim Kaffee formulierte.

Ein Experte sieht hier auch die Schuld – neben dem Fehlverhalten etlicher Führungskräfte – am Schweizer Aufsichtssystem: „Es ergeben sich Fragen, ob etwa die Finanzmarktaufsicht früher bzw. mehr einschreiten hätte dürfen und sollen. In der Schweiz ist man hier manchmal schon zu übervorsichtig in Eigentum und Unternehmen einzugreifen.”

Noch mehr Schuld sei aber bei den großen institutionellen Anlegern wie z.B. BlackRock zu suchen, die die Schweizer Bank nur für die Indizes gehalten haben. Dazu ein Berater: „Die haben ihre Stimmrechtspflichten nicht wahrgenommen, weil sie sich einzelne Titel meist nicht genau ansehen.”

Too big to please?
Aus den zwei größten Banken des Landes, die allerdings beide schon längst nach sehr US-amerikanischem Vorbild geführt werden, wird also jetzt eine. Damit gibt es dann auch einen Depotbankanbieter weniger. Und hier scheiden sich die Geister in der Pensionskassenbranche. Einige glauben, dass der neue Anbieter für viele Vorsorgeeinrichtungen zu groß und damit zu wenig vertrauenswürdig sein wird. Deshalb könnte es sein, dass sie auf andere Schweizer Anbieter, oder – was noch kaum der Fall ist – auch auf ausländische Depotbanken ausweichen.

Andere glauben, dass UBS – „zumindest aus Marketingüberlegungen” – den „Schweizteil“ der Credit Suisse in einer ausgelagerten Tochtergesellschaft beibehalten wird, u.a. für Depotbank-Services. Denn die Wahl zwischen UBS und Credit Suisse als Depotbank war auch oft eine Frage des Hintergrunds einer Vorsorgeeinrichtung. Credit Suisse als Geldgeberin für KMUs und UBS für die Großfirmen.

Auch im Bereich Schweizer Immobilien werde es zu einer „deutlichen Klumpenbildung” kommen, sagte ein Pensionskassenvertreter. Zusammen wird die neue Bank beinahe die Hälfte aller heimischen Immobilienfonds halten. Das beunruhigt einige Investoren.

Klar ist, dass vieles noch unklar ist, wie etwa die genaue Struktur der neuen Großbank, welche Teile behalten, welche verkauft oder welche ausgelagert werden.

Dass zum Thema Credit Suisse eine parlamentarische Untersuchungskommission einberufen wurde, ist zwar eine Seltenheit in der Schweiz – besonders herausragende Erkenntnisse werden hier aber von den wenigsten Institutionellen erwartet.

Schon eher mit Spannung blickt man auf eine Klage, die einige Versorgungswerke und andere Anleger gegen die Finanzmarktaufsicht gegen die völlige Abschreibung von Nachranganleihen der Credit Suisse eingebracht haben.

Auch die Personalfrage wird sich erst nach und nach herauskristallisieren. Noch beim Pizzaessen am Sonntag vor Deal-Abschluss sagte eine Mitarbeiterin aus der mittleren Führungsebene: „Morgen gehe ich in die Arbeit, dann werden wir weitersehen.”