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Kommentar: Master-KVG-Konzept – Alles aus einer Hand

Für institutionelle Investoren zahlt sich die zentrale Anlageverwaltung über eine Master-KVG in Zusammenspiel mit einer Verwahrstelle und unter Einbeziehung von Direktanlagen doppelt aus: Sie reduziert Kosten und Aufwand.

Christian Wutz

Harold Keller

Institutionelle Anleger haben ein Bündel an Herausforderungen: Nicht nur das anhaltend niedrige Zinsniveau macht ihnen zu schaffen, auch die Portfolioverwaltung wird immer aufwändiger. Um Anlagechancen zu maximieren und Risiken zu minimieren, sind die Einzelpositionen stark diversifiziert. Das erschwert allerdings Kontrolle und Steuerung.

Der Blick auf die Fondsbranche offenbart, dass dies kein Randproblem ist: Institutionelle Anleger repräsentieren das Gros des Marktes – laut dem Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hatten sie Ende Juni 2019 rund 1,7 Billionen Euro in Spezialfonds angelegt. Allein im ersten Halbjahr 2019 sind mehr als 38 Mrd. Euro neue Mittel in Spezialfonds geflossen.

Bessere Risikokontrolle und Übersicht
Auf der Suche nach stabilen und nachhaltigen Ertragsquellen setzen Versicherungen und Pensionskassen zunehmend auf alternative Anlagestrategien. Diese müssen nicht nur gefunden und gemanagt, sondern auch so ins Gesamtportfolio eingebettet werden, dass die Risikokontrolle gewährleistet ist. Die gesetzlichen Anforderungen an Reporting und Bilanzierung müssen erfüllt sein, Steuerthemen und Wirtschaftsprüfung kommen hinzu. Bei einem diversifizierten Portfolio mit zahlreichen Positionen aus Spezialfonds, Direktanlagen und Liquidität, wie es in der aktuellen Marktlage sinnvoll ist, ergibt sich ein komplexer Management- und Verwaltungsaufwand.

Abhilfe schafft eine Neuaufstellung der Anlagen bei einer Master-Kapitalverwaltungsgesellschaft (Master-KVG). Knapp gesagt betreibt der institutionelle Investor so Outsourcing für alle Portfoliomanagement-Leistungen: Die Fondsanlagen werden bei einem externen Administrator gebündelt, spezialisierte Portfoliomanager treffen die Entscheidungen.

Master-KVG bündelt alle Anlagen
Das Alles-aus-einer-Hand-Prinzip spart Geld, denn es vereinheitlicht Prozesse und Reporting, erhöht die Übersichtlichkeit und erleichtert Risikokontrolle sowie Bilanzierung, Steuerlegung und Wirtschaftsprüfung. Alle Prozesse und der Gesamtüberblick des investierten Kapitals lassen sich über Softwareschnittstellen in die technische Struktur des institutionellen Investors einbinden. Das spart Zeit und Ressourcen, denn der Anleger hat nur einen Ansprechpartner – nämlich die Master-KVG – der ihm alle Dienstleistungen und benötigten Unterlagen passgenau zur Verfügung stellt. Je nachdem, welche Vermögen angelegt werden, bietet sich eine unterschiedliche Struktur für die individuelle Master-KVG an.

In der Basisvariante der Master-KVG überträgt der institutionelle Investor seine Fonds, die bei unterschiedlichen KVGen aufgelegt wurden, auf einen Spezialfonds. Dieser gliedert sich in beliebig viele Segmente auf, die Asset Manager unabhängig voneinander führen. Dabei hält der Anleger in seinen Büchern nur die Anteile des Hauptfonds. Die Abschreibungsgefahr sinkt, denn Verluste lassen sich zwischen Segmenten ausgleichen. Das Reporting wird sowohl auf Ebene der Segmente als auch des Hauptfonds erstellt.

Einbindung von Direktanlagen
Allerdings verwalten viele institutionelle Investoren einen Großteil ihres Kapitals nicht in Fonds, sondern als Direktanlagen. Diese machten 2018 laut der Ratinggesellschaft Telos GmbH rund 56% der institutionellen Assets aus. Die Master-KVG ermöglicht die Einbindung solcher selbstverwalteter Direktbestände: Wie in der Basisvariante werden alle Fonds in der KVG zusammengeführt, die Eigenanlagen werden in die Depotstruktur und ins Reporting integriert. Auch stille Lasten und Reserven oder IFRS-Buchhaltung lassen sich problemlos abbilden.

Zusätzlich können Investoren eine Verwahrstelle einbinden, die die gesamte Administration steuert. Dazu gehören Front-, Middle- und Back-Office oder Reportings hinsichtlich Performance, Risiko und ESG-Kriterien. Die Verwahrstelle übernimmt etwa Berechnung, Kalkulation und Kontrolle des Net Asset Value oder Issuer Services. Bei Bedarf können Anleger von weiteren Funktionen wie Wertpapierleihe, Overlay- oder Collateral-Management profitieren.

Komplettlösungen sind die Zukunft
Als Komplettlösung bietet die Kombination aus Spezialfonds, Direktanlagen und Verwahrstelle weitere Vorteile: In der täglichen Arbeit hat der Anleger für sämtliche Fragen einen zentralen Ansprechpartner – das vereinfacht Prozesse. Da die Master-KVG das komplette Reporting abdeckt, profitiert der Investor von einheitlichen Kennzahlen und Performanceindikatoren. Der Kostenvorteil durch die Bündelung der Verwaltung wirkt sich positiv auf die Gesamtrendite aus. In Summe erlaubt die Master-KVG ein portfolioübergreifendes Risikomanagement bis hin zum Overlay aller Bestände – der Investor kann sich voll auf die Allokation konzentrieren.

Die Überführung des institutionellen Anlagevermögens in eine Master-KVG erfordert Vertrauen in den Dienstleister. Anleger sollten bei der Auswahl auf ein starkes Rating sowie eine persönliche Betreuung vor Ort achten. Auch die technische Sicherheit der Fondsbuchhaltung und ein breites Unterverwahrernetzwerk des Dienstleisters sind wichtige Kriterien.

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*) Christian Wutz ist Managing Director, Head of Coverage, Marketing and Solutions, bei Société Générale Securities Services München. Harold Keller ist Head of Sales and Relationship Management bei Société Générale Securities Services Deutschland.