IPE Institutional Investment: Welche Themen sind in diesem Jahr für Sie für Ihr Panel in Monaco interessant?
Hill: Das Thema Fondsboutiquen und Family Offices ist glücklicherweise kein Modethema. Family Offices wie auch andere institutionelle Investoren betrachten die unabhängigen Asset Manager als eine etablierte Bereicherung des Investmentuniversums. Über die Jahre nehme ich wahr, dass sich natürlich häufig Investmentprozesse auf Anbieterseite wie auch Due Diligence-Prozesse auf der Investorenseite weiter entwickeln. Umso interessanter wird es bei der Paneldiskussion sein, Unterschiede mit den Panelisten herauszuarbeiten. Was macht eine gute Fondsboutique aus? Wie gewichtet man quantitative und qualitative Faktoren bei der Auswahl? Was sollte ein Anbieter berücksichtigen, um auf das „Radar“ von Family Offices zu kommen? In Monaco sitzen neben Fondsselektoren auch eine große Anzahl von Produktanbietern. Meine Erfahrung über viele Panels hinweg: Im Bereich der Kommunikation zwischen Produktanbietern und Family Offices gibt es immer noch große Optimierungspotenziale!
IPE Institutional Investment: Kurz vor Ihrem Monaco-Termin werden Sie in Frankfurt ein weiteres Panel zum Thema „Kopf, Bauch oder Maschine?“ mit Produktanbietern moderieren. Wo kann hier ein Schwerpunkt bei Ihrer Diskussion liegen?
Hill: Natürlich werden in Frankfurt auch Themen wie Due Diligence, Prozesse und Managementstrategien und Investmentstile angesprochen. Themen wie regelgebundene Investmentprozesse und diskretionäres, gegebenenfalls „intuitives“ Fondsmanagement bieten sich zur kontroversen Diskussion an. Maschine schlägt Persönlichkeit? Roboter übernehmen die Macht? Aktives versus pseudo-aktives Management – wo liegen die Grenzen? Welche Verbindungen gibt es bei den Themen Fondsboutiquen und aktives versus passives Management? In diesem Zusammenhang erscheint immer wieder interessant, dass die Begrifflichkeiten in der Diskussion immer noch verschieden benutzt werden. Welche Bedeutung spielen ETFs und „Smart Beta“? Was unterscheidet Modethemen von langfristigen Investmentrends? Value, Growth, Blend – auch hier verbinden sich die angeführten Punkte zu Themen, die viel Anregung zur Diskussion bieten.
IPE Institutional Investment: Welche anderen interessanten Themen sehen Sie derzeit in der Fondsindustrie?
Hill: Wie oben angeführt, die Diskussion, was wirklich aktives und passives Management bedeutet, erscheint mir noch nicht ausdiskutiert. Ich bekomme bei bestimmten „Medien-Themen“ wie Fintech das Bedürfnis nach Zusatzinformation durch Branchenexperten – einfach weil der Begriff so weit gefasst ist. Auch kann eine fundierte Definitionsdiskussion hilfreich sein: Fintech – was genau bedeutet es für die klassische Asset Management-Industrie? Berenberg, Hauck & Aufhäuser und Universal-Investment haben diesen Frühling beispielsweise bei internen Veranstaltungen diese Themen intensiver diskutieren lassen. Eine Bestätigung der Aktualität des Themas: Auf der funds exellence werden u. a. auch Herr Richter vom BVI und Professor Dr. Hackethal von der Universität Frankfurt mit Frau Schwarzer vom Handelsblatt dieses Thema erörtern („Zukunft der Anlageberatung? - Honorar oder Provision / Berater oder Roboter?“). Dieser Bereich weist zumindest in Grundzügen eine Verbindung zu dem oben angeführten Thema „Kopf, Bauch oder Maschine?“ auf. Zu dem Themenkreis Fintech habe ich noch keine feste Meinung, deshalb verspricht die weitere Diskussion spannend: Was passiert mit „konventionellen“ Vermögensverwaltern? Wo bestehen die Chancen und Risiken für Portfoliomanager?
IPE Institutional Investment: Asset Management, „Robo Advisory“ und andere quantitative Betrachtungsweisen liegen thematisch nahe beieinander. Welche sogenannt weicheren Themen beobachten Sie derzeit zusätzlich mit größerem interessiert?
Hill: Klassische Schnittstellen erscheinen mir oft interessant. Oft hat man das Gefühl, dass viele Dinge eigentlich nicht isoliert betrachtet werden müssen. Am 18. Juni werden ich untere anderem die Gelegenheit haben, bei der Veranstaltung „Risikoprofiling für Anleger“ ein recht heterogenes Panel zum Thema Risikomanagement zu moderieren (Prof. Dr. Yvonne Brückner, Tobias Karow, Bernd Bötsch, Ilona Freudenreich). Warum sind solche Konstellationen interessant? Man kann das Thema Risiko einmal durch die Brille eines Produktanbieters (Stiftungsfonds), einer Marketing-Spezialistin (Stiftungen), einer Professorin (Family Offices & Stiftungen) und eines Redakteurs (Die Stiftung) betrachten. Themen wie Risikomanagement, Risikoempfinden und Regulierung findet man genauso bei Diskussion mit Selektoren. Bei eigenen Investmentkonzept-Checks (Fondsauflage) oder bei Fondsselektions-Projekten stelle ich bei Diskussionen mit Investoren häufig fest, dass diese scheinbar weicheren Faktoren eine große Bedeutung besitzen. Gerade die Teile, die hier häufig nicht vollständig befriedigend mit reinem Zahlengerüst beantwortet werden können, stoßen auf den größten Diskussionsbedarf. Man landet dann häufig, wie zu Beginn unseres Gespräches, wieder bei den Themen „Köpfe“ und Prozesse, die notwendigen quantitativen Daten werden ohnehin beim Entscheidungsprozess berücksichtigt: Die Teilnahme auf Fachveranstaltungen oder das Publizieren von Artikeln stellen eigentlich nur „Bausteine“, die neben der Projektarbeit zusätzliche Anregungen zum fachlich motivierten Gedankenaustausch mit der Investorenseite geben, ähnlich wie Formate für „Investoren-Dialog“ wie das nächste Frankfurter Fondsboutiquen-Panel.
IPE Institutional Investment: Einmal über den Tellerrand geschaut – welche Themen interessieren Sie außerhalb der Asset Management-Branche?
Hill: Derzeit lese ich nochmals ausgewählte Kapitel aus „Strategische Logik – Die langfristigen Quellen der Unternehmensrentabilität“ von Prof. J. Carlos Jarillo. (Auch interessant: „Sintflut“ von Adam Tooze, Geschichte). Diesen Mai hatte ich einmal die Gelegenheit, einen seiner Vorträge auf einer Veranstaltung in Frankfurt anzumoderieren. Völlig losgelöst von seiner Portfoliomanagement-Expertise („Value Investing“) erschien mir insbesondere sein Hintergrund als Strategieexperte interessant. Viele der Themen, die er in seinem Buch behandelt, lassen sich auf viele Branchen übertragen, einfach nur ein paar grundsätzliche Überlegungen, die einmal in ergänzenden Facetten präsentiert werden: Ob ich jetzt die Positionierung eines Vermögensverwalters betrachte oder die Positionierung eines Automobilherstellers – am Ende geht es um Kommunikation, Strategien und Marktzutrittsschranken. Über den Tellerrand geschaut – Family Offices, Vermögensverwaltungen und auch Stiftungen stellen genauso Dienstleistungseinheiten dar wie Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer und Consultants. Auch Kunst, Soziales, Medien und viele andere Bereiche kann man durch diese Brille betrachten. Von hier aus ist man schnell bei den allgemeinen Bereichen Wirtschaft, Geschichte, Politik und Philosophie – wie eingangs erwähnt, die Diskussion an den Schnittstellen erscheint faszinierend – wenn man diese Verbindungen sieht, mit der Grundausrichtung: „Connecting the dots“!
IPE Institutional Investment: Herr Hill, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info(at)markus-hill.com; Website: <link http: www.markus-hill.com>www.markus-hill.com
Veranstaltungshinweise zu FundForum International, Monaco ( 29.6. – 2.7.2015) / funds exellence, Frankfurt (23.6.2015) / „Risikoprofiling für Anleger“, Wiesbaden (18.6.2015): <link http: de.slideshare.net markushill fund-forumfundsexellencerisikoprofiling13062015>
de.slideshare.net/MarkusHill/fund-forumfundsexellencerisikoprofiling13062015