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„Gerade unabhängige Vermögensverwalter, Family Offices, Banken und spezialisierte Asset Manager profitieren von dieser besonderen Positionierung des Fondsplatzes Liechtenstein“

Der Fondsplatz Liechtenstein wächst - Markus Hill* sprach für IPE D.A.CH mit David Gamper, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Anlagefondsverbands (LAFV), über die Spezialisierung auf Private-Label-Fonds, die Rolle einer dialogorientierten Aufsicht und die noch immer größte Wachstumsbremse: die internationale Bekanntheit. Weitere Themen sind die jüngste Roadshow in London und die Frage, weshalb der britische Markt für Liechtenstein langfristig besonders interessant ist. Am 10. November 2026 setzt der LAFV den Dialog in Frankfurt fort.

David Gamper

Markus Hill

IPE D.A.CH: Wie entwickelt sich die liechtensteinische Fondsbranche in diesem Jahr?
Gamper: Wir können mit dem ersten Halbjahr sehr zufrieden sein. Die Assets under Management sind um rund 9% gestiegen. Etwas mehr als ein Drittel dieses Wachstums ist auf Nettomittelzuflüsse zurückzuführen, der übrige Anstieg auf Kurs- und Währungsgewinne. Auch die Zahl der Fondsneugründungen liegt über dem Vorjahresniveau. Das hat uns durchaus überrascht, denn viele unserer Mitglieder waren gleichzeitig stark mit der Umsetzung der AIFMD II beschäftigt. Diese regulatorischen Anpassungen haben erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen gebunden. Umso erfreulicher ist es, dass die Branche ihre Wachstumsdynamik dennoch beibehalten konnte.

IPE D.A.CH: Sie waren gerade auf Roadshow in London – nicht zum ersten Mal. Spüren Sie in Großbritannien inzwischen eine Veränderung?
Gamper: Ja, wir sehen eine sehr erfreuliche Entwicklung. Das Fondsdomizil Liechtenstein war in Großbritannien bis vor wenigen Jahren praktisch unbekannt. Wir mussten daher zunächst Grundlagenarbeit leisten und überhaupt ein Bewusstsein für den Standort schaffen. Die gezielte Marktbearbeitung haben wir erst vor wenigen Jahren aufgenommen; gemessen an der Größe des britischen Marktes arbeiten wir nach wie vor mit einem vergleichsweise bescheidenen Budget. Umso erfreulicher ist es, dass unsere Aktivitäten zunehmend Früchte tragen. Die Zahl der Teilnehmenden an unseren Roadshows wächst von Veranstaltung zu Veranstaltung. Wir führen deutlich mehr vertiefte Gespräche mit Asset Managern und Dienstleistern und verzeichnen mehr konkrete Anfragen. Inzwischen zeigt sich das auch in einer wachsenden Zahl von Fondsgründungen britischer Asset Manager in Liechtenstein. Der britische Markt gehört zu den größten und internationalsten Fonds- und Asset-Management-Märkten Europas. Bekanntheit und Vertrauen entstehen dort nicht über Nacht. Die bisherige Entwicklung zeigt jedoch, dass Liechtenstein mit kurzen Entscheidungswegen, hoher regulatorischer Qualität und Zugang zum europäischen Binnenmarkt auf ein zunehmendes Interesse stößt. Wir sind überzeugt: In Großbritannien stehen wir erst am Anfang und verfügen noch über erhebliches Wachstumspotenzial.

IPE D.A.CH: Liechtenstein gilt als wichtiger Standort für Private-Label-Fonds. Worin liegt die besondere Stärke?
Gamper: Liechtenstein hat sich in den vergangenen Jahren ganz bewusst als Kompetenzzentrum für Private-Label-Fonds positioniert. Während große Fondsdomizile wie Luxemburg oder Irland vor allem internationale Asset Manager mit sehr hohen Fondsvolumina adressieren und ihre Strukturen auf Skaleneffekte ausrichten, konzentriert sich Liechtenstein auf ein anderes Marktsegment. Private-Label-Fonds sind bei uns kein Nischenprodukt, sondern der Kern des Fondsmarktes. Deshalb haben alle Beteiligten – Fondsleitungen, Depotbanken, spezialisierte Dienstleister und Finanzmarktaufsicht – ein gemeinsames Interesse daran, die Rahmenbedingungen für Fondsinitiatoren kontinuierlich zu verbessern und Prozesse effizient zu gestalten. Gerade unabhängige Vermögensverwalter, Family Offices, Banken und spezialisierte Asset Manager profitieren von dieser besonderen Positionierung des Fondsplatzes Liechtenstein. Sie finden Ansprechpartner, die ihr Geschäftsmodell verstehen, kurze Entscheidungswege sowie ein regulatorisches Umfeld, das Innovation ermöglicht und zugleich hohe Qualitäts- und Compliance-Standards gewährleistet. Diese Spezialisierung ist ein echter Wettbewerbsvorteil: Fondsinitiatoren sind in Liechtenstein nicht einer von vielen Kunden, sondern stehen im Mittelpunkt. Das ermöglicht eine enge Zusammenarbeit, individuelle Lösungen und eine hohe Servicequalität – Faktoren, die im Private-Label-Geschäft entscheidend sind.

IPE D.A.CH: Welche Rolle spielt die Finanzmarktaufsicht für die Attraktivität des Standorts?
Gamper: Die Finanzmarktaufsicht ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Ein attraktiver Fondsplatz braucht hohe regulatorische Standards und Rechtssicherheit, aber ebenso eine Aufsicht, die den Dialog mit den Marktteilnehmern sucht und effiziente Prozesse ermöglicht. Genau diese Kombination zeichnet Liechtenstein aus. Ein besonderer Vorteil ist die enge und direkte Kommunikation. Jede Fondsgesellschaft verfügt über einen persönlichen Ansprechpartner bei der Finanzmarktaufsicht. Der regelmäßige Austausch ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Das ist vor allem bei komplexeren Fondsstrukturen oder innovativen Anlageklassen hilfreich: Ein frühzeitiger Dialog klärt regulatorische Fragen und bereitet den Bewilligungsprozess effizient vor. Die Rollenverteilung bleibt dabei klar. Die Finanzmarktaufsicht übernimmt keine Beratungsfunktion, versteht sich aber als zugängliche und dialogorientierte Behörde. Verena Schlömer von der Finanzmarktaufsicht hat dies kürzlich vor Fondsinitiatoren treffend formuliert: «Wir sind keine Berater, beraten aber gerne mit Ihnen.» Dieser Satz bringt den liechtensteinischen Ansatz sehr gut auf den Punkt: frühzeitig miteinander sprechen, gegenseitiges Verständnis schaffen und Lösungen innerhalb des regulatorischen Rahmens finden. Kurze Wege, feste Ansprechpartner und ein konstruktiver Austausch schaffen Planungssicherheit. So lassen sich auch anspruchsvolle Fondsprojekte effizient umsetzen. Diesen Unterschied schätzen viele Marktteilnehmer im internationalen Vergleich besonders.

IPE D.A.CH: Wie wirkt sich die europäische Regulierung auf einen kleinen Fondsstandort wie Liechtenstein aus?
Gamper: Die europäische Regulierung hat für einen kleinen Fondsstandort natürlich spürbare Auswirkungen. Für kleine und mittelgroße Unternehmen, wie sie hierzulande typisch sind, bedeutet die Umsetzung neuer Anforderungen häufig erheblichen Aufwand und zusätzliche Ressourcen. Gleichzeitig besitzt Liechtenstein einen wichtigen Vorteil: Der Regulator setzt die europäischen Vorgaben zielgerichtet um und vermeidet – anders als manche andere Fondsstandorte – zusätzliche Verschärfungen über die Brüsseler Vorgaben hinaus. Diese pragmatische Herangehensweise schafft ein ausgewogenes Verhältnis zwischen notwendiger Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit. Davon profitieren die ansässigen Unternehmen ebenso wie die Fondsinitiatoren. Sie erhalten einen verlässlichen regulatorischen Rahmen, ohne unnötige zusätzliche Hürden. Für einen kleinen Fondsstandort ist es entscheidend, effizient zu bleiben und gleichzeitig die hohen europäischen Standards zu erfüllen.

IPE D.A.CH: Was ist derzeit das größte Hemmnis für weiteres Wachstum?
Gamper: Das größte Hemmnis ist aus unserer Sicht nicht die Qualität des Standorts, sondern seine Bekanntheit. Wer den Fondsstandort Liechtenstein näher kennenlernt, ist in der Regel von den Rahmenbedingungen und der Leistungsfähigkeit des Ökosystems überzeugt. Viele fragen sich dann, weshalb das Wachstum nicht noch stärker ausfällt – und gelangen meist zum gleichen Schluss: Die Stärken Liechtensteins sind international noch immer zu wenig bekannt. Luxemburg und Irland sind seit Jahrzehnten als Fondsdomizile etabliert und investieren erhebliche Mittel in ihre internationale Vermarktung. Unser Verband arbeitet mit einem vergleichsweise begrenzten Budget daran, die Bekanntheit Schritt für Schritt zu erhöhen – mit Roadshows, Social Media und dem direkten Austausch mit Fondsinitiatoren wie Asset Managern, Vermögensverwaltern und Family Offices. Ich bin überzeugt: Je mehr potenzielle Fondsinitiatoren Liechtenstein kennenlernen, desto stärker wird das Wachstum ausfallen. Unsere Aufgabe besteht daher darin, die Sichtbarkeit weiter zu erhöhen und die Stärken des Standorts noch gezielter in die internationalen Märkte zu tragen.

IPE D.A.CH: Wann sind Sie das nächste Mal in Deutschland?
Gamper: Wir werden am 10. November 2026 in Frankfurt sein. Mit dabei sind der stellvertretende Botschafter in Berlin, S.D. Ulrich von Liechtenstein, Klaus Deng, Senior Partner bei Brehmer & CIE. Family Office, Verena Schlömer von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein, Florian Steiger, CEO und Gründer der Icosa Investments AG, Thomas Marte, Präsident des LAFV, und ich selbst. Nähere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Interessierte auf unserer Website.

IPE D.A.CH: Vielen Dank für das Gespräch.

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*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info(at)markus-hill.de · www.markus-hill.de

Veranstaltungshinweis: „Finanzplatz Frankfurt trifft Fondsplatz Liechtenstein“ · 10. November 2026, Frankfurt am Main

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