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„Die Rendite der US-Treasuries am kurzen Ende hat dafür gesorgt, dass die Risikoprämien in den anderen Märkten teilweise deutlich gestiegen sind.“

IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit Bastian Gries, Leiter Unternehmensanleihen bei ODDO BHF Asset Management, über die aktuelle Situation an den Zins- und Credit-Märkten.

Bastian Gries

IPE Institutional Investment: Herr Gries, wie schätzen Sie die aktuellen Maßnahmen der Notenbanken, namentlich der EZB bzw. der US-Fed, ein?
Gries: In der Retrospektive darf man konstatieren, dass Mario Draghi bzw. die EZB über die letzten Jahre einen sehr guten Job gemacht haben. Unseres Erachtens wurden die vollzogenen Maßnahmen bzw. Hilfen für die Märkte auch sehr gut an die Marktteilnehmer kommuniziert. Auch die nun länger als erwartet ausgerichtete Zins-Guidance empfinden wir als positiv.

IPE Institutional Investment: Die Guidance sagt, dass die EZB-Zinssätze bis nach der Sommerpause 2019 wohl auf dem jetzigen Niveau bleiben werden. Bleibt damit die Zinskurve in Europa steil?
Gries: Davon gehen wir aus. Die EZB setzt damit weiterhin den Floor am kurzen Ende. Hier werden wir damit wohl weiterhin „negative“ Zinssätze sehen.

IPE Institutional Investment: Anders sieht es dagegen auf der US-Seite aus…
Gries: Hier beschleunigt sich im zweiten Halbjahr die Rückführung der Fed-Bilanz und die Fed Dots – also die Erwartungen der Fed Gouverneure – sehen nun insgesamt sogar vier Zinserhöhungen im Jahr 2018. Die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA dürfte damit noch weiter auseinanderlaufen.

IPE Institutional Investment: Würden Sie mir insgesamt recht geben, wenn ich sage, dass global die Zeit der ultralockeren Geldpolitik vorbei ist?
Gries: Definitiv ja. Sicherlich noch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, aber die Aussage ist völlig richtig. Die ersten Auswirkungen haben wir ja auch bereits im ersten Halbjahr an den Märkten mit einer teils deutlich gestiegenen Volatilität erfahren müssen. Ausgangspunkt war hier natürlich aber auch ein extrem tiefes Niveau, insofern würde ich das auch als eine Art Normalisierungsprozess bezeichnen.

IPE Institutional Investment: Es ist vermutlich Blick in die Glaskugel, aber glauben Sie, dass die Rückführung der Zentralbankprogramme insgesamt ohne ganz großen Knall ablaufen kann?
Gries: Bisher klappt das Ganze ja noch recht reibungslos. Gerade in den USA sehe ich auch gute Chancen, da sich die Fed ja bereits wieder einen gewissen Puffer für die nächste Abschwungphase aufbaut. Die EZB ist hier noch nicht soweit und braucht so wohl auch ein bisschen Glück, bei den anstehenden Zinsanpassungen nach oben nicht vom Konjunkturzyklus überrascht zu werden.

IPE Institutional Investment: Die aktuelle Gemengelage mit Zoll- und Handelskonflikten lässt nicht nur Gutes erahnen…
Gries: Ich gebe Ihnen da recht, hier gilt es wirklich, ein Auge auf die Konjunkturindikatoren zu haben. Bisher ist das schwer abzusehen, aber die Fed hat hier definitiv das bessere Zeitfenster erwischt.

IPE Institutional Investment: Gegenüber Europa ist die Zinskurve in den USA recht flach. Was sind die Implikationen für die Märkte?
Gries: In den USA können Investoren zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder Anleihen mit einer kurzen Duration und dennoch einer Verzinsung von über 2,5% p.a. kaufen. Sie werden damit zumindest wieder für Inflationsrisiken kompensiert, was über Verdrängungseffekte auch wieder Auswirkungen auf andere Märkte hat, wo das Geld letztlich abfließt. Sie sehen das beispielsweise in den Schwellenländern wo die Risikoprämien deutlich korrigiert haben. Kurz zusammengefasst: Auf der risikolosen Anlageseite gibt es wieder eine Alternative. Entsprechend sind die Risikoprämien in anderen Märkten gestiegen und könnten noch weiter korrigieren.

IPE Institutional Investment: Wo blieben dann Opportunitäten für Credit-Anleger?
Gries: An den europäischen Credit-Märkten ist bereits einiges an Anpassung und Neubewertung passiert. Der Spread im High Yield-Sektor ist beispielsweise um 85 Basispunkte gegenüber dem Jahresanfang gestiegen, trotz größtenteils weiterhin steigender Unternehmensgewinne. Auch der Investment Grade Sektor erscheint kurzfristig eher überverkauft. Des Weiteren bietet der Primärmarkt insbesondere für Investment Grade Emittenten durch aktuell geringere Zuflüsse in die Assetklasse bei guten Emittenten durchaus Opportunitäten.

IPE Institutional Investment: Ansonsten?
Gries: Rising Stars aus dem BB-Segment sehe ich ebenfalls als gute Gelegenheiten an. Wir sprechen hier von Unternehmensanleihen die über die nächsten Quartale in das Investment Grade-Universum hochgestuft werden sollten. Das geht in der Regel mit einer deutlichen Einengung der Risikoaufschläge einher, da sich dadurch die Investorenbasis massiv verbreitert.

IPE Institutional Investment: Sie sprachen die Ausweitung der Spreads in vielen Credit-Segmenten an, ergeben sich hier bereits Einstiegskurse?
Gries: Die Nachrangpapiere der Versicherer sind ein gutes Beispiel für ein interessantes Segment, das im Rahmen der Korrektur meines Erachtens zu stark unter die Räder gekommen ist.

IPE Institutional Investment:
Was ist insgesamt über die nächsten ein bis zwei Jahre mit einem gut strukturierten Credit-Portfolio möglich?
Gries: Es wird letztlich viel von der Zinsentwicklung abhängen, die aktuell sehr schwer zu prognostizieren ist. Wenn wir eine schärfere Zinsbewegung, an die aktuell der breite Markt nicht glaubt, außen vor lassen, sollten sich für ein Investment Grade Portfolio aktuell rund 1,5% p.a. verdienen lassen, im High Yield Bereich ca. 3,5%. Die kürzere Duration im High Yield-Bereich und bei Nachrangpapieren schützen hier auch die Anleger vor stärkeren Zinsänderungen.

IPE Institutional Investment: Steht Short Duration bei Anlegern noch hoch im Kurs?
Gries: Definitiv. Das tiefe Zinsänderungsrisiko zieht nach wie vor institutionelle Anleger an. Mit einer guten Strukturierung kann nach wie vor ein gutes Rendite-/Risiko-Verhältnis dargestellt werden.

IPE Institutional Investment: Besten Dank für diese Einblicke!