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„Der Digital Health Markt wird sich nach einer Studie aus dem vergangenen Jahr von 79 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015 auf über 206 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020 entwickeln“

Eine mehr als überzeugende Performance lieferte in der jüngeren Vergangenheit der Gesundheitssektor an den Aktienmärkten ab. IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager bei apoAsset im Bereich Gesundheitsinvestments, über die wesentlichen Faktoren, die dem Sektor auch weiterhin Rückenwind geben dürften. Lofruthe, seit vielen Jahren bei apoAsset im Bereich der Gesundheitsinvestments aktiv, sieht dabei insbesondere große Chancen durch die anstehende Digitalisierung im Gesundheitswesen. Neben der Effizienzsteigerung durch den zunehmenden Einsatz von digitaler Technologie sei sie auch ein wesentlicher Treiber für den medizinischen Fortschritt und Innovationen in den kommenden Jahren.

Hendrik Lofruthe

IPE Institutional Investment: Herr Lofruthe, warum funktioniert der Trend „Gesundheit“ an den Märkten langfristig so gut?
Lofruthe: Es sind vier wesentliche Faktoren, warum das Thema Gesundheit und die daran gekoppelten Unternehmen langfristig den Gesamtmarkt deutlich schlagen können: der medizinische Fortschritt und Innovationen, die Effizienzsteigerung in der Branche verbunden mit entsprechenden Kostensenkungen, der demografische Wandel sowie die Bedeutung von Gesundheit als Lebensziel der Menschen.

IPE Institutional Investment: Letzteres leuchtet ein, wie sieht es aber mit der Finanzierbarkeit aus?
Lofruthe: Während z.B. in den USA Gesundheitsausgaben bereits rund 18% des BIP ausmachen sind wir in Europa mit rund 9-11% oder gar in Ländern wie China mit 5% noch weit davon entfernt. Gerade in den aufstrebenden Schwellenländern werden wir daher in den kommenden Jahren – mit steigendem individuellen Wohlstand – ein deutlich überproportionales Wachstum der Nachfrage sehen.

IPE Institutional Investment: Sie hatten auch bereits den demographischen Wandel angesprochen. Gibt es hier Zahlen wie sich die steigende Lebenserwartung in den Umsätzen des Gesundheitsmarktes niederschlägt?
Lofruthe: Im Alter nehmen die Krankheiten deutlich zu, insofern profitiert der Weltgesundheitsmarkt nach Schätzungen verschiedener Berater wie Roland Berger aber auch der WHO überproportional davon. Die WHO schätzt, dass wir im Jahr 2030 bereits eine Zahl von 20,2 Billionen US-Dollar erreichen. Dies würde einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 5,9% entsprechen. Entsprechend stabil wachsen im Übrigen auch die Erträge der Unternehmen im Gesundheitssektor. Nehmen Sie beispielsweise die Gewinne der Aktien im MSCI World Healthcare Index, diese zeigen über die letzten 20 Jahre eine äußerst stabile Entwicklung, beispielsweise auch während der Finanzkrise.

IPE Institutional Investment: Wie wirkt sich dies auf Ihre Fonds aus?
Lofruthe: Wir haben uns dies jüngst genauer angesehen und festgestellt, dass wir in Aufwärtsphasen zu rund 85% an der Entwicklung des MSCI World partizipierten, in Abwärtsphasen dagegen nur rund 60% der Korrektur verkraften mussten. Es zeigt sich empirisch also ein deutlich defensiver Charakter, der Anleger auch in der aktuellen Phase an den Märkten ruhig schlafen lässt.

IPE Institutional Investment: Stichwort medizinischer Fortschritt, wie sieht es aktuell bei Forschung und Entwicklung aus?
Lofruthe: Die großen Pharmaunternehmen kämpfen kontinuierlich gegen auslaufende Patente. Bis 2024 fällt bei Medikamenten im Wert von über 250 Mrd. US-Dollar der Patentschutz weg – diese Lücke muss gefüllt werden. In den letzten Jahren haben wir einen historisch beispiellosen Innovationsschub insbesondere bei den Small- und Mid-Cap Unternehmen im Biotech Bereich gesehen, was uns wiederum ein interessantes Investmentumfeld geboten hat. Über die nächsten Jahre werden wir dort weiterhin eine spannende Entwicklung beobachten, zum Beispiel in der Molekularbiologie oder der Gentherapie. Aber auch in die Onkologie und die Behandlung von seltenen Krankheiten setzt die Industrie große Hoffnungen.

IPE Institutional Investment: Was heißt das in Umsatzpotenzial für die Branche?
Lofruthe: Wir sprechen hier über Milliardenmärkte, in denen neue Produktzyklen beginnen. Im Bereich der Onkologie sprechen wir über eine Umsatzgröße von rund 100 Mrd. US-Dollar, bei Diabetes über 40 Mrd. US-Dollar und der Bereich Alzheimer wird über die nächsten Jahre ebenfalls stark wachsen.

IPE Institutional Investment: Nun haben wir schon über unterschiedliche Teilbereiche des Marktes gesprochen, wie decken Sie die Trends in Ihren Fonds ab?
Lofruthe: Wir greifen den defensiven Charakter der Branche zum Beispiel in unserem Fonds apo Medical Opportunities auf. So streuen wir unsere Investments über alle Teilbereiche Pharma, Biotechnologie, Medizintechnik und auch Subsektoren wie Dienstleister, Großhandel und IT. Insgesamt sprechen wir dabei von 180 bis 200 Positionen im Fonds, wobei die zehn größten Positionen derzeit rund 19% des Volumens ausmachen.

IPE Institutional Investment:
Setzen Sie trotz aller Diversifikation mitunter Schwerpunkte auf die einzelnen Subsektoren wie Biotechnologie?
Lofruthe: Bei diesem Fonds steht strategisch die Ausgewogenheit im Vordergrund. Entsprechend macht jeder der Subsektoren rund 25% des Gesamtvolumens aus. Diese Quote halten wir auch recht stabil. Daneben haben wir einen spezialisierten Aktienfonds, der sich ausschließlich auf den Subsektor Digital Health fokussiert.

IPE Institutional Investment: Wie erfolgreich ist bzw. war das?
Lofruthe: Die institutionelle Tranche des breiten Gesundheitsfonds konnte seit Fondsauflage vor knapp 4 Jahren eine Performance von 57,7% per 31. August 2018 ausweisen und damit den MSCI World und auch den MSCI World Health Index deutlich outperformen. Das Gesundheitskonzept des weitaus älteren Retailfonds lieferte in den letzten 13 Jahren rd. 10% p.a.

IPE Institutional Investment: Wie stellt sich die aktuelle Bewertungssituation dar?
Lofruthe: Wir halten Healthcare-Aktien für weiterhin attraktiv. Die Schere zwischen Healthcare Aktien und dem breiten Markt hat sich über die letzten Jahre geschlossen. Dennoch zeigt sich unserer Ansicht nach im Vergleich zur historischen Bewertung noch Aufholpotenzial. Nach unserer Berechnung liegen Healthcare-Aktien mit ihrem KGV von aktuell rund 17 noch am unteren Ende des „fairen“ KGV-Bereichs von 16 bis etwa 20.

IPE Institutional Investment: Nun haben Sie jüngst auch den apo Digital Health Fonds lanciert, sozusagen der eGesundheitsfonds?
Lofruthe: Das kann man so durchaus sagen. Wir sehen durch unser Research in der Branche klar die breite Entstehung von neuen Geschäftsmodellen, welche die Effizienz und Effektivität der Gesundheitssysteme verbessern. Beispiele hierfür sind die digitale Patientenakte (cloudbasiert) oder der Bereich Telemedizin. Der Digital Health Markt wird sich nach einer Studie aus dem vergangenen Jahr von 79 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015 auf über 206 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020 entwickeln. Ein beeindruckendes Wachstum von über 20% im Jahr von dem wir mit unserem Fonds profitieren werden.

IPE Institutional Investment: Wie kommt das Konzept am Markt an?
Lofruthe: Wir konnten im Jahresverlauf bis Ende August eine Performance von fast 30% erreichen, das Volumen hat sich seit Jahresanfang auf aktuell rund 115 Mio. Euro mehr als verdoppelt.

IPE Institutional Investment: Besten Dank für diese Einblicke.